Medienspiegel 3. Januar 2024

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+++GASSE
ajour.ch 03.01.2024

Gassenküche Biel: Wo alle Menschen willkommen sind

Wärme für den Bauch und die Seele: Das bekommen Gäste in der Bieler Gassenküche. Ein Team von zwölf Männern und Frauen kümmert sich um Menschen, für die es im Leben nicht rund läuft.

Brigitte Jeckelmann

Neujahrstag um 14.30 Uhr in der Bieler Gassenküche am Oberen Quai 52. Es ist warm im Raum, draussen bläst ein kalter Wind.

Etwa 15 Personen sitzen verstreut an den Tischen. Manche lesen, manche tippen auf dem Handy herum, einige haben ihren Kopf auf die Arme gebettet und schlafen. Vom Team der Gassenküche sind Meli und Melissa im Einsatz. Beide möchten, dass man sie bei ihren Vornamen nennt.

Meli ist ausgebildete Coiffeuse und hat im Service gearbeitet. Seit gut zehn Jahren ist sie eines der 16 Mitglieder beim Team des Vereins Gassenküche Vagos. Meli mag Menschen. Sie liebt es, mit ihnen zu plaudern, sie zu bekochen.

Sie hört ihnen zu, wenn sie reden wollen. So bekommt sie von manch schwerem Schicksal zu hören. Meli sagt, das belaste sie meistens nicht, sie könne gut abschalten.

Melissa bereitet derweil in der Küche die Suppe vor. Auf dem Tisch liegen Zwiebeln, Karotten und Kartoffeln. Immer steht eine dampfende Schüssel mit heisser Suppe bereit. Sie ist für alle gratis.

Dazu gibt es einen Kaffee, Sirup, Tee oder was die Besucherinnen und Besucher der Gassenküche gerade wünschen.

Zweimal täglich, mittags und abends, kocht das Team vollwertige Menüs, vegetarisch oder mit Fleisch, zu fünf Franken pro Mahlzeit.

Sinnvolle Arbeit

Wer in der Gassenküche arbeiten will, muss sich für Menschen interessieren und gerne kochen, sagt Meli. Sie ist seit zehn Jahren dabei, Melissa seit etwa sieben Jahren.

Das Team arbeitet in zwei Schichten bis abends um 21 Uhr. Die Gassenküche hat täglich geöffnet. Keiner vom Team arbeitet Vollzeit in der Gassenküche. Der Verdienst reiche trotzdem zum Leben, sagt Meli. Sie brauche nicht viel Geld, sie lebe in einem Bauwagen auf einem Wagenplatz.

Alle zwei Monate gibt es in der Gassenküche einen kostenlosen Haarschnitt. Meli, die gelernte Coiffeuse, und ein Gast, ein früherer Friseur, schneiden einen ganzen Nachmittag lang Haare. Das Angebot sei gefragt, denn ein Haarschnitt ist besonders für Frauen sehr teuer. Wer mit knappem Budget leben muss, könne sich das oft nicht leisten, weiss Meli.

Für sie ist die Arbeit in der Gassenküche eine sinnvolle Sache, die sehr nötig sei, findet sie. Täglich kommen rund 70 Männer und Frauen in die Gassenküche, im Sommer etwas weniger, im Winter etwas mehr. Zu den Gästen gehören Arbeitslose, Menschen mit einer IV-Rente, Working Poor, Flüchtlinge, ältere Personen und Einsame.

Ein zweites Zuhause

An diesem Nachmittag erklären sich einige bereit für ein Gespräch, andere winken ab. Klar ist: Sie kommen nicht nur her, um hier günstige Nahrung zu konsumieren. Es sind die sozialen Kontakte, die sie hier pflegen, der Umgang des Teams mit ihnen, das ihnen das Gefühl gibt, willkommen und akzeptiert zu sein.

Das sei wichtig, sagt Franz, ein gross gewachsener Mann mit weissem Haar und Bart. Er liest gerade eine Reportage in der Zeitschrift «National Geographic», dazu trinkt er einen Tee. Zwei Vorderzähne fehlen. Franz, der eigentlich anders heisst, hat demnächst das Pensionsalter erreicht.

Der gelernte Schlosser ist seit Jahren arbeitslos. Ein Burn-out habe ihn ausser Gefecht gesetzt. Zum beruflichen Wiedereinstieg habe er sich nicht mehr aufraffen können. «Keine Motivation», sagt er mit ruhiger Stimme.

Jetzt gehe es ihm mental wieder gut. Er lebt von der Sozialhilfe und hat Frieden mit sich selbst gemacht. Aber manchmal komme doch alles wieder hoch, dann hat er Mühe. Aber das gehe wieder vorüber.

Die Gassenküche ist sein zweites Zuhause geworden. Er ist seit vielen Jahren Stammgast. Franz kennt hier fast alle. In der Gassenküche finde er Gesellschaft, denn zu Hause «fällt mir sonst die Decke auf den Kopf». Die knappe Kasse ist ein weiterer Grund.

Nebenan sitzt Jean. Er ist vor über dreissig Jahren aus dem Senegal in die Schweiz gekommen, hat Arbeit gefunden in einem Betrieb in Biel. Auch er möchte seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen.

Heute ist sein erster Tag als Pensionär. Er sei fast jeden Tag hier, zum Essen, zum Plaudern. Man sitze hier in der Gemeinschaft, fühle sich geborgen und wohl. Daheim wartet niemand mehr auf Jean, er lebt seit einigen Jahren alleine.

Leben im Versteckten

An einem Tisch in der Mitte des Raums sitzt Hassan, 51, illegal in der Schweiz, ein Sans-Papiers. Auch er trägt einen anderen Namen. Er sagt: «Wollen Sie meine Geschichte wirklich hören?» Sie sei sehr traurig.

Politische Wirren haben ihn vor über 20 Jahren aus seiner Heimat Algerien vertrieben, erzählt er. Jahrelang hat er versucht, Asyl zu bekommen, bisher immer erfolglos.

Eine Rückkehr in die alte Heimat sei keine Option. Hassan tauchte immer wieder unter, wurde von der Polizei geschnappt, ins Gefängnis verfrachtet. Er führt ein Leben im Versteckten.

Angst vor der Polizei? Nein, er kenne das Spiel inzwischen. Für ihn mache es keinen Unterschied, ob er im Gefängnis sitze oder in Freiheit sei.

Ein Zuhause hat er nicht. Mal schläft er in der Bieler Notschlafstelle Sleep in, mal kommt er bei Bekannten unter. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er mit Schwarzarbeit.

Gefühl wärmt die Seele

Für Melissa und Meli spielt es keine Rolle, woher jemand kommt oder was er ist. Sie kennen ihre Gäste, sprechen sie mit ihren Vornamen an.

Die meisten seien Stammkunden, ab und an tauchten neue Gesichter auf, um dann nach Tagen, Wochen oder Monaten wieder spurlos zu verschwinden. Für Meli und Melissa zählt allein der Mensch.

Diese Unvoreingenommenheit hat eine Frau beeindruckt, die sich ins Gespräch einschaltet. Sie spricht über ihre schwierige Lage, ohne Job, ohne Wohnung.

Als sie von der Gassenküche erfahren habe, sei sie hergekommen und habe es fast nicht glauben können: «Ich habe mich sofort willkommen gefühlt», sagt sie. Ein Gefühl, das die Seele wärmt. Die Frau sagt, ihr seien die Tränen gekommen.

An einem Sechsertisch aussen links sitzt Tamam aus Damaskus in Syrien, seit 30 Jahren in der Schweiz. Sie sei krank, könne nicht arbeiten, lebe von der Sozialhilfe. Tamam ist 61, sieht aber mit ihrem weichen, runden Gesicht und dem kurz geschnittenen schwarzen Haar viel jünger aus.

Um den Hals trägt sie einen schwarz-weiss gescheckten Seidenschal, vor ihr auf dem Tisch steht eine Tasse Tee. «Alle sind so nett hier», sagt sie. Tamam ist die Einzige, die sich fotografieren lässt. Doch eine halbe Stunde später ändert sie ihre Meinung wieder.

Derweil huschen Meli und Melissa in der Küche hin und her. Sie müssen sich sputen, das Abendessen soll pünktlich um halb sieben auf dem Tisch stehen. Es gibt Ofenkartoffeln mit Dip, dazu Pouletschenkel.



Die Geschichte der Gassenküche

Anfang 2013 fusionierten die Vereine Vagos und Gassenküche. Zwölf Vereinsmitglieder organisieren den Betrieb an wöchentlichen Sitzungen gemeinsam und basisdemokratisch.

In ihrer Freizeit organisieren die Vereinsmitglieder Aktionen wie Marktstände, Weihnachts- und VIP-Essen. Zudem treffen sie sich mit Angestellten anderer sozialer Institutionen zum Austausch.

Der Verein Gassenküche Vagos finanziert sich zu einem kleineren Teil aus kantonalen Subventionen, zu einem grösseren Teil aus Spenden. Pro Jahr verkauft das Team zwischen 16 000 und 18 000 Mittag- und Abendessen.

 Weitere Infos: www.gassenkueche-biel.ch
(https://ajour.ch/de/story/302862/gassenk%C3%BCche-biel-wo-alle-menschen-willkommen-sind)



Ex-Junkie Kieran (32) erzählt: «Ich traf keine Vene, also spritzte ich mir in den Hals»
Kieran (32) spritzte sich mit 16 Jahren das erste Mal Heroin. Schliesslich landete er auf der Strasse. Sein Leben geprägt von Sucht und Elend. Seine Geschichte erzählt Kieran im Video.
https://www.baerntoday.ch/videos/-ich-traf-keine-vene-also-spritzte-ich-mir-in-den-hals-155514169?autoplay=true&mainAssetId=Asset:154383973


+++DEMO/AKTION/REPRESSION
Kommunistengruppe in Bern solidarisiert sich mit Palästinensern – Rendez-vous
Eine Gruppe junger Bernerinnen und Berner will eine Revolution der Arbeiterklasse starten und den Kapitalismus überwinden. Allerdings gibt die kommunistische Gruppe namens «der Funke» derzeit vor allem mit ihrer Position zur Nahostfrage zu reden.
https://www.srf.ch/audio/rendez-vous/kommunistengruppe-in-bern-solidarisiert-sich-mit-palaestinensern?partId=12514349


+++SPORT
Gewalttätiger Extremismus: Nause will Hooligans vom Geheimdienst überwachen lassen
Der Berner Sicherheitsdirektor und Neo-Nationalrat fordert schärfere Instrumente für den Nachrichtendienst im Kampf gegen gewalttätige Fans und gewaltbereite Extremisten.
https://www.derbund.ch/nause-will-hooligans-vom-geheimdienst-ueberwachen-lassen-175367399781
-> https://www.blick.ch/politik/berner-polizeidirektor-stellt-brisante-forderung-geheimdienst-soll-hooligans-belauschen-id19294279.html



aargauerzeitung.ch 03.01.2024

Geheimdienst soll Lauschangriff auf Hooligans, regimetreue Eritreer und andere gewalttätige Extremisten starten

Im Schweizer System der inneren Sicherheit klafften gefährliche Lücken, sagt Berns Polizeidirektor Reto Nause. Seine brisante Forderung: Der Geheimdienst soll mehr Kompetenzen erhalten.

Henry Habegger

Am 28. November 2023 spielten die Young Boys in der Champions League gegen den serbischen Klub Roter Stern Belgrad. Es war ein Heimspiel in Bern. Im Hintergrund lief eine zweite, weniger sportliche Auseinandersetzung.

Militante Anhänger der AS Roma, zur Römer Ultragruppe «Fedayn» gehörend, machten sich im Vorfeld des Spiels auf den Weg in die Schweiz, um mit angereisten serbischen Ultras abzurechnen. Es ging um Rache für einen serbischen Überfall einige Monate zuvor in Rom.

Am 4. Februar 2023 waren Krawall-Fans von Roter Stern extra nach Rom gereist, um den «Fedayn» auf der Piazza Mancini beim Olympiastadion aufzulauern. In einer minutiös geplanten Kommandoaktion griffen 50 schwarz gekleidete und maskierte Serben an, mit Gummihandschuhen, Schlagstöcken und Spitzhacken ausgerüstet.

Sie hatten es, wie die Römer «Repubblica» berichtete, auf eine Art Heiligtum abgesehen: Auf die historische Vereinsfahne des 1972 gegründeten Klubs Fedayn Roma.

Die Serben prügelten zwei Römer Ultras spitalreif und klauten den Seesack mit dem Banner. Darin befand sich auch die Fahne mit der Aufschrift «Brigata Roberto Rulli». Rulli war der Gründer und Chef der ursprünglich linken Fan-Gruppe aus einem Römer Vorort.

Die als rechtsnational bis rechtsextrem und gewaltbereit bekannten Serben-Ultras – einige von ihnen sollen auch auf Seiten Russlands in der Ostukraine gekämpft haben – trieben die Provokation später auf die Spitze: Einige Tage später verbrannten sie das Banner der Fedayn im Belgrader Stadion öffentlich.

Der Fall zeigt: Die auch politisch aufgeladenen «Kriege» der Fussball-Hooligans nehmen immer unberechenbare Formen an. Dies deshalb, weil manche Ultras mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung stehen.

Polizeidirektor: «Das ist gewalttätiger Extremismus»

Für Reto Nause, Berner Sicherheitsdirektor und Nationalrat der Mitte-Partei, ist im Fall solcher Hooligans längst klar: «Wir haben es hier mit gewalttätigem Extremismus zu tun.» Aber Schweizer Sicherheitsbehörden hätten heute nicht die Instrumente, dieser Gefahr wirkungsvoll zu begegnen: So darf der Geheimdienst Hooligans und andere Gewaltextremisten präventiv weder abhören noch verwanzen.

Das will Nause jetzt ändern: mit einer Kommissionsmotion in der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats (SIK), die am 22. Januar 2024 zur ersten Sitzung zusammenkommt.

Im Vorstoss verlangt Nause, dass der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) künftig auch «gewalttätig-extremistische Gruppierungen mit genehmigungspflichtigen Beschaffungsmassnahmen überwachen» darf. Mit Methoden wie Post- und Telefonüberwachung, Einsatz von Trojanern und Wanzen, Eindringen in Computersysteme.

Der Vorstoss ist brisant, die Forderung wurde schon mehrmals abgelehnt. Noch 2019 wollte der Bundesrat präventive Überwachungsmassnahmen in einer Revision des Nachrichtendienstgesetzes aufnehmen, scheiterte aber am Widerstand im Parlament. Bei politisch-ideologischen Bewegungen sei Zurückhaltung angesagt, hiess es.

So sind dem Nachrichtendienst bis heute präventive Lauschangriffe nur erlaubt, wenn es um Terror, Atomwaffenproliferation oder Bedrohung kritischer Infrastrukturen geht.

Aber für den Praktiker, den Berner Polizeichef Nause, steht fest: «Die jüngere Vergangenheit hat klar aufgezeigt, dass gewalttätig-extremistische Gruppierungen am Wachsen sind. Um ihre Aktivitäten zu überwachen, muss sich der Nachrichtendienst heute weitgehend auf öffentlich zugängliche Quelle stützen. Damit klafft eine grosse Lücke im System der inneren Sicherheit.»

Im Auge hat Nause zum Beispiel auch regimetreue Eritreer, die ihr Gastrecht in der Schweiz missbrauchen: «Wir haben relativ viele regimetreue Eritreer im Land, die beginnen, sich zu bewaffnen, die ihre Landsleute bedrohen und unter Druck setzen.» Bereits kam es in Deutschland, aber auch in der Schweiz zu gewalttätigen Auseinandersetzungen oder Aufrufen zu Gewalt unter Eritreern.

Ob durch Hooligans, regimetreue Eritreer, Rechtsextreme, Linksextreme, organisierte kriminelle Strukturen und so weiter, sagt Nause. Die Schweiz sei heute, im Gegensatz zu anderen Ländern, in mancher Hinsicht «praktisch blind». Während die Bedrohung «exponentiell angewachsen ist, verharrte das Instrumentarium für die präventive Überwachung auf dem Stand von vor 30 Jahren».

Gewalt-Hooligans: Bern war dank Italien gewarnt

Die Problematik zeige exemplarisch am Fall der Römer Ultras, die im Anmarsch auf Bern waren. «Dank den italienischen Behörden wussten wir, dass sich die Hooligans der AS Roma auf den Weg in die Schweiz gemacht hatten. In der Schweiz aber haben wir keine Möglichkeit, solche Gruppen präventiv zu überwachen.»

Es braute sich etwas zusammen. Bereits 2019 sorgten Belgrader Hooligans in der Innenstadt für Angst und Schrecken. Es gab tätliche Angriffe, Flaschenwürfe, Schlägereien, Verletzte, Sachbeschädigungen, ein Kiosk wurde geplündert. Die Polizei gab Warnschüsse ab, um die Lage zu beruhigen. Mehrere Personen wurden verhaftet.

Im November, am Rand des Spiels YB gegen Belgrad, drohte die noch massivere Eskalation. Dank den Hinweisen aus Italien konnte sich die Berner Polizei diesmal aber immerhin vorbereiten, sie war mit einem Grossaufgebot präsent. Der Überraschungseffekt war dahin, was die Römer Hooligans offenbar veranlasste, ihre Pläne zu ändern und direkt nach Genf zu ziehen, wo die AS Rom in der Europa League gegen Servette spielte. «Die Polizei war gewappnet und nahm neun Personen fest», sagte Nause später zu BärnToday. Das Eskalationspotenzial aber blieb gross, etwa 2000 serbische Fans versammelten sich Stunden vor dem Spiel im Berner Zentrum und zogen laut Berichten unter Absingen nationalistischer Gesänge und Schmährufe zu Kosovo in Richtung Wankdorf-Stadion.

YB gewann das Spiel gegen Belgrad 2:0.
(https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/lauschangriff-auf-hooligans-ld.2560657)


+++JUSTIZ
Staatsanwaltschaften befürchten zusätzlichen Aufwand
Auf den 1. Januar sind in der Strafprozessordnung gewisse Änderungen in Kraft getreten. Diese sollen die Rechte von Beschuldigten stärken. Skeptisch äussern sich die Staatsanwaltschaften in den Kantonen Aargau und Solothurn: sie befürchten einen Mehraufwand für die Justiz-Behörden.
https://www.srf.ch/audio/regionaljournal-aargau-solothurn/staatsanwaltschaften-befuerchten-zusaetzlichen-aufwand?id=12514163


+++KNAST
Häftling in Zelle einer Genfer Polizeistation tot aufgefunden
In einer Zelle einer Genfer Polizeistation ist am Mittwochmorgen ein Häftling leblos aufgefunden worden. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet, um die Todesursache zu ermitteln.
https://www.watson.ch/polizeirapport/romandie/556945005-haeftling-in-zelle-einer-genfer-polizeistation-tot-aufgefunden


+++POLIZEI BS
Vorfall in der Silvesternacht sorgt für Diskussionen
Hunderte linksextreme Personen hätten in der Silvesternacht beim Restaurant Hirscheneck im Kleinbasel eine Polizeipatrouille angegriffen, meldete die Basler Kantonspolizei gestern. Stimmt nicht – der Vorfall habe sich ganz anders zugetragen, sagen nun Passantinnen und Passanten, die dabei waren.
https://www.srf.ch/audio/regionaljournal-basel-baselland/vorfall-in-der-silvesternacht-sorgt-fuer-diskussionen?id=12514604
-> https://twitter.com/JUSOBS/status/1742240813264859633


«BaZ direkt» – der tägliche Podcast: «Die Respektlosigkeit gegenüber der Polizei ist unglaublich»
Kritik an der Arbeit und Kommunikation der Behörden? Unbedingt. Aber wie Polizisten derzeit angeprangert werden, ist eine bedenkliche Entwicklung.
https://www.bazonline.ch/baz-direkt-der-taegliche-podcast-die-steigende-respektlosigkeit-gegenueber-der-polizei-ist-unglaublich-967414309061



Basler Zeitung 03.01.2024

Eymann zur Attacke auf Polizisten: «Die Diskussion geht in die komplett falsche Richtung»

Die Basler Sicherheitsdirektorin weist das Argument, die Polizei habe die Menschenmenge provoziert, entschieden zurück. Auch räumt sie Fehler bei der Kommunikation ein.

Oliver Sterchi

Zum Vorfall an Silvester gibt es unterschiedliche Darstellungen. In der Mitteilung der Polizei steht, dass die Beamten «unvermittelt» von «mehreren Hundert» Linksextremen umringt und «massiv bedroht worden» seien. Augenzeugen sagen hingegen, die Polizei sei ohne Not in eine friedlich feiernde Menschenmenge hineingefahren. Was ist genau vorgefallen?

Am Lindenberg waren viele Personen auf der Strasse und haben Silvester gefeiert. Die Kantonspolizei war mit einer Patrouille unterwegs. Dieser Weg hat um circa 1.40 Uhr am Lindenberg vorbeigeführt, also schon deutlich nach Mitternacht. Um diese Zeit ist die Patrouille nicht davon ausgegangen, dass sich noch viele Personen auf der Strasse befinden. Ich bin übrigens ziemlich irritiert über die Stossrichtung der Argumentation: Die Polizei habe mit ihrem Verhalten die Auseinandersetzung provoziert. Wir reden von einer simplen Fahrt auf der Strasse, die zur ganz normalen Patrouillentätigkeit gehört. Noch dazu in einer Silvesternacht, in der es in allen Ecken der Stadt zu tun gibt.

Wieso ist diese Patrouille überhaupt dort durchgefahren?

Ich weiss nicht, wie Sie das sehen, aber wenn ich auf der Strasse bin und es fährt ein Einsatzfahrzeug vorbei, dann lasse ich es einfach durch. Als Aussenstehende habe ich ja keine Ahnung, was der Grund für die Fahrt ist. Aber die Menschenmenge am Lindenberg hat eben nicht Platz gemacht. Da kommt das «unvermittelt» ins Spiel: Anstatt eine Gasse zu bilden, haben Anwesende begonnen, auf das Fahrzeug einzuschlagen. Nicht alle Anwesenden. Aber offensichtlich hat sich in der Menge auch niemand gefunden, der die Täterschaft vom Vorhaben abhalten wollte.

Wieso musste die Polizei diese Info nachliefern? Warum hat man das nicht schon von Anfang an kommuniziert? Das wirkt nicht gerade glaubwürdig.

Die Abteilung Kommunikation der Kantonspolizei hat in ihrer E-Mail mit der zweiten Medienmitteilung an die Redaktionen darauf hingewiesen, dass sie wegen interner Pannen noch keine Kenntnis vom Vorfall hatte, als sie die erste Mitteilung mit der Bilanz zu Silvester versandte. Das ist sicher alles andere als ideal und darf nicht wieder vorkommen. Wie Sie richtig feststellen, führen solche Fehler zu Zweifeln. Das darf schlicht nicht passieren. Das ist der feine Unterschied zu anderen Kommunikationsstellen: Es gibt null Fehlertoleranz bei der behördlichen Kommunikation.

Wie geht es den betroffenen Polizisten?

Eine der beiden Polizeiangehörigen hat den Dienst heute wieder angetreten, die zweite Person arbeitet erst morgen wieder. Die Ruhephase, um sich von der Arbeit zu erholen und das Erlebnis zu verarbeiten, lassen wir unseren Mitarbeitenden. Das Erlebte hat sie natürlich mitgenommen, aber es geht ihnen den Umständen entsprechend gut. Polizistinnen und Polizisten sind ja sehr hart im Nehmen, aber sie sind wie alle Einsatzkräfte auch nur Menschen. Solche Ereignisse führen unweigerlich zu Unverständnis. Im Korps fragt man sich: «Wir setzen uns in schwierigen Situationen für die Allgemeinheit ein. Das ist unser Job, und wir erwarten nicht ewige Dankbarkeit, aber woher kommt dieser Hass?» Gleichzeitig muss ich unseren Polizistinnen und Polizisten immer wieder sagen: Die ganz grosse Mehrheit der Bevölkerung schätzt eure Arbeit und ist dankbar. Lasst euch von solchen Ereignissen nicht allzu sehr deprimieren.

In der Mitteilung hiess es, dass sich die Beamten «dank ihrer besonnenen Reaktion in Sicherheit» bringen konnten. Was heisst das konkret?

Das heisst, dass sie nicht in Panik geraten sind und ruhig den Weg wieder aus der Menschenmenge herausgefunden haben. Versuchen Sie, sich in die Situation zu versetzen: Sie sitzen zu zweit in einem Fahrzeug, auf das eine Menschenmenge eindrischt und Sie johlend beschimpft. Wie nervenstark bleiben Sie da?

Wie dürfen sich bedrängte Polizisten wehren? Ab wann darf beispielsweise ein Warnschuss mit der Schusswaffe abgegeben werden?

Es kommt äusserst selten zu Schussabgaben im Einsatz. In der Schweiz legen wir bei der Polizeiausbildung grössten Wert darauf, dass allen Polizistinnen und Polizisten klar ist, dass eine Schussabgabe das letzte Mittel ist. Das ist zum Beispiel bei direkter Lebensgefährdung der Fall. Im vorliegenden Fall gab es «nur» Sachschaden, obwohl die Situation sehr bedrohlich für die beiden war. Ich bin sehr froh, dass wir so gute Leute haben, die kühlen Kopf bewahren.

Warum hat die Polizei nach diesem Vorfall nicht interveniert und die angebliche Hundertschaft noch vor Ort gestellt?

Nochmals: Es war eine grosse Menschenmenge, aber es haben nicht Hunderte Personen auf das Fahrzeug eingedroschen. Sonst sähe das beschädigte Fahrzeug ganz anders aus. Ich bin auch der Meinung, dass ein solcher Übergriff eigentlich strenger verfolgt hätte werden müssen. Aber ich kann die Argumentation der Kantonspolizei absolut nachvollziehen, dass sie in einer Silvesternacht mit noch vielen anderen Aufgaben beschäftigt gewesen ist, als Mittel für einen solchen Grosseinsatz bereitzustellen. Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis, also zwischen uns, die am Büro- oder Küchentisch sitzen und den Einsatz aus der Ferne kommentieren, und den Einsatzkräften, die an jenem Abend vor Ort mit den verfügbaren Mitteln alle Einsätze zu bewältigen haben.

Der Vorfall zeigt, dass der Respekt vor der Polizei mitunter nicht mehr sehr gross ist. Wie nehmen Sie das wahr?

Leider teile ich Ihre Beobachtung. Wir haben in den vergangenen Jahren mit sorgenvollem Blick in andere europäische Städte geschaut und an den vergangenen Silvestern die Erosion des Respekts vor der Polizei mitverfolgen müssen. Häufig lässt sich ein Muster erkennen: Personen suchen in einer grossen Gruppe die Überzahl und Anonymität und nutzen diese, um Übergriffe zu verüben. Auch wer nicht aktiv an den Übergriffen teilnimmt, ermöglicht als Anwesende in der Gruppe durch eine passive oder gar unterstützende Haltung diese Übergriffe. Auch wenn solche Fälle eine grosse Herausforderung für die Strafverfolgungsbehörden darstellen, so hoffe ich trotzdem, dass die Delinquenten zur Rechenschaft gezogen werden können.

In den Reaktionen und Kommentaren auf den ersten Artikel gab es Stimmen, die sich auf den Standpunkt stellten, dass die Polizei nun mal nicht provozieren solle, dass es also Zonen und Milieus in der Stadt gebe, wo die Polizei nicht willkommen sei. Was sagen Sie dazu? Gibt es für die Polizei No-go-Areale in der Stadt?

Da geht die Diskussion in die komplett falsche Richtung. Es erinnert mich an den völlig falschen Vorwurf an Frauen, dass sie mit ihrem Verhalten sexuelle Übergriffe provozieren. Das ist nichts anderes als eine Umkehr von Täter und Opfer. Wer die Meinung vertritt, dass die Polizei gewisse Örtlichkeiten aus Rücksicht auf Befindlichkeiten nicht mehr befahren sollte, muss sich ernsthaft Gedanken über sein Gesellschaftsbild machen. Die Kantonspolizei wird im Kanton Basel-Stadt weiterhin überall dorthin gehen, wo die Bevölkerung Hilfe braucht.
(https://www.bazonline.ch/eymann-zur-attacke-auf-polizisten-die-diskussion-geht-in-die-komplett-falsche-richtung-499330506663)


+++RASSISMUS
ANTIRA-WOCHENSCHAU: Ausgeschafft nach 40 Jahren, ertrunken nach vielen Gefahren, verschärft nach langen Debatten
https://antira.org/2024/01/03/ausgeschafft-nach-40-jahren-ertrunken-nach-vielen-gefahren-verschaerft-nach-langen-debatten/


+++HISTORY
Durch den Monat mit Aarusza Ramachandran (Teil 1): Wann haben Sie zum ersten Mal vom «Black July» gehört?
Vor vierzig Jahren flüchteten erstmals Tausende Tamil:innen in die Schweiz. Aarusza Ramachandran wurde in der Schweiz geboren und gehört zur zweiten Generation der Diaspora.
https://www.woz.ch/2401/durch-den-monat-mit-aarusza-ramachandran-teil-1/wann-haben-sie-zum-ersten-mal-vom-black-july