Medienspiegel 1. April 2024

Medienspiegel Online: https://antira.org/category/medienspiegel/

+++ZÜRICH
Fussball als Integrationshilfe – Echo der Zeit
Fussball verbindet, heisst es so schön. Stimmt das tatsächlich? Das lässt sich an einem Quartierverein im Zürcherischen Witikon beobachten. Gleich zwanzig Geflüchtete sind zum FC Witikon gestossen, alles unbegleitete minderjährige Asylsuchende aus Afghanistan.
https://www.srf.ch/audio/echo-der-zeit/fussball-als-integrationshilfe?partId=12564863


+++MITTELMEER
Küstenwache in Zypern rettet an einem Tag 270 Migranten
In Zypern ist die höchste Anzahl an Migranten seit Monaten aus dem Meer gerettet worden. Die Behörden seien deshalb in Alarmbereitschaft.
https://www.nau.ch/news/europa/kustenwache-in-zypern-rettet-an-einem-tag-270-migranten-66737226


+++FREIRÄUME-2
derbund.ch 01.04.2024

Berner Besetzerszene:; Sie leben in einer Parallelwelt an der Aare

Das Kollektiv Anstadt hat sich mitten in Bern eine Wohnutopie geschaffen. Auf Besuch in einem Freiraum mit Ablaufdatum.

Regina Schneeberger, Simone Klemenz, Sarah Buser

Der Weg in die Parallelwelt führt durch ein eisernes Tor. Zunächst fühlt es sich an wie ein Spaziergang in einem Einfamilienhausquartier. Eines der Holzhäuser hat einen Wintergarten, ein anderes eine Veranda mit Sitzlounge und Vorhang aus Perlenketten. Dass man sich nicht in einer beliebigen Agglogemeinde befindet, ist dennoch offensichtlich. «BESETZT», heisst es auf einem Schild. Der Schauplatz: Berns derzeit wohl berühmteste Brache und Besetzerzone – das Gaswerkareal.

Milo und sein Kollege Reto führen durch die Anstadt, wie die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Siedlung getauft haben. Beide wollen nicht mit ihrem richtigen Namen in der Zeitung stehen, wollen sich nicht exponieren.

Sie schreiten über den Dorfplatz mit Kletterwand und Rutschbahn. Weiter vorbei an Gemeinschaftstoiletten und Duschen in Containern. Sie passieren die Werkstatt mit Hobelbank und Fräsmaschine. Milo, Faserpelzmütze, Ohrring, 31, lacht über seine Sprüche wie ein Lausbub, der sich über einen ausgeheckten Streich freut. Er sagt: «Es gibt immer etwas zu bauen.» Manchmal auch Dinge ohne konkrete Funktion, so wie jüngst ein hölzerner Turm. «Ist trotzdem irgendwie schön.»

40 Menschen leben hier derzeit zusammen. An der Aare ist eine Wohnutopie entstanden. Anstadt ist nicht der erste solche Mikrokosmos in Bern. Mit den «Stadtnomaden» und dem «freien Land Zaffaraya» haben alternative Wohnformen quasi Tradition.

In den letzten Jahren haben sich einige weitere Gruppierungen auf dem Boden der Stadt niedergelassen. Auf dem Viererfeld haust ein Wagenkollektiv. Auch an der Freiburgstrasse befindet sich eine kleine Wagengruppe. «Wir stellen eine Zunahme von alternativen Wohnformen fest», sagt Dagmar Boss, Leiterin Immobilien der Stadt Bern.

Jede Besetzung ist ein Bruch mit der Idee von Dein und Mein, dem Konzept Eigentum. Wie geht die Stadt damit um? Wer entscheidet sich überhaupt für ein Leben ausserhalb der Gesellschaft?

Über Nacht besetzt

Die Suche nach Antworten beginnt also auf dem Gaswerkareal. Das Kollektiv Anstadt hat dieses vor bald sechs Jahren erobert.

4. Juli 2018, nachts.

«Um kein Risiko einzugehen, sind alle Handys zu Hause geblieben. Die Stimmung ist angespannt und euphorisch zugleich. Mit einer ausgedruckten Karte und einigen Spielzeugautos wird der genaue Ablauf der Besetzung besprochen. Um 4 Uhr geht es los. Ein Lichtsignal mit der Taschenlampe signalisiert, dass der Zaun offen ist. Das Auto mit dem Boot auf dem Anhänger fährt los. Weitere Fahrzeuge folgen. Auf allen Seiten werden Transparente montiert: ‹besetzt und belebt›. Wir sind überrascht, wie schnell und reibungslos die Aktion verlaufen ist.»

So schilderte es einst Ives Garnier, der im Jahr 2018 an der Fachhochschule Nordwestschweiz eine Diplomarbeit mit dem Titel «Anstadt» eingereicht hat. Garnier hatte das Kollektiv dafür fast ein Jahr lang begleitet.

Unmittelbar nach der Eroberung verschickt das Kollektiv eine Medienmitteilung. «Das Areal von Anstadt bietet Projekten und Ideen, die in den städtischen Strukturen nicht existieren können, weil sie nicht genug rentabel und effektiv sind, Platz und Möglichkeit zur Entfaltung», steht darin.

Was ist daraus geworden?

In Retos ausgebautem Wohnwagen ist es heimelig. Im Ofen knistert ein Feuer, es riecht nach Zigarettenrauch, auf dem geblümten Tischtuch stehen Kaffeetassen. Reto, Strickpulli, Trainerhosen, 32, spricht weniger in konkreten Worten und mehr in Konzepten: «Wir wirken der Vereinzelung der Gesellschaft entgegen.» Sie seien eine Gemeinschaft, würden auch mal Leute aufnehmen, die es gerade schwierig hätten.

Die Anstadt ist ein Sammelsurium von Holzhütten – und Menschen. Der Älteste ist 65, die Jüngste 20. Manche studieren, andere haben einen Handwerkerjob oder sind Künstler. Reto ist ausgebildeter Sozialpädagoge, derzeit arbeitet er für einen Getränkelieferanten. Er zog vor knapp sechs Jahren hierhin, zuvor lebte er in einer Wohngemeinschaft. Er brauche den Austausch, Leute, die ihm den Spiegel vorhalten würden. «Und es ist schön, gemeinsam Projekte anzugehen.» So würden sie Diskussionsrunden, Tanzveranstaltungen, Konzerte organisieren.

Für Milo gab es noch einen Grund, in die Anstadt zu ziehen. «Ich habe mir das Leben so eingerichtet, dass ich nicht viel Miete zahlen kann», sagt der Musiker. Zuvor wohnte er in einer günstigen Mansarde, das kostete im Monat nur wenige Hundert Franken. Als er dort ausziehen musste, fand er nichts dergleichen mehr. Bis er auf Anstadt stiess.

Wer hier wohnt, zahlt keine Miete, lediglich einen freiwilligen Beitrag für Strom, Wasser und Gemeinschaftsauto. Je nach Budget zwischen 80 und 150 Franken. Die Stadt hat die Fläche in einem Gebrauchsleihvertrag zur Verfügung gestellt, berechnet für Strom und Wasser eine jährliche Pauschale von 3000 Franken. Die Siedlung wurde offiziell baubewilligt – mit einigen Auflagen. So dürfen die Bauten nicht mit Fundament im Boden verankert sein. Die sogenannten mobilen Fahrnisbauten müssen innert vier Monaten wieder abgebaut werden können.

Entscheidungen fällen die Bewohnerinnen und Bewohner basisdemokratisch. Werden Hunde toleriert? Wer geht welchem Ämtli nach? Will man neue Bewohner aufnehmen? Es wird so lange diskutiert, bis auch wirklich alle einverstanden sind. Einmal dauerte eine Sitzung zwei Wochenenden lang, wie Reto erzählt. «Hier zu leben, ist nicht immer ganz einfach.» Doch für ihn passe es.

Was aber, wenn alle so leben wollten wie sie? Ohne Miete, mit wenig Auflagen und viel Raum? Die beiden sehen das Problem nicht bei sich, sondern bei jenen, die mit Immobilien Profit machen. Bei den steigenden Mieten. «Wir sind ein Gegenpol zum kapitalistischen System», sagt Reto. Ausserdem wollten die meisten Leute ja gar nicht so leben wie sie, sagt Milo. Was auch okay sei. «Es braucht einen Pluralismus von Ideen.»

Welten prallen aufeinander

Während die einen aus der strukturierten Gesellschaft ausbrechen wollen, halten sich andere an ihr fest. So klaffen im Marziliquartier die Vorstellungen einer idealen Welt auseinander. Eine Anwohnerin schreibt dieser Redaktion: «Die Besetzung entwickelt sich immer mehr zum rechtsfreien Raum.» Am Telefon führt sie aus, dass besonders der Lärm unerträglich sei. «Ich bin nicht grundsätzlich gegen alternative Lebensformen, aber es braucht gewisse Regeln.»

Auch von rechter Seite hagelt es immer wieder Kritik. In zahlreichen Vorstössen monierte SVP-Stadtrat Alexander Feuz, «dass sich das Gaswerkareal zusehends zu einer Schuttmulde» entwickle.

Anders klingt es beim Quartierleist Schönau-Sandrain. Bezüglich Lärmproblematik und Konflikten sei ihr nichts bekannt, so Lauriane Laville. Dagmar Boss von Immobilien Stadt Bern räumt hingegen ein, dass es zuletzt einzelne Lärmreklamationen gegeben habe. Die Situation habe sich aber wieder gebessert. «Generell haben wir sehr wenig Rückmeldungen aus der Nachbarschaft, was auf eine gewisse Akzeptanz schliessen lässt.»

Ein geschichtsträchtiges Areal

Ähnliche Beweggründe, das Gaswerkareal einzunehmen, hatten in den 80er-Jahren bereits Zaffaraya. Von 1985 bis 1987 besetzten etwa 20 junge Menschen das Areal und riefen das «Freie Land Zaffaraya» aus.

Das Wagendorf. Die Reitschule. Es sind die Orte der Jugendunruhen jener Zeit. «Was wir wollen, ist ein Freiraum, in dem wir uns nach unseren Vorstellungen entwickeln können», sagte damals eine junge Frau in die Kameras eines RTS-Reporters, kurz bevor die Polizei das Dorf in einer denkwürdigen Stürmung zurückeroberte.

Die gewaltsame Räumung am 17. November 1987 zeigte, wie sehr solche Parallelwelten eine Stadt spalten können. Im damals noch bürgerlich dominierten Gemeinderat flogen die Fetzen, weil er den Polizeieinsatz gegen den Willen von Gret Haller und Alfred Neukomm (beide SP) beauftragt hatte. Tausende Menschen zogen aus Protest durch die Berner Strassen.

Zaffaraya gehört heute zur Stadtgeschichte. Verschwunden ist das Wagendorf aber nicht. Rund 20 Menschen leben unscheinbar an der Autobahnausfahrt Neufeld. Solche «Freiräume» zu tolerieren, ist heute Teil der Stadtpolitik: «Bern ist die Wohnstadt der Vielfalt, in der alle Menschen willkommen sind», steht in der städtischen Wohnstrategie.

Gemäss diesem Grundsatz akzeptiere die städtische Politik auch alternative Wohnformen, so Dagmar Boss von Immobilien Stadt Bern. Man lehne sich an das Zürcher Modell an, das heisst, die Stadt räumt keine Liegenschaften oder Areale auf Vorrat. Besetzerinnen und Besetzer würden erst weggeschickt, wenn die Umsetzung einer Arealentwicklung beginnt oder Flächen für von der Stadt organisierte Zwischennutzungen benötigt werden.

Eine Blase, die platzen wird

Wie es mit den städtisch tolerierten Freiräumen weitergehen wird, ist in jedem Fall die grosse, ungeklärte Frage. Jede Eroberung mündet in einer Besetzung auf Zeit – bis die Brachen und leeren Häuser überbaut, saniert, aufgemöbelt werden. Dagmar Boss: «Mit den vielen Überbauungen der letzten Jahre verschwinden zunehmend Brachen und somit die Möglichkeit von alternativen Wohnformen.» Dieser Trend dürfte aufgrund der fortschreitenden Verdichtung anhalten.

Abhilfe hätte längst eine Zone in Riedbach schaffen sollen, die eigens für Wohnexperimente gedacht war. Diese wurde durch die Berner Stimmbevölkerung bereits im Jahr 2013 angenommen – steckt jedoch noch immer in rechtlichen Abklärungen fest.

So gesehen, ist auch die Anstadt eine Blase. Irgendwann wird sie platzen. Der Gebrauchsleihevertrag endet mit dem Ablauf der Baubewilligung am 31. Juli 2026. Die Zukunft des Areals ist bereits verplant.Entstehen sollen rund 400 Wohnungen sowie Schul- und diverse Gewerberäume, wie die Stadt kürzlich mitteilte..

Allerdings befindet sich das Projekt im Verzug. Eine allfällige Vertragsverlängerung bis zum Start der geplanten Wohnüberbauung würde man frühzeitig mit Anstadt absprechen, sagt Dagmar Boss dazu.

Noch versuchen Reto und Milo, das Ende zu verdrängen. Dass sie Widerstand leisten werden, schliessen die beiden nicht aus. Das Kapitel sei nicht einfach abgeschlossen, wenn es eines Tages heisst: «Jetzt wird alles abgerissen.»
(https://www.derbund.ch/besetzer-szene-in-bern-eine-parallelwelt-im-marzili-900325313357)


+++DEMO/AKTION/REPRESSION
Alljährliche Friedenskundgebung: Rund 500 Menschen am Ostermarsch in Bern – Kritik an Israel
Einige Hundert Menschen spazierten am Ostermontag vom Eichholz bis auf den Berner Münsterplatz, um für den Frieden zu demonstrieren.
https://www.derbund.ch/ostermarsch-bern-demonstration-fuer-frieden-671060370599
-> https://www.toponline.ch/news/schweiz/detail/news/hunderte-protestieren-an-berner-ostermarsch-gegen-aufruestung-00235861/
-> Echo der Zeit: https://www.srf.ch/audio/echo-der-zeit/friedensbewegung-fordert-demilitarisierung?partId=12564848
-> https://www.telezueri.ch/zuerinews/wasserwerfer-und-traenengas-in-gerlafingen-eskaliert-ein-eritreer-streit-156699232
-> https://www.telem1.ch/aktuell/wasserwerfer-und-traenengas-in-gerlafingen-eskaliert-ein-eritreer-streit-156699228
-> https://www.srf.ch/news/schweiz/friedenskundgebung-in-bern-ostermarsch-hunderte-fuer-demilitarisierung-statt-aufruestung
-> Tagesschau: https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/berner-ostermarsch—demonstration-gegen-aufruestung?urn=urn:srf:video:68d250f6-db71-48fc-bb1b-479473338696
-> https://www.telebaern.tv/telebaern-news/hunderte-setzen-ein-zeichen-gegen-militaerische-aufruestung-156699651
-> https://www.baerntoday.ch/bern/stadt-bern/hunderte-protestieren-an-berner-ostermarsch-gegen-aufruestung-156697949?autoplay=true&mainAssetId=Asset:156698064
.- https://www.plattformj.ch/artikel/219581/
-> https://www.watson.ch/schweiz/bern/709265866-hunderte-protestieren-an-berner-ostermarsch-gegen-aufruestung
-> https://www.nau.ch/news/schweiz/hunderte-protestieren-an-berner-ostermarsch-gegen-aufrustung-66737294
-> https://www.blick.ch/politik/hunderte-protestieren-in-bern-ostermarsch-gegen-aufruestung-id19593610.html
-> https://twitter.com/gegen_oben/status/1774883803292463369


Nach Tumulten in Gerlafingen SO: «Es handelt sich klar um eine Strategie des eritreischen Regimes»
Nach den Ausschreitungen in Gerlafingen SO sind sich Experten und Politiker einig: Regimefreundliche Eritrea-Veranstaltungen müssen verboten werden.
https://www.20min.ch/story/nach-tumulten-in-gerlafingen-so-es-handelt-sich-klar-um-eine-strategie-des-eritreischen-regimes-103075224
-> https://www.srf.ch/audio/regionaljournal-aargau-solothurn/eritreische-gruppen-waren-an-deeskelation-nicht-interessiert?id=12564860
-> https://www.20min.ch/story/gerlafingen-eritrea-kantonspolizei-solothurn-eskalation-wasserwerfer-traenengas-103075216
-> https://www.20min.ch/story/gerlafingen-eritrea-kantonspolizei-solothurn-eskalation-wasserwerfer-traenengas-103075216?version=1711967577169
-> https://www.20min.ch/video/polizeieinsatz-in-gerlafingen-so-wegen-fest-von-eritreern-103075140
-> https://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/kanton-solothurn/gerlafingen-so-eritrea-chaos-hunderte-mit-stoecken-und-steinen-bewaffnete-maenner-wollten-rache-nehmen-ld.2600910
-> Tagesschau: https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/eskalation-bei-eritrea-fest-in-gerlafingen?urn=urn:srf:video:ef7c49c1-cfa2-4085-b8e8-49c884edf878
-> https://www.telebaern.tv/telebaern-news/wasserwerfer-und-traenengas-in-gerlafingen-eskaliert-ein-eritreer-streit-156699640



solothurnerzeitung.ch 01.04.2024

Warum gerieten die Eritreer in Gerlafingen aneinander? Die wichtigsten Antworten nach dem Polizei-Grosseinsatz

Am Ostersonntag stiessen in Gerlafingen Anhänger und Gegner des eritreischen Diktators beinahe zusammen. Ein Grosseinsatz der Polizei mit Wasserwerfern und Reizgas verhinderte dies. Warum der Konflikt aus Eritrea auch hier ausgetragen wird – und weitere drängende Fragen.

Franz Beidler und Raphael Rohner

Was ist passiert?

Am Ostersonntag beabsichtigte die Kantonspolizei Solothurn in Gerlafingen ein mögliches Aufeinandertreffen von Anhängern und Gegnern des Regimes in Eritrea zu verhindern. Die Anhänger des eritreischen Diktators Isayas Afewerki hatten im grossen Saal des Gerlafingerhofs zu einem Fest geladen. Rund 60 Polizistinnen und Polizisten der Kantonspolizeien Solothurn und Bern waren im Einsatz.

Die Kantonspolizei hatte bereits am Tag zuvor von einer kulturellen Veranstaltung im Gerlafingerhof erfahren, wie Polizeisprecherin Astrid Bucher gegenüber dieser Zeitung bestätigt. Wer die Organisatoren waren, gibt die Polizei aus Datenschutzgründen nicht bekannt. Da aber bekannt war, dass es sich um ein eritreisches Fest handelt, nahm die Polizei eine Lagebeurteilung vor. Analysen von Auseinandersetzungen in der Schweiz als auch im Ausland hätten gezeigt, dass sowohl die regimetreuen wie die regimekritischen Gruppen in der Vergangenheit hohe Gewaltbereitschaft zeigten. So setzte sich die Polizei als oberste Priorität, ein Zusammentreffen der beiden Gruppen zu verhindern.

Am frühen Sonntagnachmittag tauchten Videos in den sozialen Medien auf. Sie zeigen rund 350 Menschen in gelben T-Shirts im Saal des Gerlafingerhofs, der mit Flaggen der Schweiz und Eritreas geschmückt ist. Auch sollen Parolen von Diktator Afewerki ausgerufen worden sein. Weil die Organisatoren ihre Zusammenkunft in den sozialen Medien verbreiteten, erfuhren Regimegegner von der Veranstaltung und machten sich auf den Weg nach Gerlafingen, um das Fest zu stören.

Etwa um 14 Uhr traf die Einsatzleitung der Polizei vor Ort ein, um mit den Organisatoren zu verhandeln. Zur Debatte stand, die Veranstaltung früher als geplant zu beenden. Das Areal um den Gerlafingerhof wurde grossräumig abgesperrt. Der Nachmittag ist laut Polizei ruhig verlaufen. Einige Personen der Gegenseite hätten die Lage vor dem Gerlafingerhof rekognosziert, sagt Polizeisprecherin Bucher. Sie seien jeweils freundlich weggewiesen worden.

Erst als die Regimegegner in Gerlafingen eintrafen, spitzte sich die Situation zu. Unterdessen ging die Veranstaltung drinnen langsam zu Ende, die Anwesenden wurden unter Polizeipräsenz in Reisebussen aus Gerlafingen weggefahren.

Ohne davon zu wissen, formierten sich die Regimegegner etwa um 18.30 Uhr. Mit Stöcken, Steinen und Eisenstangen bewaffnet marschierten sie dem Gerlafingerhof entgegen, wo die Einsatzkräfte eine Kette bildeten. «Nach einer Abmahnung setzte die Polizei verhältnismässig einen Wasserwerfer, Schutzhunde, Reizgas und Gummigeschosse ein», so Polizeisprecherin Bucher. Diese Distanzmittel hätten nach einer Weile eine erste beruhigende Wirkung erzielt. So konnte die Einsatzleitung den Regimegegnern schliesslich den inzwischen leeren Saal des Gerlafingerhofs zeigen, woraufhin auch sie abzogen. Um 20 Uhr beendete die Polizei ihren Einsatz.

Um was dreht sich der Konflikt?

In Eritrea herrscht Diktator Afewerki mit eiserner Hand. Mehrere Berichte der Vereinten Nationen sprechen von einem Terrorregime. Anhänger des Regimes unterwandern seit Jahrzehnten die Schweiz und erpressen hier ihre Landsleute für Geld. Das brachten auch Recherchen von CH Media zutage. Ebenso organisieren die Regimetreuen Feste oder Treffen in der Schweiz, um damit ihre hiesigen Landsleute unter Druck zu setzen.

Gerlafingen ist nur der jüngste solche Anlass in einer langen Reihe. Erst vergangenen Dezember tauchte ein Schreiben des eritreischen Verteidigungsministeriums auf, das dazu aufruft, die Opposition auch in der Schweiz nötigenfalls mit Gewalt niederzuschlagen. Von eigens dafür bewaffneten Schutztruppen ist die Rede.

Ebenfalls im Dezember fand eine Zusammenkunft in Grellingen statt. Im Baselbieter Dorf an der solothurnischen Kantonsgrenze sollen etwa 400 Personen für das Regime zusammengekommen sein, darunter auch der eritreische Botschafter und zwei ranghohe Politiker aus Eritrea. Daraufhin reisten rund 300 Regimegegner an.

Wie in Gerlafingen hielt die Polizei die beiden Gruppen auseinander, um eine Eskalation zu verhindern. Ein Sprecher der Kantonspolizei Baselland bestätige allerdings, dass die Organisatoren ein Sicherheitskonzept hätten vorlegen und jene Personen identifizieren können müssen, die an der Veranstaltung teilnehmen dürfen.

Wie äusserten sich die Regimekritiker?

Noch vor ihrer Ankunft in Gerlafingen waren Stimmen der Regimegegner zu vernehmen. «Wir sind nicht aus unserer Heimat geflohen, wo Terror herrscht, damit hier Leute dieses Land und seinen Diktator feiern», sagte zum Beispiel ein junger Mann am Telefon. Ein Vertreter des eritreischen Medienbunds Schweiz sprach sich gegen Gewalt aus. Er sei vor Ort gewesen, um seine aufgebrachten Landsleute zu stoppen, jedoch von der Polizei weggewiesen worden; sodass er auch nicht zwischen den Regimegegnern und der Polizei habe vermitteln können.

Die Anhänger des Regimes, die zum Fest geladen hatten, waren bereits vor Ort nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Was sagt der Gerlafinger Saalvermieter?

Ein Anruf im Gerlafingerhof am Montagnachmittag blieb ohne Ergebnis: Ein Mann meldete sich, stritt sogleich ab, etwas von der Veranstaltung zu wissen, und verwies an die Polizei. Die habe einen Rapport von den Ereignissen erstellt. Er sei aber nicht der Vermieter des Lokals, betonte der Mann noch, bevor er sich verabschiedete und das Telefon auflegte.

Was sagt die Gemeinde Gerlafingen?

Etwa um halb fünf Uhr nachmittags habe er auf einem Spaziergang vernommen, dass vor dem Gerlafingerhof ein Grossaufgebot der Polizei versammelt sei, berichtet Philipp Heri, Gerlafingens Gemeindepräsident. Wenig später vernahm er aus den Medien von der Veranstaltung und dem drohenden Zusammenstoss. Da habe er sofort bei der Polizei nachgefragt, die ihn dann über die Situation aufklärte.

«Viele denken, dass die Gemeinde solche Anlässe bewilligen muss», sagt Heri. Das sei aber nicht der Fall. «Der Gerlafingerhof hat eine gültige Betriebsbewilligung», sagt der Gemeindepräsident. Die gestatte es, Veranstaltungen im Saal durchzuführen, ohne die Gemeinde davon in Kenntnis setzen zu müssen. So habe die Gemeinde vorab auch nichts vom Anlass gewusst.

Die Negativschlagzeilen aus seiner Gemeinde regten ihn auf, sagt der Gemeindepräsident. Eine speziell grosse oder aktive eritreische Gemeinschaft gebe es in Gerlafingen nicht, so Heri. Die wenigen Menschen mit eritreischen Wurzeln, die in Gerlafingen zuhause sind, seien gut integriert, nähmen am Dorfleben teil, spielten im Fussballklub.

Dass nun ausgerechnet Gerlafingen jüngster Schauplatz des Konflikts wurde, habe wohl einfach mit dem Saal im Gerlafingerhof zu tun, mutmasst Heri. 1200 Personen finden dort Platz, unmittelbar beim Bahnhof.

Umso mehr ist der Vorfall für die Gemeinde ein Signal, dass sie bezüglich Gerlafingerhof den richtigen Weg eingeschlagen hat: Letzten Herbst beschloss die Gemeinde, Miteigentümerin der Parzelle zu werden. Spätestens im Sommer 2025 soll die jetzige Baute abgerissen, die heutige Gartenwirtschaft zu einem öffentlichen Platz werden. «Wenn die Gemeinde mit dabei ist, können wir auch mitbestimmen, was da passiert», sagt Heri.

Bis dahin kann die Gemeinde den jetzigen Pächter des Gerlafingerhofs nur sensibilisieren: «Wenn wir von der Polizei wegen einer Veranstaltung zur Vorsicht gemahnt werden, dann leiten wir das jeweils an den Pächter weiter», sagt Heri. Um die Polizeiarbeit ist der Gemeindepräsident froh: «Die Polizei hat gehandelt und eine Eskalation verhindert.»

Wie geht es nun weiter?

Polizeisprecherin Bucher bestätigt, dass die Polizei mehrere Personen kontrollierte und ihre Personalien aufnahm. Wer kontrolliert wurde oder wie die Nachbearbeitung des Einsatzes aussieht, könne aus ermittlungstechnischen Gründen nicht bekannt gegeben werden. Zu Festnahmen oder Anzeigen kam es nicht. Man sei aber mit unterschiedlichsten Gruppierungen präventiv in Kontakt. Klar ist, dass der Konflikt in der Heimat auch die eritreische Diaspora weiterhin spalten wird.



Politik meldet sich zu Wort

Die FDP Schweiz kommentierte die Ereignisse in Gerlafingen auf der Plattform X: «Inakzeptables Verhalten von Flüchtlingen, die in der Schweiz internationalen Schutz erhalten haben.» Selbstjustiz sei in der Schweiz nicht geduldet. Weiter plädierte die Partei für eine Motion, die ein Transitabkommen zur Rückführung von Eritreern fordert. Am Ostermontag nahm die Junge SVP Solothurn zum Vorfall in Gerlafingen Stellung. Sie erklärte: «Für uns ist es massiv störend, dass Asylsuchende oder Flüchtende in der Schweiz ihr Regime feiern», so die Partei. Weiter forderte sie die Solothurner Regierung auf, die Einsatzkosten den Verursachern weiterzureichen und «diese Gruppen und mögliche Anlässe oder Feste im Auge zu behalten und zu verbieten».
(https://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/kanton-solothurn/nach-eritrea-demo-in-gerlafingen-was-ist-da-passiert-und-wie-konnte-es-dazu-kommen-ld.2600945)



nzz.ch 01.04.2024

Eritrea-Fest in Gerlafingen gerät ausser Kontrolle: Polizei muss mit Wasserwerfern und Tränengas eingreifen

180 Eritreer gingen am Sonntagabend mit Stöcken und Steinen bewaffnet auf eine Gruppe Landsleute los, die zu Ehren des Diktators Isaias Afewerki ein Fest organisiert hatten.

vof./pop. In Gerlafingen im Kanton Solothurn sind am Sonntagabend zwei Gruppen von Eritreern aneinandergeraten. Zuerst berichtete die «Solothurner Zeitung», am Ostermontag bestätigte die Kantonspolizei Solothurn in einer Medienmitteilung den Vorfall.

Rund 350 Anhänger des eritreischen Diktators Isaias Afewerki hatten sich laut der Polizei zu einem Fest versammelt. Dabei wurden sie von einer Gruppe von 180 regimekritischen Eritreern gestört, die mit Stöcken und Steinen bewaffnet angereist waren. «An einer Deeskalation waren beide Seiten nicht interessiert», schreibt die Polizei.

Die Polizei habe eingegriffen und unter anderem Wasserwerfer, Schutzhunde und Tränengas gegen die Demonstrierenden eingesetzt. Gegen 20 Uhr habe sich die Lage beruhigt, nachdem die Feiernden die Veranstaltung nach einer Aufforderung der Polizei früher als geplant beendet hatten und in Reisebussen abgereist waren.

Zwei Personen leicht verletzt

Eine Polizistin sei beim Einsatz durch einen Steinwurf leicht verletzt worden. Auch eine Eritreerin wurde offenbar leicht verletzt. Mehrere Personen wurden kontrolliert, zu vorläufigen Festnahmen sei es jedoch nicht gekommen. Im Einsatz standen rund 60 Polizistinnen und Polizisten der Kantonspolizeien Solothurn und Bern.

Ausschreitungen zwischen Eritreern sind in den letzten Monaten in der Schweiz und in Europa immer wieder vorgekommen. Auf der einen Seite stehen die Anhänger des Diktators Isaia Afewerki. Bei den Pro-Regime-Eritreern handelt es sich meist um Personen, die bereits während des Befreiungskrieges in den 1980er Jahren geflüchtet waren. Das ostafrikanische Land hatte sich seine Unabhängigkeit von Äthiopien mit einem blutigen Bürgerkrieg erkämpft, wodurch Afewerki 1991 an die Macht kam.

Allerdings gilt Afewerki unterdessen als Diktator, der das Land ähnlich rabiat führt wie Kim Jong Un Nordkorea. Unter anderem können Eritreer für einen unbefristeten Militärdienst zwangsverpflichtet werden, den die Uno mit Sklaverei verglichen hat.

Rund 30 000 Eritreer leben derzeit in der Schweiz

Auf der anderen Seite dieses Konflikts stehen darum diejenigen, die vor Afewerkis Politik geflüchtet sind. Hunderttausende Eritreer haben ihrem Land den Rücken gekehrt, rund 30 000 leben derzeit in der Schweiz. Sie werfen Afewerkis Anhängern vor, Feiern wie in Gerlafingen für Propagandazwecke zu nutzen und dabei Geld einzutreiben, mit dem das Regime finanziert werde.

Im vergangenen Jahr gab es in der Schweiz unter anderem in Opfikon im Kanton Zürich und in Rüfenacht bei Bern Ausschreitungen mit Verletzten. In der Politik wird darüber gestritten, ob den Anhängern Afewerkis der Schutzstatus entzogen werden soll, wodurch sie ihr Asylrecht verlören.

Dass überhaupt regimefreundliche Eritreer in der Schweiz Asyl erhalten haben, erklärt der Bund damit, dass sie in den 1980er Jahren an der Seite der heutigen Regierung für die Unabhängigkeit ihres Landes kämpften und damals vor den äthiopischen Besatzern flüchten mussten. Heute seien sie eingebürgert oder hätten den Aufenthaltsstatus C.

Um ihren Schutzstatus aufzuheben, müssen laut dem Bundesrat zudem einige Bedingungen erfüllt sein, die über eine Teilnahme an solchen Festivals hinausgehen. Eine Rückführung wäre aber auch dann kaum möglich: Das eritreische Regime lässt seit Jahren grundsätzlich keine Zwangsrückführungen aus westlichen Staaten zu.

Deshalb brachte die FDP-Ständerätin Petra Gössi kürzlich eine neue Variante ins Spiel. Sie verlangt, dass abgewiesene Eritreer in ein Drittland ausgewiesen werden können. Dazu soll der Bundesrat ein sogenanntes Transitabkommen mit einem geeigneten Staat abschliessen. Gössis Forderung erhielt im Ständerat eine Mehrheit; der Nationalrat hat noch nicht darüber befunden.
(https://www.nzz.ch/schweiz/eritrea-fest-in-gerlafingen-geraet-ausser-kontrolle-polizei-muss-ld.1824465)


+++SPORT
Gegen 600 FC Luzern Fans reisen trotz Stadionverbot nach St. Gallen. Der Fansektor wird geöffnet. (ab 02:28)
https://www.srf.ch/audio/regionaljournal-graubuenden/pilgern-zwischen-bodensee-und-mittelmeer?id=12564878
-> https://www.zentralplus.ch/sport/fc-luzern/fcl-fans-stehen-in-st-gallen-im-gesperrten-gaestesektor-2633228/
-> https://www.jungewelt.de/artikel/472426.staatsfeind-fu%C3%9Fballfan-double-trouble-f%C3%BCr-ultras.html
-> https://www.20min.ch/story/super-league-800-fans-trotz-gesperrtem-gaestesektor-polizei-gibt-klein-bei-103075918
-> https://www.nau.ch/sport/fussball/fc-luzern-deshalb-durften-fans-trotz-sektor-sperre-ins-stadion-66737411



tagblatt.ch 01.04.2024

«Aus Sicherheitsgründen geöffnet»: Stadtpolizei lässt trotz Sektorsperre 800 Luzern-Fans in den St.Galler Gästeblock – Catering inklusive Personal war schon bereit

Das Super-League-Spiel am Ostermontag zwischen dem FC St.Gallen und dem FC Luzern hatte einen Nebenschauplatz: Trotz einer verhängten Gästesektorsperre reisten mehrere hundert FCL-Fans in die Ostschweiz und nahmen den Gästeblock in Beschlag. Beobachtungen vor dem und im Stadion.

Samuel Ryter

Nach 12 Minuten knallt es im Gästesektor des Kybunparks. Und das, obwohl dieser Teil des Stadions für das Spiel zwischen dem FC St.Gallen und dem FC Luzern eigentlich gesperrt sein sollte. Trotz der verordneten Gästeblocksperre sind aber mehrere hundert Anhänger des FC Luzern angereist und zünden auf den Gästerängen einen Böller.

Nein, die Sperre des Gästesektors hinderte die Anhänger des FC Luzern nicht am Spielbesuch. Doch dass sie dann doch gemeinsam im Gästeblock ihr Team würden unterstützen können, daran dachte im Vorfeld wohl niemand. Mehrere hundert Innerschweizer ergatterten sich zunächst Tickets für die danebenliegenden Zuschauerränge. Zum Beispiel für den Sektor B3, wo sonst viele Familien der St.Galler Fangemeinde dem Spiel beiwohnen.

Entsprechend gross war auch die Sorge bei den St.Galler Fans. Sollten sich mehrere hundert eingefleischte Luzern-Anhänger, wie bereits im vergangenen Sommer, direkt neben die Familien stellen, wäre das für viele ungemütlich gewesen. Eine Frau sagt vor dem Spiel: «Ich hoffe, es bleibt friedlich.» Eine andere: «Wir fühlen uns unwohl.»

Anreise verläuft friedlich – Polizei öffnet den Gästesektor

Die Anreise der Luzerner Fans bis vor den Kybunpark verläuft friedlich. Nach dem Marsch vom Bahnhof Winkeln zum Stadion muss der Tross auf Geheiss der Einsatzkräfte beim Media Markt vorerst Halt machen. Die Gästefans vertreiben sich die Wartezeit mit Anti-FCSG-Parolen und Hüpfen. Von Gewalt oder auch Pyros vorerst keine Spur:

In der Folge werden die Gästefans ins Stadion gelassen:

Und dann, kurz vor Spielbeginn, die grosse Wende: Die Sicherheitsverantwortlichen öffnen den Gästesektor doch noch:

In der Halbzeitpause des Spiels, St.Gallen führt zu diesem Zeitpunkt mit 1:0, gibt die Stadtpolizei St.Gallen eine erste Stellungnahme ab. Mediensprecher Dionys Widmer sagt: «Wir haben den Gästesektor aus Sicherheitsgründen geöffnet.» Es seien etwa 800 Gästefans angereist. Man habe deshalb entschieden, die Gruppierung von den anderen Matchbesuchern zu trennen.

Gemäss Informationen aus dem kurzfristig geöffneten Gästesektor stand dort das Catering inklusive Personal schon einsatzbereit, um die Innerschweizer zu verpflegen. Es habe Wurst und Bier gegeben. Ein Luzerner Fan sagte nach dem Spiel: «Leider gab es keine Pommes.»

Situation bleibt auch nach Spielschluss friedlich

Die Situation bleibt, entgegen aller Sorgen, bis Spielschluss und auch danach friedlich. Es konnten weder vor noch im Stadion Vorfälle von Gewalt beobachtet werden. Der Innerschweizer Fantross verlässt das Stadion nach dem späten Ausgleich der Luzerner ruhig in Richtung Bahnhof Winkeln, wo die Anhängerinnen und Anhänger dem Regelzug in Richtung Wil zusteigen.

Nach der Abreise der Gästefans lässt sich die St.Galler Stadtpolizei in einem Communiqué wie folgt zitieren: «Es zeigte sich zum wiederholten Male, dass eine Sperrung des Gästesektors in einem ausverkauften Stadion diverse Herausforderungen in Bezug auf die Sicherheit mit sich bringt und zukünftig weitere Massnahmen nötig sind.» Eine erste Aufarbeitung finde bereits in den kommenden Tagen im Rahmen eines Treffens mit Verantwortlichen des FC St.Gallen, der Fanarbeit und Fan-Vertretungen statt.



Warum der Gästesektor eigentlich gesperrt ist:

Nach Fan-Randalen mit vier Verletzten im Mai 2023 nach einem Spiel der St.Galler in Luzern beschloss die Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und Polizeidirektoren (KKJPD), dass bei Partien zwischen St.Gallen und Luzern in dieser Saison die Gästesektoren gesperrt werden. Am Ostermontag kam die Regel wieder zum Tragen.

Schon im vergangenen August führten die Luzerner Fans diese Sperre ad absurdum, weil sie sich im Kybunpark einfach Tickets für den B3-Sektor neben dem Gästesektor kauften, wo sie Pyros zündeten und durch weitere Provokationen auffielen. (rst/pl)



Was wenige Tage vor dem Spiel passiert war

Polizei bittet Luzern-Anhang, nicht nach St.Gallen zu reisen

Vergangene Woche bittet die Stadtpolizei St.Gallen die Fans des FC Luzern, nicht nach St.Gallen zu reisen. Da es bereits im vergangenen August zu «Belästigungen und Gesetzesverstössen» seitens der Luzerner Fans gekommen sei, gelten für den Matchbesuch folgende Regeln: Eine geschlossene Anreise von mehr als zehn Personen ist verboten, wie auch «ein geschlossenes Auftreten von mehr als zehn Personen innerhalb wie ausserhalb des Stadions».

Am Samstag verhindert die Luzerner Polizei Ausschreitungen zwischen St.Galler und Luzerner Fans

Bereits am vergangenen Samstag kam es während des Spiels der Luzerner U21- und der St. Galler U21-Mannschaft zu Tumulten. Rund 50 Ostschweizer sind anlässlich des Spiels nach Luzern gereist. Vom Bahnhof aus hätten sie sich teilweise vermummt auf den Weg zum Stadion gemacht, wo es zu gegenseitigen Provokationen mit Luzerner Fans gekommen sei.

Im Rahmen einer Personenkontrolle stellte die Luzerner Polizei gemäss Mitteilung zahlreiche Gegenstände sicher, unter anderem Sturmhauben, aber auch verbotene Waffen.
Am Bahnhof Luzern war die Luzerner Polizei mit einem Grossaufgebot aufgestellt. (Leserbild: PilatusToday)

Unbekannte zünden in der Nacht Feuerwerk vor Hotel

In der Nacht auf Ostermontag zündeten Unbekannte gleich zweimal vor dem Hotel Einstein in der St.Galler Altstadt ein Feuerwerk. Der Schluss liegt nah, dass es sich bei den Tätern mutmasslich um Anhänger des FC St.Gallen handelt, welche den im Hotel einquartierten Spielern des FC Luzern vor dem Spiel im Kybunpark den Schlaf rauben wollten.
(https://www.tagblatt.ch/sport/ostschweiz/fussball-aus-sicherheitsgruenden-geoeffnet-stadtpolizei-laesst-trotz-sektorsperre-800-luzern-fans-in-den-stgaller-gaesteblock-catering-inklusive-personal-war-schon-bereit-ld.2600974)


+++RECHTSEXTREMISMUS
Verbot von Gewalt-Symbolen
Ebenfalls am dritten Sessionstag debattiert der Nationalrat über ein Verbot von öffentlich verwendeten extremistischen, rassistischen und gewaltverherrlichenden Symbolen, anhand von drei Vorstössen. Die Rechtskommission will nationalsozialistische Symbole rasch verbieten und in einem zweiten Schritt weitere Gewalt-Symbole folgen lassen.
Symbole mit Bezug zum Nationalsozialismus und zum Dritten Reich seien einfacher identifizierbar als andere extremistische Symbole, schreibt die Kommission. Dieses stufenweise Vorgehen versteht sie als Kompromissangebot an den Ständerat, der sich im Dezember für eine umfassendere Regelung ausgesprochen hat.
Heute sind Symbole strafbar, wenn damit für eine rassistische Ideologie geworben wird. Das Parlament wollte bisher kein totales Verbot, insbesondere wegen der Schwierigkeit einer Definition der zu verbietenden Symbole (Geschäftsnummern 23.4318, 21.524 und 23.400).
-> https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20234318
-> https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20210524
-> https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20230400
(https://www.parlament.ch/de/services/news/Seiten/2024/20240401093015047194158159026_bsd028.aspx)


+++HISTORY
Schweizer Naturforschung: Von kolonialen Sammlungen zur Biopiraterie
Zehntausende von Tieren, Pflanzen und Gesteinen aus kolonialen Kontexten lagern in den Sammlungen von Schweizer Museen und Universitäten. Ihre Geschichte offenbart die enge Verbindung zwischen Naturwissenschaften und Kolonialismus, die sich bis heute in der Forschung niederschlägt.
https://daslamm.ch/schweizer-naturforschung-von-kolonialen-sammlungen-zur-biopiraterie/