Migration und Arbeit

19. Mai 2019
Der Bundesrat weitet den Personenkreis aus, den er in die Integrationsvorlehre schicken will.
Der Trend zu einem zunehmend ungleichen Berufsbildungssystem für Schweizer*innen und Nicht-Schweizer*innen nimmt zu. Neu sollen nicht nur anerkannte oder vorläufig aufgenommene Geflüchtete gezielt in eine spezifische Berufslehre kanalisiert werden. Der Bundesrat hat entschieden, die sogenannte Integrationsanlehre auf Jugendliche und junge Erwachsene ausserhalb des Asylbereichs auszuweiten. Im Fokus stehen vor allem Personen, die aus EU/EFTA- sowie aus Drittstaaten zugewandert sind. Mit dieser Massnahme steuert der Staat die Berufsfelder in denen (geflüchtete) Migrant*innen arbeiten oder eben nicht arbeiten sollen.
Junge Migrant*innen, die keine Landessprache sprechen, werden zunehmend in Berufsausbildungen gedrängt, die bis vor kurzem für weniger leistungsstarke Personen gedacht waren. So ist auch der Anteil Migrant*innen in der Attestlehre (EBA) viel höher als er es bei den Anlehren noch war. Gleichzeitig sind die sprachlichen Anforderungen für den Abschluss einer Berufslehre mit Fähigkeitszeugnis (EFZ) stark gestiegen. Durch diese neuen Berufslehrgänge und Berufsdiplome wird Tür und Tor geöffnet, um die Hierarchien und rassistischen Lohnunterschiede auf dem Arbeitsmarkt zu zementieren und zu nähren.
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-75052.html

27. Januar 2019
Genf: Streik bei der Reinigungsfirma Orgapropre
Seit 1999 reinigen Reinigungskräfte der Firma Orgapropre die Räumlichkeiten der Union Bancaire Privée (UBP) in Genf. Die UBP erzielte 2017 einen Reingewinn von 220 Mio. Franken. Um die Preise zu drücken, hat die Bank letztes Jahr den Leistungsvertrag ausgeschrieben und einer Firma vergeben, die die selbe Arbeit billiger erledigt. Orgapropre reagierte darauf und feuerte 37 Mitarbeitende, die bei UBP reinigen.
Um ihre Stelle zu verteidigen oder wenigstens einen guten Sozialplan zu erkämpfen, sind rund 20 Mitarbeitende, darunter zahlreiche Migrant*innen, in einen mehrtägigen Streik getreten. Der Protest findet direkt vor dem Sitz der UBP in Genf statt.
Der Widerstand in der Reinigungsbrache ist aus antirassistischer Sicht wichtig. Erstens ist die Reinigungsbranchne für viele Betroffene von strukturellem Rassismus einer der wenigen zugänglichen Arbeitsbereiche. Zweitens sind die Löhne und die Arbeitsbedingungen in der Reinigungsbrache nicht nur aufgrund von sexistischen und klassistischen Verhältnissen, sondern auch aufgrund von Rassismus prekär.
http://www.sit-syndicat.ch/spip/spip.php?article938
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