Medienspiegel 25. Mai 2024

Medienspiegel Online: https://antira.org/category/medienspiegel

+++SCHWEIZ
Jans in Nordafrika: «Man bekommt einen anderen Blick auf die Migration, wenn man die Schweiz verlässt»
Bundesrat Beat Jans hat auf seiner ersten Dienstreise ausserhalb Europas Tunesien besucht. Das Land ist nicht erfreut über die negative Presse in der Schweiz.
https://www.derbund.ch/beat-jans-in-tunesien-ein-anderer-blick-auf-die-migration-746439266189


Die Schonfrist ist vorbei – sind Sie gewappnet, Beat Jans? – Samstagsrundschau SRF
Bereits wenige Wochen nach Amtsantritt kündigte Bundesrat Beat Jans an, das Asylrecht müsse verschärft, der Zugang zu Asylzentren übers Wochenende eingeschränkt und die Zuwanderung aus aussichtslosen Staaten erschwert werden. Nach den vielen Worten fordern Parlament und Kantone jetzt Taten.
https://www.srf.ch/audio/samstagsrundschau/die-schonfrist-ist-vorbei-sind-sie-gewappnet-beat-jans?id=12595835
-> https://www.plattformj.ch/artikel/221335/


+++FINNLAND
Finnisch-russische Grenze – Finnische Pushbacks gegen instrumentalisierte Flüchtlinge?
Finnland diskutiert über ein menschenrechtswidriges Gesetz gegen Flüchtlinge aus Russland.
https://www.srf.ch/news/international/finnisch-russische-grenze-finnische-pushbacks-gegen-instrumentalisierte-fluechtlinge


+++ÄRMELKANAL
Geflüchtete Menschen – Mehr als 10’000 Menschen überqueren Ärmelkanal seit Jahresbeginn
Zehntausende haben in diesem Jahr schon in kleinen Booten den Ärmelkanal in Richtung Grossbritannien überquert.
https://www.srf.ch/news/international/gefluechtete-menschen-mehr-als-10-000-menschen-ueberqueren-aermelkanal-seit-jahresbeginn


+++EUROPA
KI an EU-Außengrenzen: Die smarte Dystopie
Künstliche Intelligenz ist so allgegenwärtig, es ist an der Zeit, dass sie mal etwas für unsere Sicherheit tut. Zum Beispiel zum Schutz der EU-Außengrenzen. Wie genial wäre es, unmenschliches Handeln endlich an Maschinen outsourcen zu können?
https://www.zdf.de/comedy/zdf-magazin-royale/zdf-magazin-royale-vom-24-mai-2024-100.html


Wie die EU mit Künstlicher Intelligenz ihre Grenzen schützen will
Die EU-Kommission hat in den letzten zehn Jahren massiv in die Forschung zu Künstlicher Intelligenz investiert – insgesamt über 3 Milliarden Euro. Smarte Grenzen sollen unter anderem das Sterben im Mittelmeer verringern und die Kontrollen an den EU-Außengrenzen automatisieren. AlgorithmWatch und das ZDF Magazin Royale haben recherchiert, was es mit einigen dieser von der EU geförderten Projekte auf sich hat.
https://fuckoffai.eu/


+++FREIRÄUME
Geht Stadtentwicklung nachhaltig und basisorientiert?
Stadtplanung  – Was ist nachhaltiges Bauen? Und wie gelingt die Planung auf Städtischer Ebene unter Einbezug aller? Diese Frage diskutierte anlässlich des Gaswerkarealfests ein Podium moderiert von Journal B.
https://journal-b.ch/artikel/geht-stadtentwicklung-nachhaltig-und-basisorientiert/


+++DEMO/AKTION/REPRESSION
ZH:
Wohndemo in Zürich:  «Verdichtet doch den Züriberg!» Mehrere Tausend Menschen ziehen durch Zürich
Mehr als 3000 Personen demonstrieren gegen die Wohnungskrise. Sie ziehen vom Landesmuseum über die Hardbrücke Richtung Helvetiaplatz.
https://www.tagesanzeiger.ch/wohndemo-am-samstag-in-zuerich-mit-tanzenden-stadtraeten-mobilisierten-sie-gegen-die-wohnkrise-933095784936
-> https://www.srf.ch/audio/regionaljournal-zuerich-schaffhausen/rund-500-personen-demonstrieren-in-schaffhausen-gegen-polizei?id=12596264 (ab 03:17)
-> https://www.telezueri.ch/zuerinews/demo-gegen-wohnungsnot-tausende-protestieren-in-zuerich-157251741
-> https://www.watson.ch/schweiz/zuerich/966220039-tausende-demonstrieren-in-zuerich-gegen-wohnungsnot
-> https://www.nau.ch/wohnraum-demo-hunderte-fordern-in-zurich-bezahlbare-mieten-66751719
-> https://www.blick.ch/schweiz/wo-wo-wohnige-ueber-1000-personen-demonstrieren-gegen-wohnungsnot-id19775512.html
-> https://www.nzz.ch/zuerich/news-aus-zuerich-maag-hallen-duerfen-vorerst-nicht-abgerissen-werden-ld.1831707
-> https://tsri.ch/a/clwm815uh03mz6a2s689cwvvn/rund-5000-mieter-innen-demonstrieren-in-zuerich-gegen-wohnungskrise
-> Demoaufruf: https://barrikade.info/article/6460


🏚️➡️🏡 ⚡️Zurlindenstrasse 225 ist BESETZT⚡️!
Huhuuuu ::)))
Wie haben heute während der Wohndemo die Zurlindenstrasse 225 besetzt!
Nachdem den langjährigen Mieter*innen ohne wenn und aber gekündet wurden, stand das Gebäude über ein Jahr lang einfach leer. Was soll das? Als schon lange überfällige Antwort darauf, haben wir das Haus nun besetzt. Dem Gentrifizierungsversuch der Baugenossenschaft St. Jakob, yuppige Loftwohnungen zu bauen, setzen wir eine Zukunft entgegen, in der Raum kollektiviert wird, ohne kapitalistische Ausbeutung von Kunst und Kultur. Ein Ort, an dem eine selbstorganisierte Stadt von unten wachsen kann. Vielleicht entsteht ein Kino, eine Druckerei, ein Gym, eine Bibliothek, einen Musikraum, ein Konzertraum oder vielleicht auch alles gleichzeitig?! Hauptsache es gibt Platz für selbstorganisiertes Leben.
https://alleswirdbesetzt.ch/was-passiert/%f0%9f%8f%9a%ef%b8%8f%e2%9e%a1%ef%b8%8f%f0%9f%8f%a1-%e2%9a%a1%ef%b8%8fzurlindenstrasse-225-ist-besetzt%e2%9a%a1%ef%b8%8f/


BS:
Eklat an SVP-Sonderparteitag
https://telebasel.ch/sendungen/punkt6/216757
-> https://primenews.ch/news/2024/05/ruhige-anti-svp-demo-am-messeplatz


SH:
Nach Prügelangriff auf Frau – Hunderte Menschen demonstrieren gegen Schaffhauser Justizbehörde
Vor den Toren der Schaffhauser Polizei machen Demonstranten ihrem Unmut über die Ermittlung im Fall Fabienne W. Luft.
https://www.srf.ch/news/schweiz/nach-pruegelangriff-auf-frau-hunderte-menschen-demonstrieren-gegen-schaffhauser-justizbehoerde
-> https://www.srf.ch/audio/regionaljournal-zuerich-schaffhausen/rund-500-personen-demonstrieren-in-schaffhausen-gegen-polizei?id=12596264
-> https://www.shn.ch/region/stadt/2024-05-25/demonstration-gegen-skandaloes-schlechte-polizeiarbeit-in-schaffhausen-das
-> https://www.toponline.ch/tele-top/detail/news/hunderte-demonstrieren-gegen-justizbehoerden-in-sh-00239996/
-> https://www.tagesanzeiger.ch/verpruegelte-frau-in-schaffhausen-protest-gegen-die-polizei-471298723649
-> https://www.watson.ch/schweiz/gesellschaft-politik/863151645-hunderte-demonstrieren-in-schaffhausen-gegen-polizei
-> https://www.nau.ch/news/schweiz/hunderte-demonstrieren-in-schaffhausen-gegen-polizei-66768094
-> https://www.blick.ch/politik/nach-srf-rundschau-beitrag-demonstration-gegen-schaffhauser-behoerden-id19775079.html


VD:
800 Pro-Palästina Demonstranten in Lausanne
Rund 800 pro-palästinensische Studierende und Sympathisantinnen und Sympathisanten sind am Samstag in Lausanne auf die Strasse gegangen.
https://frapp.ch/de/articles/stories/800-pro-palastina-demonstranten-in-lausanne
-> https://www.blick.ch/politik/gleiche-forderungen-wie-uni-besetzer-800-personen-demonstrieren-in-lausanne-fuer-palaestina-id19776290.html


JU:
Demonstranten verspritzen Gülle gegen Geothermie-Projekt im Jura
Bei einer Demonstration gegen ein Geothermie-Vorhaben in Haute-Sorne JU ist es am Freitag zu Scharmützeln gekommen. Aktivisten verspritzen Gülle auf das Areal der Baustelle. Ein Mann kletterte zudem über einen Schutzzaun und wurde von der Polizei aufgegriffen.
https://www.swissinfo.ch/ger/demonstranten-verspritzen-g%c3%bclle-gegen-geothermie-projekt-im-jura/78534301
-> https://www.blick.ch/politik/inakzeptablen-ausschreitungen-demonstranten-verspritzen-guelle-gegen-geothermie-projekt-id19773765.html


BS
Uni Basel ist immer noch von Pro-Palästina-Aktivisten besetzt
https://www.srf.ch/audio/regionaljournal-basel-baselland/chorkonzert-marathon-in-der-pauluskirche?id=12596300
-> https://primenews.ch/articles/2024/05/palaestina-besetzer-benennen-soziologisches-seminar-um


+++POLIZEI LU
Polizeiposten im Test – Wie hart greifen die Zentralschweizer Polizeien bei Hass im Netz durch?
Wie geht die Polizei mit Hass im Netz um? Mit dieser Frage haben sich 30 Reporterinnen und Reporter befasst. Sie haben Polizeiposten besucht, um Hasskommentare zu melden und protokolliert, wie die Behörden mit diesen Aussagen umgegangen sind.
https://www.pilatustoday.ch/zentralschweiz/wie-hart-greifen-die-zentralschweizer-polizeien-bei-hass-im-netz-durch-157187435


+++RASSISMUS
Schweizer Jüdinnen und Muslime – Aller Konflikte zum Trotz: «Wir lassen uns nicht spalten!»
Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus – beides hat seit Ausbruch des Kriegs im Nahen Osten zugenommen. Das schweisst auch zusammen: In der Whatsapp-Gruppe «gemeinsam einsam» tauschen sich Juden und Musliminnen offen über den Krieg und ihre Erfahrungen aus.
https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/schweizer-juedinnen-und-muslime-aller-konflikte-zum-trotz-wir-lassen-uns-nicht-spalten


+++RECHTSPOPULISMUS
Die SVP legt den Text für ihre neue Asyl-Initiative vor – der Inhalt ist heikel
Am Samstag lanciert die SVP die Grenzschutzinitiative. Menschen von ausserhalb Europas könnten nur noch ein Asylgesuch stellen, wenn sie mit dem Flugzeug einreisen. Einen Bruch mit der Genfer Flüchtlingskonvention nimmt Parteipräsident Marcel Dettling in Kauf.
https://www.watson.ch/schweiz/gesellschaft-politik/486520901-grenzschutzinitiative-das-will-die-svp-damit-erreichen
-> https://www.srf.ch/news/schweiz/delegiertenversammlung-svp-legt-grenzschutz-initiativtext-vor
-> https://www.fluechtlingshilfe.ch/medienmitteilungen/nein-zum-frontalangriff-auf-die-menschenrechte
-> https://www.srf.ch/audio/echo-der-zeit/svp-einigkeit-in-der-migrationsfrage?partId=12596282
-> https://telebasel.ch/sendungen/punkt6/216757
-> https://www.blick.ch/politik/an-der-grenze-in-basel-svp-lanciert-am-sonderparteitag-neuste-grenzschutz-initiative-id19775145.html
-> https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/sonderparteitag-asylmissbrauch-stoppen-svp-lanciert-initiative-kritiker-fordern-ungueltig-erklaeren-ld.2623526



luzernerzeitung.ch 25.05.2024

SVP-Schwyz-Präsident: «Remigration existiert in unserem Wortschatz nicht»

Die Schwyzer SVP und ihr Präsident Roman Bürgi bekämpfen lautstark das geplante Bundesasylzentrum in Buosingen. Im Interview sagt der Goldauer Nationalrat, was ihn an der Migrationspolitik des Bundes grundsätzlich stört – und warum er sich von der rechtsextremen Jungen Tat distanziert.

Dominik Jordan

Die SVP bekämpft das geplante Bundesasylzentrum in Buosingen mit markigen Worten und erhebt Vorwürfe gegen die Behörden. Grund genug, um dem Präsidenten der Schwyzer SVP, dem Goldauer Nationalrat Roman Bürgi, auf den Zahn zu fühlen.

Warum sind Sie gegen das geplante Bundesasylzentrum in Buosingen?

Roman Bürgi: Ein Bundesasylzentrum in der Gemeinde Arth wäre ein grosses Problem. Der Bund macht es sich sehr einfach. Er sagt: «Kommt in die Schweiz», verteilt die Menschen dann an die Kantone, und die Kantone verteilen sie dann an die Gemeinden. Wir müssen endlich Druck von unten auf den Bund aufbauen.

Der Bund sagt doch nicht, es sollen alle kommen, sondern es gibt ein Asylrecht, und der Bund muss diese Asylgesuche bearbeiten.

Natürlich. Aber es gibt auch das Schengen-Dublin-Abkommen, wonach diese Personen gar nicht erst in die Schweiz kommen dürften. Aber das Abkommen funktioniert nicht. Das kritisieren wir. Wenn man den Grenzschutz aufbauen und die Leute schon dort abfangen würde, hätten wir dieses Problem nicht.

Also sollen alle Asylsuchenden in Italien und Griechenland bleiben?

Man hat diesen Vertrag immerhin einmal unterschrieben, das sollte bindend sein. Kein Mensch lässt seine Haustüre immer offen, man schliesst sie sogar ab. Nur unsere Landesgrenzen sind sperrangelweit offen.

Wie stellen Sie sich diese Grenzkontrollen vor? Soll jede Person in jedem Auto und in jedem Zug sich beim Grenzübertritt ausweisen?

Ich war kürzlich in Deutschland, am Grenzübergang in Basel wird die Grenze kontrolliert, es wird in jedes Auto hineingeschaut.

Aber es muss nicht jeder anhalten und seine ID zeigen.

Nein, aber man muss Präsenz markieren und zeigen, dass man kontrolliert.

Stellen Sie das Asylrecht infrage?

Nein, das mache ich nicht. Wir haben 2016 über das Asylrecht abgestimmt. Darin ist auch das Plangenehmigungsverfahren für Bundesasylzentren enthalten. Aber in den Abstimmungsunterlagen stand in der Einleitung nirgends etwas von Bundesasylzentren. Bei der Vorlage ging es vornehmlich um schnellere Asylverfahren. Das Plangenehmigungsverfahren war irgendwo darin versteckt.

Sie sagen also, man hat das bewusst so gemacht, um das Gesetz durchzubringen?

Wahrscheinlich hat man den Teil mit den Bundesasylzentren bewusst nicht zuoberst hingeschrieben. Das Volk war vermutlich zu wenig gut informiert. Nichtsdestotrotz hat auch der Kanton Schwyz dem Gesetz zugestimmt. Daran müssen wir uns halten, und das machen wir auch.

Der Migrationsdruck ist in ganz Europa sehr hoch, auch aufgrund von verschiedenen Krisen sind viele Menschen auf der Flucht. Wo sollen sie untergebracht werden, wenn nicht hier?

In Buosingen soll ein Zentrum für Leute gebaut werden, die einen negativen Asylentscheid erhalten haben. Das sind Personen, die gar nicht mehr hier sein dürften. Es macht doch keinen Sinn, für diese Leute ein Gebäude zu bauen. Sie werden nur nach Buosingen gebracht, um dann von hier wegzugehen. Man müsste diese Leute aber vorher schon ausschaffen.

Das Rückführungsproblem ist schon lange bekannt. Es gibt Länder, mit denen gibt es keine Rückführungsabkommen. Was macht man dann mit diesen Menschen?

Der Bund verhandelt für diese Abkommen viel zu wenig hart. Diese Leute haben einen negativen Entscheid, und wir müssen sie zurückführen. Das ist der entscheidende Punkt. Hier sollte der Bund viel stärkeren Druck auf diese uneinsichtigen Länder aufbauen.

Aber man kann sie ja nicht einfach in Chiasso an die Grenze stellen, und dann sollen die Italiener sich um das Problem kümmern.

Wir müssen das Problem an der Wurzel packen und dafür sorgen, dass diese Menschen gar nicht zu uns kommen.

Die SVP ist die stärkste Partei der Schweiz und stellt zwei Bundesräte. Seit Christoph Blocher hat kein SVP-Bundesrat die Verantwortung für das Asyldossier übernommen. Wäre es nicht an der Zeit, in dieser für Ihre Partei so wichtigen Frage wieder Verantwortung zu übernehmen?

Wenn man das so anschaut, müssten wir fast alle Departemente übernehmen. Es brennt ja überall, beim Strom, bei den Finanzen. Es spielt keine Rolle, ob ein SVPler an der Spitze des Justizdepartements steht, sondern dass man die Vorgaben konsequent umsetzt. Bundesrat Beat Jans hat bis jetzt viel versprochen, aber nichts davon eingehalten. Wenn er von 24-Stunden-Verfahren spricht, erwarte ich, dass er das konsequent umsetzt.

Zurück nach Buosingen: Was bereitet Ihnen dort konkret am meisten Sorgen?

Es gibt zwei Hauptgründe. Erstens hat die Bevölkerung Angst um ihre Sicherheit. In Boudry im Kanton Neuenburg zum Beispiel ist die Situation eskaliert. In Glaubenberg auch. Ich war an einem Informationsanlass in Sarnen, an dem der zuständige Regierungsrat gesagt hat, bei Deliktsummen unter 300 Franken rücke die Polizei gar nicht mehr aus. Auch rund um andere Bundesasylzentren ist die Kriminalitätsrate gestiegen, das kann man nicht schönreden.

Und zweitens?

Das Gebiet, wo das Asylzentrum gebaut werden soll, gehört zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler. Ein Bauer darf dort kein Dachfenster einbauen, weil der Bund Einsprache erhebt. Jetzt kommt der gleiche Bund, kauft ein Areal, baut ein Asylzentrum, und alles spielt keine Rolle mehr. Das ist eine Ungleichbehandlung.

Aber genau das könnte man im Rahmen eines Plangenehmigungsverfahrens mit einer Einsprache monieren.

Natürlich. Es gibt aber auch noch den Wildtierkorridor. Die Industriezone Bernerhöhe durfte deswegen nicht ausgedehnt werden. Hinzu kommt: Der TCS wollte das Land auch kaufen. Der Bund hat aber offenbar ein viel höheres Angebot abgegeben. Ich habe als Nationalrat mehrfach beim Bund nachgefragt, aber niemand will mir den Kaufpreis nennen. Ich gehe davon aus, dass das Angebot des Bundes weit über dem marktüblichen Preis lag. Das ist problematisch, denn das sind unsere Steuergelder.

Im einst geplanten Asylzentrum im Wintersried waren 340 Plätze vorgesehen. In Buosingen sollen es noch die Hälfte sein. Ist das nicht ein Erfolg für den Kanton Schwyz?

Nein. Der Bund hat immer wieder nachgebohrt und gesagt, die Zentralschweiz müsse nun auch ein Bundesasylzentrum stellen. Meines Erachtens ist der Regierungsrat jetzt eingeknickt.

In der Schwyzer Regierung sitzen drei Parteikollegen von Ihnen. Sind Sie unzufrieden mit ihnen?

Ich weiss nicht, wie sie abgestimmt haben, denn sie sind dem Kollegialitätsprinzip unterworfen. Aber ich hoffe natürlich, dass sie sich gegen das Bundesasylzentrum wehren.

Die SVP Schwyz hat das Vorgehen in Buosingen als undemokratisch bezeichnet. Wie kommen Sie darauf?

Dem Arther Gemeinderat war bewusst, dass es Widerstand geben würde. Trotzdem hat er eigenmächtig entschieden, diesen Weg zu gehen. Man stimmt darüber ab, ob auf öffentlichen Parkplätzen Parkuhren installiert werden sollen, aber über etwas so Wesentliches wie ein Bundesasylzentrum stimmt man nicht ab. Das finde ich falsch. Formell muss der Gemeinderat keine Abstimmung durchführen, aber er hätte sich viele Sorgen erspart, wenn er es gemacht hätte. Lieber eine Abstimmung zu viel als zu wenig.

Aber selbst wenn das Volk in einer solchen Abstimmung Nein sagen würde, könnte der Bund es trotzdem durchdrücken.

Ja, aber bisher hat der Bund noch kein Asylzentrum gebaut, wenn die Gemeinde oder der Kanton dagegen waren.

Am Informationsanlass im April ist die rechtsextreme Junge Tat aufgetreten. Wie fanden Sie das?

Ich habe im Vorfeld nichts davon gewusst, und die SVP Schwyz distanziert sich von der Jungen Tat. Ich finde es auch nicht gut, dass jemand aus Winterthur an diesen Anlass kommt. Auf der anderen Seite war es ein öffentlicher Anlass, insofern kann man das nicht verhindern.

Der Begriff «Remigration» geistert seither herum. Was halten Sie von diesem Konzept?

Wir wollen keine Remigration, dieses Wort existiert in unserem Wortschatz nicht.

Also ist eine ethnisch homogene Gesellschaft kein Ziel Ihrer Partei?

Nein, überhaupt nicht. Ich beschäftige in meinem Betrieb Personen aus fünf verschiedenen Nationalitäten. Wir brauchen Ausländer für unsere Wirtschaft, das kann man nicht wegdiskutieren. Aber wir müssen uns um jene kümmern, die sich illegal in unserem Land aufhalten.

Zum Schluss: Können Sie nachvollziehen, wenn ein junger Mann aus Nordafrika sich auf der Suche nach einem besseren Leben auf den Weg nach Europa macht?

Das kann ich sehr gut verstehen. Letztlich orientieren wir uns alle nach oben und wollen ein besseres Leben. Ich kann aber nicht verstehen, dass unsere Regierung so lasch ist und sagt: «Jawoll, wir bieten euch diese Chance.» Wenn jemand verfolgt wird, müssen wir helfen. Aber wir können nicht der ganzen Welt ein besseres Leben bieten.
(https://www.luzernerzeitung.ch/zentralschweiz/schwyz/bundesasylzentrum-buosingen-svp-schwyz-praesident-remigration-existiert-in-unserem-wortschatz-nicht-ld.2623505)


+++RECHTSEXTREMISMUS
Attention : Concert néo-nazi à Genève !
Le réseau international néonazi “Blood & Honour” organise un concert en open air avec un camping dans “la région genevoise” ce samedi 25 mai. La vigilance et l’autodéfense antifasciste sont de mise dès ce soir car les fascistes vont venir de toute la région (France, Suisse-alémanique).
https://renverse.co/infos-locales/article/concert-neo-nazi-a-geneve-4530


Das Buch »Siege« prägt eine neue Generation terroristischer Neonazis
Hauptsache Terror
Weltweit beziehen sich Nazi-Gruppen wie die Atomwaffen Division auf das Buch »Siege« von James Mason. Er feiert darin Massaker und Serienmörder und plädiert für wahllosen Terror, um den Zusammen¬bruch der gesellschaftlichen Ordnung herbeizuführen.
https://jungle.world/artikel/2024/21/james-mason-buch-siege-hauptsache-terror


+++VERSCHWÖRUNGSIDEOLOGIEN
Anti-WHO-Demonstration in Bern: Bunte Truppe gegen den Pandemiepakt
300 bis 400 Personen haben in der Wankdorf-City gegen den Pandemiepakt der Weltgesundheitsorganisation demonstriert. Angekündigt war ein «Mega-Event».
https://www.derbund.ch/mass-voll-in-bern-kleine-demo-gegen-den-who-pandemiepakt-743881139046


+++HISTORY
nzz.ch 25.05.2024

Ihre Vorfahren wurden in Zürcher Menschenzoos ausgestellt – sie kamen 140 Jahre später zurück, auf der Suche nach Versöhnung

Chilenische Kawésqar besuchten vergangenes Jahr die Stadt. Ein bewegender Film zeigt nun die Geschichte dieser Begegnung.

Giorgio Scherrer

Die alte Frau reisst grünes Schilfgras aus dem Boden und weint. Sie sagt: «Ich wusste nie, wie das geht, wie man das Schilf richtig ausreissen und flechten kann. Ich wollte es nicht wissen. Aber meine Mutter zeigte es mir trotzdem. Dann wurde sie krank, musste ins Spital. Da begann ich, allein zum Sammeln zu gehen. Ich merkte: Wenn es wie Öl durch meine Hand fliesst, dann ist das Schilf bereit. Ich spürte es hier, in meinem Herzen. Ich begann zu flechten, und als meine Mutter starb, sagte sie mir: Tochter, knüpf weiter. Lass das Schilf nicht trocken werden.»

Schilfgras zu flechten, sagt eine andere Frau, sei wie die eigene Geschichte zu erzählen. «Wenn du flichtst, dann kommt die Geschichte hoch, sie scheint in den Himmel zu steigen», sagt sie und knetet das knirschende Gras in ihren Händen.

Dann sagt sie: «Ich bin stolz, dass dieses Schilf auch nach Zürich gereist ist, in die Schweiz.»

Die zwei Frauen – María Eugenia Guenumán und Amil Caro Pérez – sind Angehörige der chilenischen Kawésqar, einer indigenen Gemeinschaft aus Patagonien. Und die Geschichte, die sie, ihr Schilfgras webend, gerade neu erzählen, ist eng mit jener der Stadt Zürich verbunden.

Ausgestellt wie Tiere

1881 wurden elf Kawésqar an Chiles Südspitze aufgegriffen und von einem deutschen Kapitän nach Europa gebracht. Sie wurden eingesperrt, ausgezogen, von Wissenschaftern vermessen und wie Tiere ausgestellt. In Paris, Berlin, München schauten sich Hunderttausende die Völkerschau mit den «wilden Feuerländern» an.

Die letzte Station des wandernden Menschenzoos: das Gasthaus «Plattenhof» in Zürich.

Krank, traurig und weit von ihrer Heimat entfernt starben fünf der Ausgestellten. Ihre echten Namen sind nicht bekannt, nur jene, die ihnen ihre Peiniger gaben. Ihre Überreste landeten in Schachteln verstreut in einem Keller der Universität Zürich. Erst 2010 wurden sie zurück nach Chile gebracht und dort bestattet.

Auf der Spur dieser leidvollen Geschichte reiste vergangenen Sommer eine Gruppe Kawésqar nach Zürich. Im Völkerkundemuseum der Universität zeigten sie Geschichte, Gegenstände und Gegenwart ihrer Kultur. In Workshops lernten Zürcher Kinder ihre Sprache. An grossen Tischen liessen sich Rentnerinnen das Schilfgrasflechten beibringen.

«Nie», sagt Pérez, «hätte ich gedacht, dass man sich hier so für uns interessiert.»

«Das Leid der Vergangenheit», ergänzt ihre Kollegin Carolina Quintul, «können wir nicht vergessen. Es wird immer als Erinnerung da sein.» Aber es sei nun an den jungen Generationen, die Kultur und ihre Geschichte auf positive Art weiterzutragen.

So wie das in Zürich geschah, wo nicht Schuld, sondern die Verwandlung einer gewaltsamen in eine gemeinsame Geschichte im Zentrum stand.

Laut der Direktorin Mareile Flitsch hatte das Völkerkundemuseum in ihrer Zeit nie so viele Besucher wie im Sommer, als die Kawésqar kamen. «Diese Begegnung, sie hat mich geprägt», sagt sie in «Ko Aswál: Voces de un reencuentro» (Stimmen einer Wiederbegegnung).

Der Dokumentarfilm, realisiert von der Fundación Pueblo Kawésqar, zeigt diese Begegnung und ihre lange Vorgeschichte. Am Sonntag feiert er im Völkerkundemuseum Premiere.
-> https://www.youtube.com/watch?v=b_XsEcj2NXc

«Museum war involviert»

Die Kawésqar sind ursprünglich eine nomadische Kultur, die in den unwirtlichen Fjorden und Inseln des südlichen Chile auf Booten und in transportierbaren Hütten lebten. Von Kolonisatoren wurden sie zur Sesshaftigkeit gezwungen, und ihre Nachfahren kämpfen heute um die Anerkennung ihrer Sprache und ihrer Gebräuche.

Es sei bemerkenswert, sagte Francisco González von Pueblo Kawésqar vergangenes Jahr zur NZZ: «Wir hatten es in der Schweiz leichter, ein Museum zu finden, als in unserer Heimat.»

In Zürich, das zeigt der Dokumentarfilm eindrücklich, wurden die Chilenen ganz anders empfangen als ihre Vorfahren. Elisabeth Stark, Vizerektorin der Universität Zürich, sagte bei ihrer Begrüssung: «Es ist für uns ein gutes Zeichen, dass Sie als Nachfahren der Kawésqar, die in Zürich gestorben sind, gekommen sind, um den Faden der Geschichte wieder aufzunehmen.»

Die Direktorin Flitsch sagt im Film unumwunden: «Mein Museum war in die Praxis der Menschenzoos involviert.» Heute habe es jedoch die Gelegenheit, etwas anderes zu sein: «ein Ort der Begegnung, der ein Stück Wissen über die Welt bewahrt».

An das Vergangene erinnern, aber daraus etwas Neues knüpfen: Das war die Idee der Ausstellung, die die Kawésqar in Zürich realisierten.

Das Schilfgras, das sie nach Zürich brachten, verwandelte sich Workshop um Workshop, Begegnung um Begegnung in geflochtene Ohrringe, Körbchen und Anhänger. «Viele, viele kamen, interessierten sich für unser Können. Sie sahen, dass es ein Schatz ist», sagt Pérez. «Und wir waren es, die es ihnen beibrachten.»

Das Schilf der Kawésqar, das nach 140 Jahren in der Stadt landete, wo einst ihre Vorfahren litten: Die Zürcherinnen und Zürcher liessen es diesmal nicht vertrocknen.

«Ko Aswál: Voces de un reencuentro», 50 Minuten. Premiere Sonntag, 26. Mai, Völkerkundemuseum Zürich. 13.00 Uhr auf Englisch, 15.00 Uhr auf Spanisch. Der Film ist auch online auf Youtube abrufbar.
-> https://www.musethno.uzh.ch/de/veranstaltungen.html?event=58722
-> https://www.youtube.com/watch?v=b_XsEcj2NXc
(https://www.nzz.ch/zuerich/menschenzoos-und-voelkerschauen-in-zuerich-nachfahren-von-opfern-kehren-zurueck-ld.1831838)