Antischwarzer Rassismus

26. Mai 2019
Brüssel ist weiss 
Vom 23. bis am 26. Mai können Menschen mit Pässen von EU-Staaten 751 Abgeordnete für das Parlament der Europäischen Union wählen. Das ‘European Network Against Racism’ hat untersucht, wie viele People of Color im europäischen Parlament sind: People of Color waren noch nie in der Position der EU-Kommissar*in oder hatten eine der hohen Positionen im Parlament oder im europäischen Rat inne. Im jetzigen Parlament beträgt die Vertretung von People of Color weniger als 3% – obwohl geschätzte 50 Millionen Menschen in Europa einer ‘ethnischen Minorität‘ angehören – und Cécile Kyenge ist die einzige schwarze Frau im Parlament. Laut den Analysen vom ‘European Network Against Racism’ wird diese Zahl nach den kommenden Wahlen noch sinken. Die Kritik an der bürgerlich-parlamentarischen Stellvertreter*innenpolitik mal auf der Seite gelassen, zeigen sich durch diese Zahlen und durch das Wachstum der rechtsextremen Parteien ganz klar der weitverbreitete Rassismus in Europa.
https://ecre.us1.list-manage.com/track/click?u=8e3ebd297b1510becc6d6d690&id=b9be7c9a5d&e=ee3669ed3d

19. Mai 2019
Update: Juristische Aufarbeitung des Fasnachts-Rassismus?
Die Basler Fasnacht ist immer wieder wegen den unter ihrem Deckmantel ausgeführten rassistischen Praktiken in der Kritik. Dieses Jahr haben vor allen zwei Fälle (die leider aber nicht die einzigen waren) in den Medien Schlagzeilen gemacht: Der «Harus-Waagis Zeedel» und die «Alte Garde der Alten Stainlemer». Beim Strafverfahren gegen die Verfasser*innen des rassistischen Zeedel (gereimtes Flugblatt) konnte die basler Staatsanwaltschaft bis heute keine Hinweise auf eine Täter*innenschaft ermitteln, trotz Spuren in die rechtsextreme Szene und möglichen Verbindungen zur PNOS (‘Haurus’ ist ein Gruss der rechtsextremen Frontenbewegung aus den 30er-Jahren und ebenfalls der Name der PNOS-Zeitschrift). Auf jeden Fall ungeschoren kommt der Altmänner-Verein ‘Alte Garde der Alten Stainlemer’ davon. Diese hatten mithilfe von rassistischer und anti-muslimischer Bildsprache vor einer «Überfremdung» von Kleinbasel gewarnt. Die Staatsanwaltschaft hatte hier aber keinen Straftatbestand erkannt.
Gegen die 12 jungen Männern, die im Rahmen der Fasnacht in Schwyz als Ku-Klux-Klan-Gruppe aufmarschierten, wird eine Strafuntersuchung wegen Rassendiskriminierung durchgeführt. Momentan prüft die Staatsanwaltschaft die Beweise. Erst dann wird entschieden, welche Personen erneut befragt werden. Wann das Urteil verkündet wird, ist noch nicht bekannt.
https://www.20min.ch/schweiz/zentralschweiz/story/Jetzt-muss-die-KKK-Truppe-vor-Staatsanwaeltin-27452627
https://www.basellandschaftlichezeitung.ch/basel/basel-stadt/rassismus-an-basler-fasnacht-ermittler-tappen-noch-im-dunkeln-134453351

14. April 2019
Keine aussagekräftigen Rassismusstatistiken in der Schweiz
‚Humanrightswatch.ch‘ hat im Auftrag des Bundes Beratungs- und Integrationsstellen abgeklappert um herauszufinden, wie viele rassistische Vorfälle es im 2018 gegeben hat. Allerdings sind die Resultate überhaupt nicht aussagekräftig. Die Stellen, die in der Schweiz solche Vorfälle statistisch erfassen, betreffen nur ein paar Stellenprozente, viel zu wenig um ein gutes Bild zu bekommen. Für einige Kantone gibt es überhaupt keine Zahlen. Kommt hinzu, dass nur ein kleiner Bruchteil der Vorfälle überhaupt diesen Stellen zu Ohren kommen, denn wer geht schon aufs Integrationsamt, wenn er*sie rassistisch angepöbelt wurde, um dort eine Meldung zu machen. Es verwundert nicht, dass es in der Schweiz keine aussagekräftigen Statistiken zu rassistischen Übergriffen gibt, denn von staatlicher Seite zeigt bisher keine halbgekochte Kartoffel ein Interesse darfür, gegen den Rassismus in der Schweiz vorzugehen.
https://www.humanrights.ch/de/menschenrechte-schweiz/inneres/rassismus/studien/beratungsnetz-rassismusopfer-auswertungsbericht-2018
https://www.srf.ch/news/schweiz/278-faelle-im-jahr-2018-wo-sich-rassismus-am-haeufigsten-zeigt


20. Januar 2019
Ausschaffungshaft variiert stark nach Kanton
Um abzuschieben, dürfen die kantonalen Behörden (geflüchtete) Migrant*innen in Administrativhaft stecken, damit diese jederzeit für eine Abschiebung zur Verfügung stehen. Für Schweizer*innen existiert diese Haftform nicht. Administrativhaft ist deshalb ein klassischer Ausdruck von institutionellem Rassismus. Eine Studie zeigt, dass die Behörden von 2011 bis 2017 durchschnittlich 5823 Personen pro Jahr inhaftierten. 81% von ihnen wurden abgeschoben. Bei Inhaftierungen von über 30 Tagen sinkt der Anteil der Personen, die ausreisen. Die durchschnittliche Haftdauer beträgt 22 Tage. In der Hälfte aller Fälle dauert sie weniger als 10 Tage. Es gibt jedoch auch lange Inhaftierungen zwischen 9 und 18 Monaten. Mehrheitlich befanden sich junge Männer aus afrikanischen Staaten (insbesondere Nigeria und Tunesien) oder dem Westbalkan (insbesondere Albanien) in Administrativhaft. Diese werden im Vergleich zu abgewiesenen Personen aus Asien häufiger eingesperrt. Hat das etwas mit Hautfarbe zu tun? Der Rückgriff auf die Administrativhaft variiert zudem je nach Kanton, was zu weiteren massiven Ungleichbehandlungen führt.
https://www.presseportal.ch/de/pm/1…
https://nccr-onthemove.ch/wp_live14…
https://www.tdh.ch/sites/default/fi…
https://www.buerobass.ch/fileadmin/…

Kosmetikindustrie profitiert mit Hautaufhellern
Damit mensch dem typischen Schönheitsideal entspricht, braucht er oder sie nicht nur dünn zu sein und symmetrische Gesichtszüge zu haben, nein, mensch sollte auch weiss sein. Das Schönheitsideal des weissen Menschen besteht nicht nur in Ländern auf der nördlichen Erdhalbkugel, sondern auch in Gebieten, wo der überwiegende Teil der Bevölkerung nicht weiss ist. Denn aufgrund der krass ungleichen Machtverhältnisse zwischen Personen mit unterschiedlicher Hautfarbe, wird Weiss-Sein mit einem höheren sozialen Status verbunden und gilt daher oftmals als erstrebenswert.
Die Kosmetikindustrie wäre nicht die Kosmetikindustrie, würde sie daraus nicht Profit schlagen. Sie verdient jährlich Milliarden von Dollars mit Hautaufhellungsmitteln. Ihre grössten Märkte findet sie unter anderem in Afrika, Asien und der Karibik. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation hielt 2011 fest, dass 77 Prozent der Nigerianerinnen und 40 Prozent der Chinesinnen Produkte verwendeten, die ihre Haut weisser machen sollten.
Abgesehen davon, dass die Vermarktung solcher Produkte unglaublich rassistisch ist, sind die Produkte oft stark gesundheitsschädigend, weil sie beispielsweise Quecksilber enthalten. Deren Anwendung kann in schlimmen Fällen zu einer chronischen Quecksilbervergiftung führen, deren Symptome von Kopf- und Gliederschmerzen über Lockerung der Zähne, Verfärbungen an Zahnfleisch und Fingernägeln bis hin zum Gedächtnisverlust reichen. Mehrere afrikanische Länder, aber auch die EU haben bereits Verbote für gewisse Produkte erlassen. Trotzdem sind viele der verbotenen Hautaufhellungsprodukte weiterhin frei verkäuflich. Gerade diese Woche wurden in Rwanda 5606 verbotene Aufhellungsprodukte beschlagnahmt.
https://www.nzz.ch/international/rw…