Drei Fragen zum Fasnachtsrassismus in Basel

mit Maureen, Sekundarlehrerin und Mutter von 2 Schwarzen Söhnen

  1. Was waren dieses Jahr die empörendsten Vorfälle?

Empörend fand ich die Fülle an Gruppen- und Einzelsujets, die an der basler Fasnacht solidarisch mit der Negro Rhygass und Mohrenkopf-Gugge die rassistischen N- und M-Wörter auf ihre Laternen, Wagen und „Zettel“ schrieben und grosszügig verteilten. Dies geschah nicht selten in Kombination mit Blackface oder Larven und Kostümen, die Schwarze Menschen im Kolonialstil karikierten und mokierten. Besonders schockiert hat mich auch, als ich einen Schwarzen Mann im Bimbo-Affenlook, mit hässlicher Dreadlockperücke und einer Bananenkette um den Hals, zur Belustigung der Masse M-Köpfe verkaufen sah. Als ich ihn ansprach, musste ich feststellen, dass dieser kaum Deutsch oder Englisch sprach und ahnungslos wirkte. Später begegneten mir mehrere weitere solche mobilen M-Kopf-Verkaufsstände, diese jedoch geführt von blonden Frauen mit Blackface und der gleichen Bananenkette und Dreadlock-Perücke ausgestattet. Das Thema M-Kopf war sogar an der Kinderfasnacht präsent, was mich besonders traurig stimmte. Ich musste meinen Schwarzen Söhnen zudem die von einer Clique reproduzierte Völkerschau erklären, während sich rundherum alle amüsierten. Für uns als Schwarze Familie war die Fasnacht der reinste Stress und machte so definitiv keinen Spass.

  1. Was steht aus antirassistischer Sicht auf dem Spiel?

Diese Art von Fasnacht ist respektlos, verletzend und traumatisierend für Schwarze Menschen und People of color (Poc). Viele Schwarze Menschen und Poc meiden die Fasnacht bewusst oder getrauen sich teilweise nicht mal mehr aus dem Haus. Mit solch rassistischen Kostümen, Sprüchen und Symbolen in Kontakt zu kommen ist traumatisierend und triggert viele Menschen. Es ist ein Stress und gefährdet die psychische Gesundheit vieler Betroffener. Die Solidarität zum Erhalt rassistischer Traditionen scheint grösser als die Solidarität mit Minderheiten. Das ist eine schmerzhafte Erkenntnis und löst ein Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins bei vielen Schwarzen Menschen in der Schweiz aus. Besonders schädlich ist dieses rassistische Klima auch für Kinder. Schwarze Kinder müssen mitansehen, wie man sich über sie lustig macht, weissen Kindern wird vermittelt, dass Rassismus völlig in Ordnung und selbstverständlicher Teil der Tradition ist und bleiben soll.

  1. Wie können Anti-Rassist*innen reagieren?

Es braucht deutlich mehr Solidarität mit von Rassismus betroffenen Menschen in der Schweiz. Cliquen mit rassistischen Sujets und Botschaften gehören angezeigt. Es braucht Beweismaterial und rechtliche Konsequenzen. Es braucht Verbündete, die laut werden, die aktiv werden, die Leserbriefe schreiben, Beschwerden einreichen, das Fasnachtskommitee, das EKR, Ombudsstellen, Politiker*innen, Medien anschreiben. Organisationen von Minderheiten sollen miteinbezogen werden.