Lager ausserhalb Europa

30. März 2019
Widerstand gegen Verschleppung in libysche Lager
Diese Woche haben 108 Geflüchtete gegen ihre Verschleppung zurück nach Libyen Widerstand geleistet. Nachdem sie im Mittelmeer in Seenot gerieten, sollten sie von einem türkischen Öltanker, der sich in der Nähe befand, zurück nach Libyen gebracht werden. Kurz vor der libyschen Küste machte der Tanker aber kehrt und war plötzlich nicht mehr in Richutng Libyen sondern in Richtung Italien unterwegs. Wie es den 108 Geflüchteten 6 Seemeilen vor Tripolis gelungen ist, dass der Öltanker umdrehte, ist noch unklar. Der Tanker mit den Geflüchteten fuhr dann unter militärischer Begleitung nach Malta. Da die sogenannte libysche Küstenwache vor, während und nach der Rettung gerade „out of service“ war, erfolgte die Anweisung des Push-Back’s sehrwahrscheinlich direkt von der EU-Luftüberwachung (wahrscheinlich handelte es sich um ein Militärflugzeug der europäischen Operation „Sophia“). Abgesehen davon, dass ein derartiges Refoulement zurück in die libyschen Lager äusserst brutal und verachtend ist, ist es auch ausdrücklich verboten.
https://ffm-online.org/aufruf-sicherer-hafen-fuer-die-120-boat-people-auf-der-flucht/
https://www.jungewelt.de/artikel/352141.migranten-kapern-handelsschiff-im-mittelmeer.html
https://ffm-online.org/sterbenlassen-oder-refoulement-eu-marineflugzeug-bitte-melden/
https://www.theguardian.com/world/2019/mar/28/ship-hijacked-by-migrants-off-libya-escorted-to-malta

22. März 2019
EU-finanzierte Mangelernährung und Entrechtung in Libyen und Marroko
Zwei Berichte dokumentieren die Notlagen von Geflüchteten in Nordafrika. Ärzte ohne Grenzen besuchte ein Internierungslager der libyschen Bürgerkriegspartei, die von der EU unterstützt wird. Dort werden derzeit mehr als 300 Menschen willkürlich festgehalten, darunter mehr als 100 Kinder und Jugendliche. Fast ein Viertel der Migrant*innen im Internierungslager Sabaa in Tripolis sind akut mangelernährt oder untergewichtig. Die inhaftierten Menschen, die mit europäischen Geldern in das Bürgerkriegsland zurückgezwungen wurden, berichten, sie bekämen oft tagelang kein Essen. Einige der Gefangenen waren in einem kleinen Raum zusammengepfercht worden, in dem jede Person weniger als einen Quadratmeter Platz hatte. Die Menschen konnten sich nicht einmal hinlegen und es hatte keine Toiletten.

Auch in Marrokko nimmt die Repression gegen (flüchtende) Migrant*innen pausenlos zu. Gemäss einem Bericht der Association marocaine des droits humains (AMDH) wurden dieses Jahr im Hassani-Spital in Nador 244 Leichen von Migrant*innen gezählt. Im Vorjahr waren es deren 14. Verteilt auf 15 Zeltstädte leben in Nador 2000-3000 Migrant*innen. Die Zeltstädte werden regelmässig angegriffen. Letztes Jahr zählte die NGO 340 Angriffe durch Spezialeinheiten der Polizei. 2017 waren es 92, 2016 waren es 90 und 2015 waren es 41 Angriffe dieser Art. Bei den Angriffen werden die Menschen gefilzt und die Handys beschlagnahmt. Dann werden sie in Handschellen gefesselt, verhaftet und in entfernte Gegenden wie Errachidia, Benguerir, Tiznit oder an die algerische Grenze verschleppt. Letztes Jahr traf dieses Schicksal laut der AMDH 9100 Personen. 

9. Februar 2019
Katastrophe in Libyen
Am vergangenen Samstag sind es 2 Jahre her, seit Italien, mit Rückendeckung der EU, den dreckigen Deal mit libyschen „Küstenwache“ eingegangen ist, dass diese Menschen im Mittelmeer abfängt und zurück nach Libyen bringt. Dieser Deal ist eine von der europäischen Politik verschuldete humanitäre Katastrophe, denn Libyen ist defakto ein Kriegsgebiet, kontrolliert und umkämpft von verschiedenen Milizen. Geflüchtete werden in Gefängnisse eingesperrt, teils über ein Jahr, bekommen keine medizinische Hilfe und müssen oft tagelang ohne Nahrung ausharren. Viele der Geflüchteten berichten davon, unter Folter um Lösegeld erpresst worden zu sein, oder auch für die Milizen kämpfen zu müssen. Die UNHCR haben zwar angekündigt, dieses Jahr 2500 Geflüchtete aus dem Gebiet zu evakuieren und auch die kanadische Regierung versprach, 750 Geflüchtete aus Libyen aufzunehmen, aber angesichts dessen, dass allein letztes Jahr (2018) 15’000 Menschen aus dem Mittelmeer zurück nach Libyen gebracht wurden, sind solche Versprechen ein trauriger Tropfen auf den heissen Stein.
https://www.theguardian.com/commentisfree/2019/feb/05/eu-deal-libya-refugees-libyan-detention-centres
https://www.tagesschau.de/ausland/kanada-libyen-fluechtlinge-101.html

In Thessaloniki errichten Migrant*innen ein eigenes Zeltlager
In den griechischen Hotspots herrschen unmenschliche Bedingungen. Wir berichteten bereits darüber (z.B. antira-Wochenschau vom 21. September 2018). Weil das Asyllager in Diavata voll ist, entschieden sich nun mehrere Dutzend Personen, zwischen Schutt und Müll eigene Zelte aufzustellen. Diese befinden sich in der Nähe des alten Bahnhofs im westlichen Thessaloniki und sind dem Regen und der Kälte krass ausgesetzt.
https://www.keeptalkinggreece.com/2019/02/04/migrants-pakistan-thessaloniki/?utm_source=ECRE+Newsletters&utm_campaign=ad23e4c1d8-EMAIL_CAMPAIGN_2019_02_06_01_00&utm_medium=email&utm_term=0_3ec9497afd-ad23e4c1d8-422315889

12. Januar 2019
Verheerender Sturm verwüstet libanesische Asylcamps
Der Schneesturm „Norma“ bringt Überschwemmungen und eisige Kälte über die Camps von 250’000 Geflüchteten. Zelte stehen unter einem halben Meter Wasser, während sich die Temperaturen nahe am Gefrierpunkt bewegen. Ein 8-jähriges Mädchen fiel dem Wetter bereits zum Opfer. Es wurde von einem reissenden Fluss mitgerissen. Auch die materiellen Schäden sind verheerend. Das Wenige, das die Geflüchteten noch hatten, verlieren sie ans Wasser.
Der Vorsitzende einer NGO, die vor Ort ist, bittet dringend um internationale Hilfe: „Kinder, ältere Menschen, Kranke und Schwache werden nicht mehr lange überleben, wenn sie nicht an warme und trockene Orte gebracht werden. Dies ist ein humanitärer Alptraum und erfordert enorme koordinierte Anstrengungen, um alle diese Lager rechtzeitig zu erreichen.“
https://reliefweb.int/report/lebanon/snow-and-freezing-temperatures-endanger-flooded-refugee-camps-lebanon
https://www.telegraph.co.uk/news/2019/01/11/8-year-old-girl-dies-syrian-refugee-camps-lebanon-hit-extreme/
UNHCR-Video: https://www.youtube.com/watch?time_continue=131&v=fIGWy5SynVw

Australien: Hungerstreik im «Immigrant detention centre»:
200 Menschen befinden sich im «Immigrant detention centre» in Melbourne im Hungerstreik. Sie fordern eine Verbesserung der Einrichtungen des (vom Staat an eine Privatfirma ausgelagerten) Lagers. Im Lager befinden sich über tausend vom australischen Migrationsregime kriminalisierte Menschen. Durch Hungersteiks und Protestaktionen machen die Betroffenen und Unterstützer*innen immer wieder auf die Probleme des Lagers aufmerksam: Fast keine Privatsphäre, unnötige Beschränkungen, minimale Besuchszeiten, fast keine brauchbaren Möbel und vor allem: eine rassistische und mörderische Migrationspolitik.
https://www.sbs.com.au/news/hundreds-go-on-hunger-strike-at-melbourne-detention-centre?utm_source=ECRE+Newsletters&utm_campaign=983f177a76-EMAIL_CAMPAIGN_2019_01_10_12_32&utm_medium=email&utm_term=0_3ec9497afd-983f177a76-422315889