Rassistische Wissensproduktion

16. Februar 2019
Fremdenfeindliche Polemik auf Inside Paradeplatz: Journalist des Jahres verbreitet Hetzartikel gegen Geflüchtete

Lukas Hässig wurde vom „Schweizer Journalist“ zum Journalist des Jahres erkohren. Nun publiziert er auf seinem Finanzportal „Inside Paradeplatz“ Hetzartikel gegen Geflüchtete. Die Gastautorin Isabel Villalonhat durfte auf dem von Hässig verwalteten Blog üblen Rassismus-Scheiss verbreiten. Hässig kommentiert dies mit „Die Frau kann schreiben und packt mutig heisse ­Eisen an“ und verweist auf die Meinungsfreiheit. Hässig war Wirtschaftsredaktor der peinlich-langweiligen Blätter Finanz und Wirtschaft, Sonntagszeitung, Facts und schrieb für die Weltwoche und Bilanz.
https://www.blick.ch/news/schweiz/fremdenfeindliche-polemik-auf-inside-paradeplatz-journalist-des-jahres-verbreitet-hetzartikel-gegen-fluechtlinge-id15161334.html
https://insideparadeplatz.ch/2019/02/06/50jaehrig-und-ausgesteuert-verbrenne-pass-und-id-und-lerne-arabisch/

 

27. Januar 2019
Rechte Kaderschmiede in altem Kloster
Benjamin Harnwell (Leiter des ‘Dignitas Humanae Institute’, einer ultrakonservativen Einrichtung) hat für Steve Bannon – ehemaliger Chefstratege von Trump und rechtsradikaler Verschwörungstheoretiker – östlich von Rom ein riesiges Kloster für die nächsten 19 Jahre gemietet, um einen «halb mittelalterlichen Universitätscampus, halb Gladiatorenschule für Kulturkämpfer» zu betreiben.
Bis zu 350 Studierende sollen ab 2020 hier Blockkurse in Philosophie, Wirtschaft, Geschichte und Theologie besuchen. «Selbstverständlich unter einer populistisch-nationalistischen Perspektive. Wir werden das spirituelle Zuhause des Bannonismus sein», erklärt Harnwell stolz.
Während Bannons politische Organisation «Die Bewegung» euroskeptische nationalistische Parteien vor den Europawahlen stärken und zusammenbringen soll, ist das Ziel der Akademie längerfristig gesetzt: Ideologische Scheisse wie Hetze gegen den Islam, heteronormative sexistische Geschlechterverhältnisse, Evolutions-Gegner*innentum und antisemitische Verschwörungstheorien sollen nachhaltig verbreitet werden.
Im kleinen Dorf Callepardo nebenan regt sich Protest, allerdings weniger aus politischen und mehr aus ökonomischen Gründen, weil Tourist*innen das Kloster nun nicht mehr besichtigen können.
https://rabe.ch/2019/01/23/ei-ei-polizei/
https://www.welt.de/politik/ausland/article186936972/Italien-Protest-gegen-Stephen-Bannons-Kaderschmiede-in-Kloster.html
https://www.nzz.ch/international/gladiatoren-fuer-bannon-ein-kloster-am-fusse-des-apennins-soll-zur-kaderschmiede-der-rechtspopulisten-werden-ld.1453687

30. Dezember 2018
Post-migrantische Schweiz: Der lange Weg von der Figur der „Ausländer*in“ zum „Menschen mit Migrationshintergrund“ – same same but different?  
Statistische Kategorien wirken seit jeher als Kontrollmechanismen und schaffen Realität. Ein Beispiel dafür ist der «Ausländeranteil» in der Bevölkerungsstatistik: Seit über hundert Jahren wird mit dieser Grenzziehung zwischen «wir» und «sie» Politik gemacht. Wissenschaftler*innen betonen allerdings schon lange, dass die alten Ausländerstatistiken allein nicht geeignet sind, die plurale Realität heutiger Einwanderungsgesellschaften abzubilden. Sie verweisen zum Beispiel auf Menschen, die in der zweiten und dritten Generation in der Schweiz leben und hier ihre Heimat haben, aber rechtlich «Ausländer*innen» sind.
Da die rechtliche Unterscheidung Inländer*in/Ausländer*in nicht ausreicht, fand in den 2000er-Jahren eine neue, soziologische Kategorie Eingang in die Statistiken: die Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Auch die schweizer Behörden arbeiten mit dieser Kategorie. Der Migrationsstatus einer Person ergibt sich hier durch die Kombination der persönlichen Merkmale «Geburtsland», «Staatsangehörigkeit bei Geburt» und «aktuelle Staatsangehörigkeit» sowie dem Merkmal «Geburtsland der beiden Eltern». Gemäss der aktuellsten BFS-Statistik werden 37,2 Prozent der in der Schweiz lebenden Menschen in diese Kategorie eingeteilt. Von vielen sei die Kategorie des Migrationshintergrunds am Anfang durchaus auch als Fortschritt und Empowerment wahrgenommen worden, als eine Möglichkeit, dazuzugehören, ohne seine Migrationsgeschichte zu verdecken. Faktisch verschiebt sie aber trotz dieser Anfangsbegeisterung schlussendlich einfach die Linie von Inklusion und Exklusion. Ausserdem ist durch die Kategorie des Migrationshintergrunds noch gar nichts über die Position von Menschen in einer Gesellschaft ausgesagt. Deswegen ist die Funktion dieser Kategorien mehr oder weniger dieselbe: Ängste vor Überfremdung schüren und von Menschen geschaffene, willkürliche Kategorien als «natürlich» erscheinen lassen.
Postmigrantische Forschende erklären aber, dass es nicht einfach darum gehe, ‘bessere’ statistische Kategorien zu finden, sondern um die Bekämpfung des politischen Unwillens zur Anerkennung der pluralen Gesellschaft, welche die Schweiz längst sei. Die Idee einer «richtigen Schweizer*in» müsse endlich aufgegeben werden.
https://www.derbund.ch/schweiz/standard/die-vorstellung-wer-schweizer-ist-braucht-ein-update/story/31117171#mostPopularComment
https://de.wikipedia.org/wiki/Postmigrantische_Gesellschaft