Medienspiegel 16. September 2023

Medienspiegel Online: https://antira.org/category/medienspiegel/

+++LUZERN
Neues Angebot in Luzern: Mehr Geflüchtete an Hochschulen: So wird es gemacht
Menschen mit Fluchthintergrund sollen leichter ein Studium beginnen können. Dafür lancieren die Luzerner Hochschulen jetzt ein neues Angebot.
https://www.zentralplus.ch/beruf-bildung/mehr-gefluechtete-an-hochschulen-so-wird-es-gemacht-2579870/


+++SCHWEIZ
Lampedusa: Flüchtlingskrise in Italien – schwappt sie in die Schweiz über?
Lampedusa wird von Flüchtenden überrannt, die über das Mittelmeer den Weg nach Europa suchen. In der Schweiz sind die Auswirkungen davon derzeit noch klein – doch das kann sich ändern.
https://www.20min.ch/story/lampedusa-fluechtlingskrise-in-italien-schwappt-sie-in-die-schweiz-ueber-211061328906?version=1694840341393
-> https://www.20min.ch/story/fluechtlingskrise-in-italien-grenzen-kontrollieren-oder-herz-zeigen-das-sagt-die-politik-883861058555?version=1694842208564


SEM ändert Asylpraxis für afghanische Frauen: FDP protestiert
Afghaninnen wird fortan grundsätzlich Asyl in der Schweiz gewährt. Das beschloss das SEM. Die Partei FDP empfindet den Entschluss jedoch als «inakzeptabel».
https://www.nau.ch/news/schweiz/sem-andert-asylpraxis-fur-afghanische-frauen-fdp-protestiert-66602409
-> https://www.blick.ch/politik/fdp-findet-das-inakzeptabel-bund-gibt-allen-afghanischen-frauen-asyl-id18947119.html



derbund.ch 16.09.2023

Chef der Schweizer Migrationskommission im Interview: «Wir werden uns für unseren Umgang mit Kindern im Asylbereich entschuldigen»

Walter Leimgruber findet, die Politik sei unfähig, Lösungen für minderjährige Flüchtlinge zu finden. Die Schweiz solle mehr besonders vulnerable Menschen aufnehmen, direkt aus den Camps.

Anielle Peterhans, Lukas Lippert(Text), Urs Jaudas(Fotos)

Herr Leimgruber, kaum je flüchteten so viele Menschen in die Schweiz. Was bereitet Ihnen am meisten Sorgen?

Der gesellschaftliche Zusammenhalt. Und: Es werden in Zukunft noch mehr Menschen fliehen, etwa wegen des Klimawandels und seiner Folgen. Leider gibt es keine wirklich kohärente Politik, wie man konstruktiv damit umgehen kann.

Sie meinen die polarisierten politischen Debatten?

Wir haben scheinbar nur zwei Tendenzen: Die Grenzen zu oder die Grenzen auf. Die Grenzen zu funktioniert nicht. Wir würden damit sämtliche humanitären Pflichten missachten. Die Grenzen einfach zu öffnen, würde das Ende des Asylsystems bedeuten. Und keine Gesellschaft kann mit einem beliebig grossen Zuwachs umgehen. Aber auch das Potenzial der eingewanderten Menschen selbst gerät meist aus dem Blick. Wir müssen zwischen den Extremen diskutieren, was ist überhaupt realistisch?

Und, was ist realistisch?

Wir sollten mehr besonders vulnerable Menschen direkt aus Flüchtlingscamps aufnehmen, mit dem sogenannten Resettlement. Und wir könnten das humanitäre Visa stärker nutzen, auch das Botschaftsasyl wieder einführen. Menschen könnten im Ursprungsland oder einem Nachbarland einen Visumsantrag stellen, ohne die gefährliche Reise machen zu müssen.

Viele kämen trotzdem noch illegal über unsere Grenzen.

Wenn die Menschen die Reise verhindern können, werden das viele tun. Die Reise nach Europa soll unattraktiver werden. Wir müssen aber auch grundlegender darüber nachdenken, ob wir nicht andere Angebote an die betroffenen Länder machen, nämlich an Arbeitskräfte und Auszubildende, die wir ja dringend benötigen.

Die SVP kämpft nicht nur gegen die humanitären Visa. Ihrer Ansicht nach kommen die «Falschen», damit meint sie: junge Männer ohne Papiere, die uns vermeintlich auf der Tasche sitzen.

Mit den humanitären Visa wäre genau diese Auswahlmöglichkeit gegeben. Es sind tatsächlich mehrheitlich junge Männer, das hat vielfältige Gründe. Ob das die «Falschen» sind, ist Sache des Asylverfahrens und der Gerichte. Es stimmt, dass junge Männer ohne soziale Kontrolle häufig die schwierigsten Mitglieder einer Gesellschaft sind, unabhängig davon, ob sie von hier oder anderswo stammen. Genau deshalb müssen Integrationsmassnahmen möglichst schnell greifen.

Was heisst das konkret?

Wir müssen dafür sorgen, dass sie eine klare Ausbildungs- und Beschäftigungsstruktur haben, eng begleitet und sozial verankert werden. Besonders schutzbedürftig sind die UMA, die unbegleiteten Minderjährigen. Sie sind wissbegierig und lernen in der Regel sehr schnell. Während die Asylverfahren noch laufen, braucht es Schule, Beschäftigungsprogramme, aber auch vielfältige Kontakte mit der Gesellschaft, in Vereinen etwa. Danach müssen sie ohne lange Unterbrüche in die Ausbildung. Wir sind mit der Integrationsagenda Schweiz auf dem richtigen Weg. Aber sie muss für alle zur Anwendung kommen.

Die Mehrheit der UMA sind junge Afghanen. Werden sie dauerhaft bleiben?

Der Grossteil, ja. Wir wissen alle, dass sich die Situation in Afghanistan weder heute noch morgen verbessert. Sie schnell zu integrieren, ist zentral. Zwischen 12 und 18 Jahren ist eine entscheidende Lebensphase. Diese Jugendlichen wirken zwar sehr reif für ihr Alter, weil sie furchtbare Dinge mitgemacht haben. Aber es fehlt ihnen ein Teil ihrer Kindheit. Sie sind deshalb sehr verletzlich. Wenn wir nicht dafür sorgen, dass sie eine altersadäquate Unterstützung haben, führt das zu immer schwereren Belastungen bei den Jugendlichen und zu enormen Folgekosten für die Gesellschaft.

Wenn sie bleiben: Wieso erhalten sie dann nur die vorläufige Aufnahme?

Wegen der Interpretation des Asylgesetzes. Es verlangt, dass jemand beweisen muss, dass er oder sie persönlich gefährdet ist. Wenn in Syrien den Leuten die Bomben auf den Kopf fallen, können sie kaum beweisen, dass die Bombe genau ihnen gegolten hat. Sie sind aber dennoch gefährdet.

Die Nachteile der vorläufigen Aufnahme sind aber zahlreich. Arbeitgeber sind skeptisch, einem solchen Bewerber eine Lehrstelle zu geben. Die Sozialhilfe ist reduziert, der Familiennachzug nicht möglich.

Die «vorläufige Aufnahme» ist ein überholtes Konzept. Wir brauchen einen Schutzstatus, wie wir ihn jetzt mit den Ukrainern erproben, der zeitlich begrenzt ist, aber dafür sorgt, dass die Regeln definiert sind und die Menschen möglichst schnell auf eigenen Beinen stehen können – auch wenn sie nach einigen Jahren wieder zurückkehren. Dann haben sie hier etwas gelernt, das sie anderswo auch brauchen können.

Das ist schon lange die Position der Migrationskommission. Wieso ändert sich nichts?

Wir waren bereits nah dran. Viele Migrationsämter teilen unsere Kritik. Es hapert bei der Politik. Es geht um den befürchteten Pull-Effekt. Wenn wir aber mit diesem Argument eine rasche Integration verhindern, schaffen wir viele unnötige Probleme – für alle.

Ihre Kommission entstand nach der knappen Ablehnung der Schwarzenbach-Initiative vor über 50 Jahren. Seither gab es elf weitere Initiativen, die eine «Überfremdung» verhindern wollten. Woher kommt diese Angst?

Menschen mögen keine Veränderungen. Bei praktisch allen von uns kommt zuerst einmal Widerstand. Wir sind deshalb aber nicht einfach nur rassistisch und fremdenfeindlich, auch wenn es diese Haltung leider auch gibt. Es braucht Zeit, sich an neue Umstände zu gewöhnen. Die Italiener waren auch erst die «Tschinggen», die angeblich am Bahnhof herumlungerten und den Frauen nachpfiffen. Heute wissen wir: Sie bereichern unser Leben und sind völlig integriert. Mit den Eritreern und Afghanen wird es in 20 Jahren auch so sein. Bald die Hälfte unserer Gesellschaft hat einen Migrationshintergrund. Es geht darum, allen eine Perspektive zu bieten, sonst riskieren wir Zustände wie in französischen Banlieues.

Die Anti-Folter-Kommission kritisiert, dass Betreuende in den Bundesasylzentren für bis zu 100 Jugendliche gleichzeitig verantwortlich sind.

Das ist ein riesiges Problem. Die Kinder und Jugendlichen, ob UMA oder in Begleitung der Eltern, brauchen eine adäquate Betreuung. Natürlich sind die Probleme auch eine Folge der grossen Anzahl, die letztes Jahr noch zusätzlich aus der Ukraine Schutz suchte. Aber die Betreuungsverhältnisse müssen dringend verbessert werden.

Aber die Ukrainerinnen waren ja nicht im Asylverfahren.

Trotzdem mussten sie untergebracht und betreut werden. Darunter viele Mütter mit Kindern. Es ist auch schwierig, auf die Schnelle mehr Betreuungspersonen zu finden. Das Grundproblem ist aber, dass unser Asylgesetz dazu gemacht ist, die Leute möglichst effizient durch das System zu schleusen. Effizient heisst nicht unbedingt menschengerecht.

Können Sie ein Beispiel machen?

Es kommt zu vielen Transfers in verschiedene Zentren. Die Verhältnisse und Betreuungspersonen wechseln dauernd. Auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen wird dabei kaum Rücksicht genommen. Diese brauchen aber Konstanz, Vertrautheit, Bezugspersonen, sonst kommt es zu Entwicklungsstörungen mit grossen Folgekosten für die Gesellschaft.

Und was schlägt die EKM vor mit Blick auf die Kinder?

Entspannung bringen würde, wenn wir Familien separat von Einzelpersonen unterbringen würden. Asylzentren funktionieren wie Kasernen. Und Kasernen sind nicht kinderfreundlich. Da stehen uniformierte Wächter, was Kindern aus Kriegsgebieten Angst macht. Aktuell regiert das Sicherheitsdenken, weil es eben diese Durchmischung gibt. Auch Kinder werden kontrolliert. Ihnen werden dann etwa die Malstifte weggenommen, weil es potenzielle Waffen sein könnten. Zudem braucht es mehr Konstanz in der Betreuung.

Dringen Sie mit Ihren Vorschlägen durch?

Das sind lange und komplizierte Prozesse mit vielen Akteuren. Gerade wenn die Belastung so gross ist wie in den letzten Jahren, finden Vorschläge für Veränderungen kaum offene Ohren. Freiwillige versuchen, die Umstände zu verbessern. Die Zivilgesellschaft müsste unbedingt viel stärker einbezogen werden, und die Kinder- und Jugendschutzbehörden müssten ein Gegengewicht bilden.

Das Schweizerische Rote Kreuz bietet einen Suchdienst für vermisste Familienangehörige. Aber auch da zeigt sich: Aktuell warten über 100 unbegleitete Minderjährige auf einen Ersttermin.

Es braucht mehr Ressourcen und mehr internationale Kooperation. Wir vergessen häufig, dass es Kinder sind. Wenn sie verschwinden, interessiert sich niemand mehr für sie. Wir nehmen einfach an, sie seien freiwillig weitergereist, aber es gibt auch Hinweise auf Menschenhandel. Leider, und das spüren die Jugendlichen, interessiert sich kein Mensch dafür, ob sie noch da sind oder nicht. Damit nehmen wir den Schutzauftrag der UNO-Kinderrechtskonvention nicht wahr.

Die Schweiz wird immer wieder gerügt, weil sie die Konvention verletzt. Wären nicht gerade Sie und Ihre Kommission dazu da, den Finger auf den wunden Punkt zu legen?

Wir versuchen immer wieder klarzumachen, wo es Verbesserungspotenzial gibt. Aber wir sind auch davon abhängig, dass die Politik uns hört – und häufig will sie uns nicht hören. Einige finden immer noch, man könne eine Familie mit Kindern ohne weiteres im Luftschutzkeller einquartieren – mit der Bemerkung: «Wenn es richtige Flüchtlinge sind, dann halten sie das aus.»

Da sind wir wieder bei den polarisierten Debatten.

Es macht mir grosse Sorgen, dass die Kompromissbereitschaft in der Politik verloren geht. Es geht in vielen Fragen kaum vorwärts. Und es ist leider so, dass nicht nur im Asylbereich auf Kinder wenig Rücksicht genommen wird. Es gibt viele Beispiele, bei denen wir uns im Nachhinein entschuldigen mussten, etwa mit den jenischen Kindern der Landstrasse, mit den Verding- und Heimkindern oder mit den Kindern der Saisonniers, die nicht bei ihren Eltern sein durften und oft im Versteckten leben mussten. Es hat sich gezeigt, dass bei Auseinandersetzungen um die richtige Politik die Kinder immer den höchsten Preis bezahlen. Das darf nicht sein. Ich bin mir sicher: Mit etwas Abstand werden wir uns auch für unseren Umgang mit Kindern im Asylbereich entschuldigen.



Zur Person

Walter Leimgruber ist Präsident der Eidgenössischen Migrationskommission EKM. Sie hat vom Bund den Auftrag bekommen, sich mit allen Fragen zu beschäftigen, welche die Migration in der Schweiz aufwirft. Der 64-Jährige ist Professor an der Universität Basel, er leitet dort das Institut für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie.
(https://www.derbund.ch/chef-der-schweizer-migrationskommission-im-interview-wir-werden-uns-fuer-unseren-umgang-mit-kindern-im-asylbereich-entschuldigen-649795397407)



derbund.ch 16.09.2023

Verschwundene Flüchtlingskinder in der Schweiz: Linou war gefährdet – und dann plötzlich weg

Seit Jahren verschwinden Kinder und Jugendliche, die unbegleitet nach Europa geflüchtet sind, spurlos aus staatlicher Obhut. So auch in der Schweiz. Eine von ihnen ist Linou.

Simone Rau

Als Linou (Name geändert) aus dem Bundesasylzentrum Zürich verschwindet, hat sie nur ihr Handy und ein bisschen Kleingeld bei sich. Ihren Rucksack, ihre Kleider, das Ladegerät ihres Handys, all ihre wenigen Habseligkeiten lässt sie in ihrem Zimmer zurück. Zu dem Zeitpunkt ist sie ihren eigenen Angaben zufolge sechzehn.

Für ihre Betreuerinnen ist klar: Die junge Frau ist nicht einfach abgetaucht. Freiwillig verschwunden wie andere jugendliche Asylsuchende, die ohne ihre Eltern in die Schweiz geflüchtet sind. Dann hätte sie ihr Gepäck mitgenommen oder wenigstens einer Kollegin im Zentrum Bescheid gesagt. Linou, befürchten ihre Betreuerinnen, ist höchstwahrscheinlich in die Fänge von Menschenhändlern geraten – wie bereits in ihrer Heimat, einem Land in Zentralafrika.

2023 sind 331 Kinder verschwunden

Die Zahl der verschwundenen Flüchtlingskinder ist in Europa seit Jahren hoch. Schätzungen zufolge werden weit über 10’000 unbegleitete minderjährige Asylsuchende vermisst. In der Schweiz waren es allein im vergangenen Jahr 334 Kinder und Jugendliche, die spurlos aus ihren Asylunterkünften verschwanden. Dieses Jahr gab es bis Ende Juli bereits 331 «unkontrollierte Abreisen», wie es das Staatssekretariat für Migration (SEM) nennt. Wie kann das sein? Und wo landen diese Kinder?

Klar ist: Ein Grossteil der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden taucht auf eigene Initiative unter. Menschenhandel steht nicht im Vordergrund.  Einige von ihnen tauchen später auch wieder auf, beispielsweise bei Verwandten im Ausland oder im Asylsystem eines anderen europäischen Landes.

Was dabei aber leicht vergessen geht: Es handelt sich in jedem Fall um Kinder und Jugendliche. Durch das Untertauchen verlieren sie jeglichen Schutz. Und laufen damit Gefahr, ausgenutzt oder gar ausgebeutet zu werden.

Im Fall von Linou realisieren die  Betreuerinnen im Bundesasylzentrum rasch, dass etwas passiert sein muss. «Wir probierten Linou auf dem Handy zu erreichen, doch es war abgestellt», sagt eine von ihnen. «Auch die Jugendlichen, mit denen sie im Zentrum Kontakt hatte, erreichten sie nicht. Das machte uns stutzig.»

Stutzig gemacht habe sie auch der Umstand, dass Linou das Zentrum nicht nur ohne Gepäck verliess – sondern auch ohne Begleitperson. «Linou hatte uns gegenüber wiederholt die Angst geäussert, dass ihr etwas zustossen könnte. Sie wollte nicht mehr alleine nach draussen. Wirkte sehr verängstigt», sagt die Betreuerin. Deshalb habe man in Absprache mit der Zentrumsleitung und dem SEM eine Art Sicherheitsdispositiv für Linou eingerichtet. Die Verantwortung dafür oblag dem SEM. Das bestätigen unabhängig voneinander drei Personen, die mit Linous Fall vertraut sind.

Alle Asylbewerberinnen und Asylbewerber müssen sich beim Ein- und Auschecken des Bundesasylzentrums (BAZ) jeweils beim Empfang melden – bei Linou sei zusätzlich vermerkt gewesen, dass sie das Zentrum nur mit einer Begleitperson verlassen dürfe. Nicht einmal zum Deutschunterricht sei sie allein gegangen, sondern zusammen mit beispielsweise einer Sozialarbeiterin oder einem Zivildienstleistenden.

Nie habe sie gesagt, sie wolle die Begleitung nicht mehr. «Im Gegenteil», sagt eine zweite Betreuerin. «Nur schon innerhalb des Zentrums bat sie mich des Öfteren, mit ihr zur Toilette zu gehen, so gross war ihre Angst.»

Und dann ist da noch Linous Vorgeschichte, die Hinweise auf ein möglicherweise unfreiwilliges Verschwinden gibt. Am Morgen nach ihrer Ankunft im BAZ erzählt sie, dass sie in Afrika Opfer sexualisierter Gewalt geworden sei. Sie habe sich für einen Zuhälter prostituieren müssen. Sei von Freiern vergewaltigt worden. So auch später auf der erzwungenen Reise nach Europa.

Ein direktes Gespräch mit Linou ist für diese Redaktion nicht möglich. Sie bleibt auch über zwei Jahre nach ihrem Verschwinden im Sommer 2021 unauffindbar – zumindest für ihre ehemaligen Betreuerinnen sowie andere Personen, die in der Schweiz Kontakt mit ihr hatten. Obwohl die Betreuerinnen heute nicht mehr im BAZ arbeiten, möchten sie anonym bleiben.

So bleiben die Erinnerungen an Linous Erzählungen, die sie jetzt, nach zwei Jahren, publik machen wollen. Linou sagte, sie habe früh ihre Mutter verloren. Als ihr Vater schwer erkrankt sei, habe sie die Schule abgebrochen, um zu arbeiten. Geld für die teuren Medikamente war dringend nötig. Eines Tages habe ihr ein Mann angeboten, diese Kosten zu übernehmen. Einzige Bedingung: Sie müsse mit ihm in seine Heimat, ein Land in Westafrika, kommen. Dort in seinem Restaurant arbeiten.

Das Restaurant stellt sich, erzählte Linou, als zweiter Mann heraus. Als Freier. Linou muss ihm seine sexuellen Wünsche erfüllen. Später bringt sie ihr Zuhälter via andere afrikanische Länder, in denen sie weitere Freier bedienen muss, und wohl mit einem gefälschten Pass nach Portugal. Dort wird sie laut ihren Schilderungen von der Polizei gestoppt, verhört und in einem Hotel einquartiert.

Sie entkommt und flüchtet schliesslich in die Schweiz. «Er wird mich finden», sagt sie nach ihrer Ankunft im BAZ im Frühling 2021. Sie erzählt den Betreuerinnen auch von einem zweiten Mann. Er komme sie nach drei Tagen im Hotel abholen, habe ihr Zuhälter ihr in Portugal gedroht. Auch vor ihm fürchtet sich Linou in der Schweiz.

Im BAZ ist man alarmiert. Und auch die Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) ist überzeugt: Bei Linou handelt es sich um ein Opfer von Menschenhandel. «Wir waren sehr beunruhigt, als wir ihre Geschichte hörten», sagt Géraldine Merz, Projektleiterin Menschenhandel und Asyl bei der FIZ. «Wir schätzten sie als höchst gefährdet ein.»

Wieso Linou an jenem Tag das BAZ ohne Begleitperson verliess, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Entweder sei die sogenannte Ausgangssperre abgelaufen und im System nicht nachgetragen worden, sagen ihre Betreuerinnen. Oder aber der Mitarbeiter an der Loge habe die Ausgangssperre übersehen. Beides menschliche Fehler also. Einem anderen Jugendlichen sagte Linou beim Ausgang offenbar noch, sie wolle nur kurz einkaufen gehen. Dachte sie, dafür brauche sie für einmal keine Begleitperson? Wartete jemand ausserhalb des BAZ auf sie? War sie verabredet?  Fing sie jemand ab? Und dann?

Bis heute sind viele Fragen offen.

Den beiden BAZ-Betreuerinnen fällt es schwer, über die Tage nach Linous Verschwinden zu sprechen. Auch mehr als zwei Jahre danach. Sie machen sich Vorwürfe, dass sie bei der Polizei nicht vehementer aufgetreten sind. Nach der Vermisstenmeldung sei nichts passiert, sagen sie. Gleichzeitig wissen sie: Es passiert nie viel, wenn ein Flüchtlingskind verschwindet. Denn: Es tauchen ja so viele ab. Und vielleicht taucht das Kind ja wieder auf?

Géraldine Merz von der FIZ sagt: «Kein Vergleich zu dem, was passieren würde, wenn ein Schweizer Kind verschwindet.»

Die Betreuerinnen machen aber auch dem SEM Vorwürfe. Sie hätten sich in ihrer Sorge um Linou zu wenig unterstützt gefühlt. Vor und nach ihrem Verschwinden. Auch wegen des Vorfalls arbeiten die Betreuerinnen nicht mehr im BAZ, eine der beiden hat den Asylbereich sogar ganz verlassen. Die andere sagt: «Ich schlug damals vor, Linou in einem Frauenhaus unterzubringen. Doch das SEM lehnte ab. Es hiess, man müsse erst abklären, ob ihre Geschichte stimme und sie wirklich so gefährdet sei.»

SEM schätzte sie 5 Jahre älter ein

Die Personen, die am häufigsten mit Linou in Kontakt waren – die Betreuerinnen im BAZ sowie die FIZ – schätzen ihr damaliges Alter auf «allerhöchstens 16 Jahre». Sie habe sehr jung gewirkt. Das SEM hingegen setzte Linous Alter wenige Tage vor ihrem Verschwinden aufgrund eines Gutachtens auf 21 Jahre fest – womit sie den Anspruch auf besonderen Schutz verlor. Diese Altersgutachten, basierend auf medizinischen Verfahren wie Röntgen der Handknochen, des Schlüsselbeins und der Zähne oder zuweilen der Untersuchung der Genitalien, sind sowohl wissenschaftlich als auch ethisch höchst umstritten.

«Die Methoden zur Altersbestimmung sind sehr ungenau», sagt etwa Fabienne Jäger, Kinderärztin und Präsidentin der Referenzgruppe Migration bei der Fachgesellschaft Pädiatrie Schweiz. «Sie geben immer nur eine Bandbreite eines möglichen Alters an, keinen exakten Wert, und sie sind fehleranfällig. Das birgt die Gefahr, dass minderjährige Asylsuchende fälschlicherweise zu Erwachsenen gemacht werden und so die Unterstützung und Betreuung verlieren, auf die sie Anspruch hätten.» Weiter problematisch sei, dass die Altersbestimmung nicht immer den ethnischen Unterschieden Rechnung trage. Pädiatrie Schweiz fordert, dass das SEM – wenn Gutachten unumgänglich sind – jeweils das tiefstmögliche Alter berücksichtigt, sprich: im Zweifel immer zugunsten des Kindes entscheidet.

Das SEM äussert sich aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes nicht zu Linous Fall. Allgemein sei wichtig, zu betonen, dass es nicht möglich sei, allein aufgrund der Ergebnisse der medizinischen Gutachten Schlussfolgerungen darüber zu ziehen, ob eine Person tatsächlich minderjährig sei oder nicht. «Vielmehr ist das Gutachten ein Indiz unter vielen, das mit den anderen Elementen in der Akte zu gewichten ist», sagt Sprecher Samuel Wyss. Angeordnet werde es nur, wenn Zweifel an der Minderjährigkeit bestehe sowie ein beweiskräftiges Identitätsdokument fehle.

Über die Gründe des Verschwindens und den Verbleib der Kinder und Jugendlichen ist generell sehr wenig bekannt. Statistiken gibt es in der Schweiz nicht. Ein Zeichen dafür, dass man sich eben nicht für sie interessiere, sagt Andrea Hartmann. In einer der wenigen Forschungsarbeiten nennt die Sozialarbeiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) den Asylentscheid und die damit verbundene Perspektivenlosigkeit als zentrale Ursache für das Untertauchen. Dies könne entweder ein negativer Entscheid mit drohender Wegweisung oder aber ein nicht zufriedenstellender Entscheid wie zum Beispiel die vorläufige Aufnahme statt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft sein. Häufig kündige sich das Verschwinden vorgängig an.

Andere Gründe sind laut der Wissenschaftlerin psychische Belastungen, so etwa die fehlende Anerkennung des Erlebten durch die Behörden oder der psychische Druck, die Erwartungen der Familie nicht erfüllen zu können.

Géraldine Merz von der FIZ sieht es ähnlich: «Seitens Behörden heisst es stets, der grösste Teil der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden tauchten freiwillig unter. Aber was genau bedeutet ‹freiwillig›, wenn man keine andere Wahl zu haben glaubt?»

Und Linou? «Ihre Erzählungen haben sich richtig eingebrannt bei mir», sagt eine ihrer ehemaligen Betreuerinnen. «Klar, ich habe viele Jugendliche verschwinden sehen, und klar, ist es theoretisch möglich, dass sie freiwillig abtauchte. Sie war ein Teenager. Gleichzeitig bin ich mir ziemlich sicher, dass sie die Wahrheit sagte, als sie über ihre Vergangenheit in Afrika sprach. Diese immerwährende Angst kann man nicht spielen.»

Die zweite Betreuerin erinnert sich an den Inhalt von Linous Rucksack, als sie in der Schweiz ankam: «Uns fiel auf, dass sie einen Berg an Reizwäsche dabei hatte. Vielleicht klingt es blöd, aber braucht man diese wirklich auf der Flucht? Es war für uns ein weiteres Indiz, dass sie sich prostituieren musste.»

Die Vorstellung, dass Linou erneut Opfer von Menschenhandel geworden ist: unerträglich für alle Involvierten.



Rüge für die Schweiz

Die Expertengruppe des Europarates zur Bekämpfung des Menschenhandels (Greta) evaluiert alle vier Jahre die Umsetzung der Europaratskonvention gegen Menschenhandel in der Schweiz. Der letzte Greta-Bericht von 2019 rügte die Schweiz bezüglich der Behandlung von minderjährigen Opfern von Menschenhandel und enthielt zahlreiche Empfehlungen hinsichtlich Sensibilisierung, Identifizierung und Unterbringung. Die Situation sei «äusserst besorgniserregend».

Im April dieses Jahres hat die Plateforme Traite – ein schweizweites Netzwerk von nicht staatlichen Organisationen, die Betroffene von Menschenhandel unterstützen – einen Bericht für Greta verfasst. Darin heisst es, man beobachte regelmässig Situationen, in denen die Rechte von minderjährigen Opfern von Menschenhandel nicht respektiert würden. «Auf verschiedenen Ebenen besonders alarmierend» sei die Situation unbegleiteter Minderjähriger im Asylverfahren. Ihre Betreuung in den Asylzentren des Bundes sei ungenügend, und in vielen Fällen werde die Annahme der Minderjährigkeit von den Migrationsbehörden nicht angewendet. Wenn Minderjährige als volljährig qualifiziert würden, bestehe das zusätzliche Risiko, dass sie unter das Dublin-Abkommen fielen und damit leichter weggewiesen werden könnten. (sir)
(https://www.derbund.ch/verschwundene-fluechtlingskinder-in-der-schweiz-linou-war-gefaehrdet-und-dann-ploetzlich-weg-438932093056)



derbund.ch 16.09.2023

Aus Afghanistan geflüchtet: Am traurigsten wird Hassan (17), wenn er Schweizer Familien zusammen am See sieht

Hassan ist einer von Tausenden minderjährigen Afghanen, die sich alleine auf die Flucht machen und in der Schweiz Schutz suchen. Das ist seine Geschichte.

Lukas Lippert, Anielle Peterhans, Mathias Lutz

Der 17-jährige Hassan berührt sein Tattoo am linken Unterarm. Streicht immer wieder darüber. Es zeigt die Linie eines Pulsschlags, die sich in einem Herz verläuft. Und es überdeckt eine Stelle, wo er sich selbst verletzt hat. In verzweifelten Momenten. «Manchmal kann ich mit meiner Trauer nicht umgehen, muss sie spüren», erklärt der Jugendliche die feinen Narben unter dem Tattoo. Der Afghane trägt in Wirklichkeit einen anderen Namen.

Was Hassan zu erzählen hat, ist schwer anzuhören. So schwer, dass die Übersetzerin neben ihm im Büro der Redaktion manchmal mit Tränen kämpft, bevor sie seine Worte von Farsi ins Deutsche wiedergibt. Er fühle sich oft allein, vermisse seine Mutter.

Hassan, die Haare oben länger, die Seiten kürzer, mit Goldkette am Hals und Smartwatch am Handgelenk, wirkt trendig. Doch seine jugendlichen Gesichtszüge passen nicht zur Ernsthaftigkeit, mit der er seine Geschichte erzählt. Die Taliban hätten seinen Vater  umgebracht. Den Kontakt zu seiner Mutter habe er während der Flucht verloren. Sein Geburtsdatum – den 2. Mai 2006 – hätten ihm die Schweizer Behörden auf seinen Ausländerausweis gedruckt. Ob es stimme, wisse er nicht. In Afghanistan interessiere man sich nicht für Geburtstage.

1 von 10 Flüchtlingen ist minderjährig

Nicht alle von Hassans Aussagen lassen sich überprüfen. Doch er widerspricht sich im mehrstündigen Gespräch und auch bei späteren Treffen nicht. Er korrigiert die Übersetzerin, wenn sie etwas falsch verstanden hat – «na», auf Farsi Nein, sagt er dann. Oder «are», Ja, wenn es stimmt. Seine Angaben haben wir zudem mit Fachleuten, einem seiner Fluchthelfer und Angaben des Suchdienstes des Schweizerischen Roten Kreuzes verglichen.

Hassans Erzählung ist nicht aussergewöhnlich: Er ist einer von 24’500 Menschen, die letztes Jahr ein Asylgesuch in der Schweiz stellten. Ukrainerinnen und Ukrainer sind dabei nicht mitgezählt. Besonders stark angestiegen ist die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden, den sogenannten UMAs. Von 535 Asylgesuchen im Jahr 2020 auf 2450 zwei Jahre später. Heute ist jeder zehnte Flüchtling in der Schweiz unter 18 Jahre alt. Ein historischer Rekord. Über 80 Prozent sind männlich und stammen aus Afghanistan, wie Hassan.

Mit ihnen wird Politik gemacht. Rechts fordert, dass junge Männer wie er, die ihre Identität nicht nachweisen können, an den Grenzen zurückgewiesen werden. Links will möglichst offene Grenzen. Die Parteiparolen verbessern jedoch nichts am Schicksal des 17-Jährigen. Fakt ist: Die meisten jugendlichen Afghanen werden die Schweiz nie mehr verlassen, hier eine Ausbildung absolvieren, eine Familie gründen.

Wer also sind sie? Was haben sie auf ihrer Flucht erlebt? Wieso haben sie sich genau die Schweiz als neue Heimat ausgesucht?

Hassans Flucht beginnt laut seinen Erzählungen im Sommer 2021, als er ungefähr 15 Jahre alt ist. An jenem folgenschweren Sonntag, dem 15. August, an dem die Taliban die Macht in Afghanistan an sich reissen. Als Tausende verzweifelt an den Flughafen in Kabul strömen, um irgendwie eine der letzten Maschinen in die Freiheit zu erwischen, waren auch er und seine Familie dabei.

– Kundus, Afghanistan-

«Vor diesem Datum war unser Leben gut», sagt Hassan. Sein Vater arbeitete für die Regierung. Er selber sei zur Schule gegangen, vielleicht drei oder vier Jahre – «es war eben alles gut», sagt Hassan erneut. Er erzählt nur das Nötigste. Wie er mit seinen zwei jüngeren Brüdern, einer kleineren Schwester und seinen Eltern in einem Haus in Kundus wohnte. Einer Stadt im Nordosten Afghanistans, nahe der tadschikischen Grenze, 250 Kilometer von Kabul.

Und dann kamen die Taliban.

Es folgte die «tödlichste Periode in zwei Jahrzehnten Krieg», schrieb die amerikanische Zeitung «The Washington Post» später über die Monate vor und während der Machtübernahme. In Kundus seien unzählige Leichen afghanischer Soldaten einfach an den Strassenrändern gelegen.

Hassans Familie – seine Eltern mit seinen beiden jüngeren Brüdern und seiner Schwester – versucht nach Kabul zu flüchten. «Wir fuhren im Auto, hatten alle Papiere meines Papas bei uns und dachten, die können wir am Flughafen zeigen und nach Amerika fliegen. Die Amerikaner wollten ja Regierungsmitarbeiter, wie meinen Vater, ausfliegen und aufnehmen.»

Auf halber Strecke sei ihr Auto jedoch von bewaffneten Männern angehalten worden. Seinen Vater hätten sie mitgenommen, sagt Hassan. «Wir versteckten uns fünf Tage, hatten grosse Angst. Und dann erfuhren wir, dass mein Papa tot ist.»

Trotz Trauer und Schock blieb ihnen nichts anderes, als erneut einen Fluchtversuch zu wagen. Doch am Flughafen in Kabul habe ein riesiges Chaos geherrscht, so viele Menschen, erzählt Hassan. Man habe sich kaum fortbewegen können, ein unfassbares Gedränge. «Ich ging voraus, die anderen waren dicht hinter mir – bis ich plötzlich merkte, dass sie nicht mehr da sind.»

Vergeblich sucht Hassan nach seiner Mutter und seinen Geschwistern. Drei Tage lang. Dann nimmt er das Taxi zurück nach Kundus. Und trifft dort auf seine Freunde, die ihm erzählt haben sollen, dass sie in den Iran gehen. «Ich wollte nicht weg. Aber was hätte ich machen sollen, so ganz allein?»

Zu diesem Zeitpunkt weiss Hassan nicht, ob seine Familie überhaupt noch lebt.

Christoph Braunschweig vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) sagt im Gespräch, die Erzählungen von Hassan seien glaubwürdig. Dass Familien auf der Flucht auseinandergerissen werden, beobachten sie täglich. Die Organisation hilft bei der Suche nach vermissten Angehörigen. In den letzten zwölf Monaten seien die Anfragen stark angestiegen, sagt Braunschweig, der im Suchdienst-Team arbeitet. «Wir sind völlig überlastet.»

Doch zuerst zurück zu Hassans Flucht aus Afghanistan.

Gemeinsam mit seinen Freunden flüchtet er Ende August 2021 mit einem Jeep zuerst in Richtung Südwesten, einer Gegend voller Wüsten und ausgetrockneten Seen. «Wir waren etwa zehn Personen, alle sassen hinten auf der Ladefläche des Pick-ups, über uns war eine Plane.» So seien sie drei bis vier Tage unterwegs gewesen, sagt Hassan, bis sie Teheran erreichten.

– Teheran, Iran-

In der iranischen Hauptstadt lebt der 17-Jährige rund drei Monate. Er arbeitet auf einem Gemüse- und Gewürzmarkt, wo er auch schlafen kann. Verdient habe er in dieser Zeit umgerechnet etwa 60 Franken.

Nach Schätzungen der UNO leben im Iran mindestens 3,5 Millionen Afghaninnen und Afghanen, die Mehrheit ohne Papiere. Als Hassan und seine Freunde genügend Geld beisammen hatten, versuchten sie weiter in die Türkei zu gelangen. Wieder mit einem bezahlten Schlepper, der kein einziges Wort mit ihnen sprach. Woher sie ihn kannten, wer ihn organisiert hat, wisse er nicht, sagt Hassan. «Wir waren eigentlich immer im Auto, manchmal mussten wir auch zwei, drei Stunden zu Fuss gehen.»

Ihre Reise endet in Gebze, einem von Industrie geprägten Aussenquartier von Istanbul. Von seiner Mutter und seinen Geschwistern fehlt nach wie vor jede Spur.

– Gebze, Türkei-

Dass Hassans Flucht aus dem Iran in die Türkei ohne Zwischenfälle verlief, sei nicht selbstverständlich, sagt Samim Ahmadi, der beim International Centre for Migration Policy Development (ICMPD) arbeitet. Es berät Regierungen bei Massnahmen für eine reguläre Migration. Ahmadi ist zuständig für das Afghanistan-Dossier. Bis zur Machtergreifung der Taliban lebte der gebürtige Afghane in Kabul und leitete dort das ICMPD-Beratungszentrum.

Nichtregierungsorganisationen berichten immer wieder über massive Gewalt türkischer Grenzwächter. Analog zur Grenze zwischen den USA und Mexiko wurde auch hier eine 20 Kilometer lange Mauer gebaut, um die illegale Migration besser in den Griff zu bekommen und Flüchtlinge abzuschrecken. «Auch innerhalb der Türkei ist es für Flüchtende schwierig geworden», sagt Ahmadi. Hassans Fluchtroute und seine Erzählungen von den Verhältnissen vor Ort seien plausibel.

In Gebze arbeitet und schläft Hassan in einer Käsefabrik. Er erinnert sich weder an den Namen, noch an den genauen Standort. Der Wahrheitsgehalt lässt sich also nicht überprüfen. Hassan sagt, er habe in der Tiefkühlabteilung abgepackten Käse auf Paletten gehievt. «Es gelang mir fast immer, mich vor Polizeikontrollen zu verstecken. Einmal liessen sie mich gehen – wohl weil ich so jung war.»

Christoph Braunschweig vom Suchdienst des Roten Kreuzes erlebt immer wieder, dass sich Jugendliche im Nachhinein nicht an die Details ihrer Flucht erinnern können. Das bedeute aber nicht, dass sie lügten, sagt der Experte. «Das Gedächtnis von Minderjährigen nimmt schnell ab. Sie erinnern sich nur noch an die wichtigsten Brocken und dokumentieren nichts. Zudem können sich die meisten auch erst in Europa ein Handy kaufen.»

Hassan bleibt seinen Erzählungen zufolge etwa ein halbes Jahr in Gebze. Er kauft sich ein Handy, zum ersten Mal in seinem Leben. Und richtet sich sogleich ein Facebook-Profil ein, um seine Familie zu suchen. Ohne Erfolg. «In Afghanistan funktioniert das Internet selten», erklärt Hassan.

Eines Tages habe ihn aber ein Freund seines verstorbenen Vaters über Facebook kontaktiert. Er soll ihm gesagt haben, dass er unbedingt weiterreisen solle: «Er meinte, ich hätte als Minderjähriger in der Türkei keine Chance, könne mich nicht weiterentwickeln. In der Schweiz, da könne ich in die Schule, da würden sie für mich sorgen.»

Wir kontaktieren den Freund von Hassans Vater – per Telefon. Nach eigenen Angaben lebt er seit 13 Jahren in Schweden. Hassans Vater kenne er sehr gut von früher, von der gemeinsamen Zeit in Kundus. Als er vom Tod von Hassans Vater erfahren habe, habe er die Familie gesucht und Hassan über Facebook gefunden. Und ihm geholfen, weiterzureisen. Bis in die Schweiz.

Die Schlepper aber habe nicht er, sondern sein Bruder organisiert. Er habe nur dafür bezahlt. Er spricht von 4000 Dollar für die ganze Reise von der Türkei bis nach Zentraleuropa. Gemäss Fachleuten ein plausibler Betrag.

Hassan reist allein weiter. «Meine Freunde zu verlassen, war sehr schwer für mich», sagt er. Er habe auf Druck seines einzigen Bekannten jedoch das Taxi nach Istanbul genommen und den Schlepper getroffen. Hassan schläft eine Nacht bei ihm. Dann kommen immer mehr junge Männer dazu. «Am Ende waren wir etwa 13 oder 14 Leute. Die meisten waren um die 20 Jahre alt.»

Ihr Ziel: von der Türkei nach Bulgarien, dann weiter nach Westeuropa. Der Schlepper aus Istanbul habe sie an die EU-Aussengrenze gefahren, sagt Hassan. Wieder spricht er kein Wort. «Ich weiss nicht, ob er Bulgare, Türke, oder Afghane war.»

Aber er könne sich noch gut an den Stacheldraht erinnern, an die Zange, die der Schlepper bei sich hatte. Und an die zwei Tage, die sie entweder in der Nacht ausharren oder im Wald marschieren mussten, bis der Schlepper das Gefühl hatte, jetzt sei es sicher. In Bulgarien habe ein neuer Schlepper gewartet, inklusive neuem Auto, sagt Hassan.

Einen Tag später erreichen sie die Hauptstadt Sofia.

-Sofia, Bulgarien-

Gemäss Frontex versuchten im Juli dieses Jahres mehr als 40’000 Menschen die Grenzen nach Europa zu überwinden. Zuletzt sei diese Zahl 2016 so hoch gewesen. «Wegen der Berichte über Pushbacks der griechischen Behörden und die gesunkenen Schiffe auf dem Meer zwischen der Türkei und Griechenland ist die Bulgarien-Route beliebter geworden», sagt Migrationsexperte Samim Ahmadi.

Unter den Tausenden Flüchtlingen, die auf diesem Weg nach Europa kommen, machen die Kinder, viele unbegleitet, ein Drittel aus. Nach Angaben der Organisation «Save the Children» erleben die meisten Minderjährigen auf der Flucht verschiedene Formen von Gewalt. Auch soll es viele Fälle von Selbstverletzungen bis hin zu versuchten Suiziden geben.

Auch für Hassan wird die Route gefährlicher, je näher er an die Grenze Europas kommt. Er spricht von viel Gewalt, die er gesehen, aber nicht direkt erlebt habe. «Wenn sich jemand gewehrt hat und bereits 20, vielleicht 21 Jahre alt war, wurde er grob behandelt – angeschrien und geschlagen.» Nicht von der Polizei, sondern von Schleppern, wenn sie Streit bekommen hätten. «Ich habe deshalb immer das getan, was Schlepper von mir verlangt haben.»

Nach wenigen Stunden in Sofia spürt ihn die Polizei auf, nimmt seinen Fingerabdruck und seinen Rucksack und steckt den Minderjährigen ins Gefängnis.

«Waren Sie schon mal?», fragt Hassan. «Das Essen: so schlimm. Die Betten: ganz okay. Aber ich durfte nichts tun, keine frische Luft schnappen, duschen nur einmal in der Woche. Wenn wir etwas gefragt haben, schrien die Wärter rum.»

Nach einem Monat lassen ihn die bulgarischen Behörden gehen – «einfach so», sagt Hassan. «Sie haben mich nur gefragt, ob ich bleiben will. Dann sagte ich: Nein, ich will in die Schweiz. Und ich konnte gehen.»

Hassan bleibt wenige Tage in Sofia. Dann ruft er den Freund seines Vaters an. Es folgt ein neuer Schlepper, ein neues Auto ohne Fenster – «aber die Fahrt nach Serbien war nicht so weit», sagt er. «Keine Polizeikontrolle.»

– Belgrad, Sebien –

Hassan bleibt etwa eine Woche in Belgrad. Die afghanischen Jungs werden sofort erkannt. Er schläft in einem Flüchtlingscamp, wo er ein- und ausgehen kann. Dann reist er mit Schleppern weiter über Ungarn bis nach Wien, wo er wieder in einem Camp unterkommt. «Ich fragte ein paar andere Flüchtlinge, ob sie wissen, wie weit die Schweiz noch sei, wo der Bahnhof sei und wie ich dahin komme», sagt Hassan.

Nach zehn Tagen geht er zum Bahnhof und steigt einfach in den Zug nach Zürich ein – ohne Ticket. Die Kontrolleure sind gnädig. Erst in Buchs, dem Grenzort im St. Galler Rheintal, wo die meisten Flüchtlinge ankommen, holen ihn Schweizer Polizisten raus.

Das war vor über einem Jahr, Ende Mai 2022.

-Schweiz-

Über seine ersten Wochen in der Schweiz, seinen Aufenthalt im Bundesasylzentrum in Boudry, Neuenburg, erzählt Hassan heute kaum etwas. Er will, so scheint es, nichts an der Schweiz kritisieren. (Lesen Sie das Interview mit dem Chef der eidgenössischen Migrationskommission: «Wir werden uns für unseren Umgang mit Kindern im Asylbereich entschuldigen»)

Er sei froh, hier zu sein. Er sagt nur immer wieder, dass er sich alleine fühle, ständig traurig. Seine Mutter vermisse. Da hatte er seit fast einem Jahr keinen Kontakt mehr zu ihr.

Berichte zeigen, wie prekär die Verhältnisse in Bundesasylzentren aufgrund der historisch hohen Zahl von Asylsuchenden sind, besonders für Minderjährige.

Auch Christoph Braunschweig vom Suchdienst des Roten Kreuzes erzählt von beengten Verhältnissen, fehlenden Fachpersonen für die Betreuung und zu langen Aufenthaltszeiten in den Bundesasylzentren. Das könne die Kinder und Jugendlichen erneut traumatisieren. «So wird es schwieriger, anzukommen, Beziehungen aufzubauen, die sie dringend brauchen in diesem Alter. Wir müssen uns als Gesellschaft fragen, ob wir dieser vulnerablen Kindergruppe genügend Rechnung tragen.»

Braunschweig schätzt, dass die Asylgesuche von jungen Afghanen in den nächsten Monaten weiter zunehmen werden. Einige, die Braunschweig sieht, verletzen sich selbst, weil sie dermassen belastet sind. Wie Hassan. Dieser sagt, was er erlebt habe, sei «irgendwie in ihm drin». Doch den grössten Schmerz verspüre er erst heute. «Wenn ich Schweizer Familien sehe, die am See spazieren gehen und zusammen sein können.»

Als Hassan im September 2022 in eine Unterkunft im Kanton Zürich kommt, erhält er erstmals die Aussicht auf Hilfe bei der Suche nach seiner Mutter. Seine Beiständin meldet sich beim Suchdienst des SRK.

Doch seinen Ersttermin bekommt er erst Monate später. Christoph Braunschweig erklärt: Über 100 Jugendliche, unbegleitete minderjährige Asylsuchende, würden gegenwärtig auf einen Ersttermin warten, vor allem Afghanen. «Momentan haben wir 700 bis 800 offene Suchen, so viele wie noch nie.» Viele Suchanfragen hätten erst vor einigen Wochen angefangen, einige dauern seit über zehn Jahren.

Und die Mutter?

Im März 2023 wird schliesslich ein Foto von Hassan auf der Onlineplattform «Trace the Face» publiziert. Die Website des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds hilft Geflüchteten, ihre Familie zu finden. Sie ermutigen Hassan auch, seine eigenen Netzwerke für die Suche zu nutzen.

Zudem wird Hassans Suchanfrage an verschiedene IKRK-Delegationen in den Nachbarländern versandt. Ausser nach Afghanistan. Bei der Talibanregierung besteht ein Risiko, dass die Daten und Namen zum Nachteil der Geflüchteten verwendet werden.

Nochmals mehrere Monate später erfährt Hassan, dass seine Mutter lebt. Durch einen Bekannten im Iran hört er, dass seine Mutter mit seinen Geschwistern damals nach Pakistan geflüchtet war. Ungefähr ein halbes Jahr später seien sie wieder nach Kundus in Afghanistan zurückgekehrt. Und das Wichtigste: Er kann Hassan die Kontaktdaten seiner Mutter weitergeben.

Im Juli dieses Jahres hört Hassan endlich die Stimme seiner Mutter am Telefon wieder – fast zwei Jahre nach der Trennung am Kabuler Flughafen.



Eine Betreuungsperson für 100 Jugendliche

Erst kürzlich kritisierte die Nationale Kommission zur Verhütung von Folter (NKVF) die ungenügende Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden. Das Betreuungspersonal soll sich um 70 bis 100 Jugendliche gleichzeitig kümmern müssen. In den Zentren werde das «übergeordnete Kindesinteresse» verletzt. Das hängt auch mit dem Fachkräftemangel zusammen. Der Bericht der NKVF reiht sich in eine lange Vorgeschichte ein. Kein Land hat derzeit mehr hängige Verfahren beim UNO-Kinderrechtsausschuss als die Schweiz. Schon mehrfach wurde sie für ihren Umgang mit Kindern und Jugendlichen im Asylverfahren gerügt. (anp, lil)
(https://www.derbund.ch/aus-afghanistan-gefluechtet-am-traurigsten-wird-hassan-17-wenn-er-schweizer-familien-am-see-sieht-628114488604)


+++DEUTSCHLAND
Migranten aus Italien – Verwirrung um Flüchtlings-Aussage der deutschen Innenministern
Vorerst werden doch keine weiteren Migranten aus Italien über den freiwilligen Solidaritätsmechanismus aufgenommen.
https://www.srf.ch/news/international/migranten-aus-italien-verwirrung-um-fluechtlings-aussage-der-deutschen-innenministern
-> https://www.deutschlandfunk.de/deutschland-nimmt-vorerst-doch-keine-weiteren-fluechtlinge-aus-italien-auf-102.html
-> https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/faeser-meloni-migranten-italien-lampedusa-100.html


+++ITALIEN
Von der Leyen reist nach Lampedusa – Meloni fordert Stopp von Migrantenbooten
Mehrere Tausend Bootsmigranten kamen diese Woche auf der italienischen Insel Lampedusa an. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reist deshalb noch am Samstag zur Destination.
https://www.watson.ch/international/italien/145694899-von-der-leyen-reist-nach-lampedusa-meloni-fordert-eu-mission
-> https://www.nau.ch/politik/international/italiens-regierungschefin-ladt-von-der-leyen-nach-lampedusa-ein-66602061
-> https://www.blick.ch/ausland/8000-fluechtlinge-seit-montag-lampedusa-am-limit-id18948339.html
-> https://www.tagesanzeiger.ch/lampedusa-fluechtlinge-ansturm-analyse-europa-619816572065
-> https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/lampedusa-meloni-pocht-auf-schnellen-einsatz-der-eu,Tq0P5OP
-> https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2023-09/italien-lampedusa-600-gefluechtete-boote-von-der-leyen
-> https://www.spiegel.de/ausland/fluechtlinge-auf-lampedusa-lager-ist-masslos-ueberfuellt-a-6472bf56-2a1b-47ca-9395-7be9049748e3?
-> https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/hunderte-fluechtende-erreichen-erneut-lampedusa?urn=urn:srf:video:843280b1-a3ff-4a22-964b-cc3535a6a03b
-> https://www.derbund.ch/migration-uebers-mittelmeer-erneut-erreichen-hunderte-migranten-lampedusa-neugeborenes-stirbt-auf-boot-316388975312
-> https://www.20min.ch/story/lampedusa-ich-hoerte-leute-schreien-und-sehe-viel-leid-962006650610?version=1694893590717&utm_source=twitter&utm_medium=social


Marquardt (Grüne): „Italien hat weniger Menschen aufgenommen als es müsste“
Italien fordert EU-Hilfen und Blockaden für Flüchtlinge, die über das Mittelmeer kommen. Der grüne Europapolitiker Erik Marquardt kritisiert diese Haltung. Denn Italien habe viel weniger Migranten aufgenommen als es nach EU-Verteilschlüssel müsste.
https://www.deutschlandfunk.de/lampedusa-und-immer-mehr-fluechtlinge-int-erik-marquardt-mdep-die-gruenen-dlf-d5b0cbb3-100.html


+++TUNESIEN
Tunesien nimmt zahlreiche Migranten und Schlepper fest
Um die Flucht nach Italien zu unterbinden, sind tunesische Behörden gegen Geflüchtete und Schlepper vorgegangen. Es soll zahlreiche Razzien gegeben haben.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2023-09/migration-tunesien-razzia-schlepper-fluechtlinge


+++GASSE
Peter T. raucht mehrmals pro Monat im Stadtgarten Chur Freebase: «Nach dem ersten High gleich nochmals eines – das ist das Böse an dieser Droge»
Von Genf bis nach Chur sind sie wieder auf dem Vormarsch: offene Drogenszenen. Im Stadtgarten Chur GR wird vor allem das zu Freebase verarbeitete Kokain sichtbar gedealt und konsumiert. Blick hat mit den Konsumenten gesprochen.
https://www.blick.ch/schweiz/graubuenden/peter-t-raucht-mehrmals-pro-monat-im-stadtgarten-chur-freebase-nach-dem-ersten-high-gleich-nochmals-eines-das-ist-das-boese-an-dieser-droge-id18945941.html


Neue offene Drogenszenen: «Konsumenten brauchen geschützte Räume mit adäquater Betreuung»
Thilo Beck ist Psychiater und Co-Chefarzt des Arud Zentrum für Suchtmedizin in Zürich. Er plädiert für zusätzliche Konsumräume, um den wachsenden offenen Drogenszenen der Schweiz zu begegnen.
https://www.blick.ch/news/neue-offene-drogenszenen-konsumenten-brauchen-geschuetzte-raeume-mit-adaequater-betreuung-id18946617.html



blick.ch 16.09.2023

Suchtpotenzial, Wirkung, Geschichte: Das Wichtigste zur Elendsdroge Crack

Der Konsum ist kinderleicht, der Rausch kurz, die Lust nach mehr riesig. Das sind nur einige der vielen Gründe, warum Crack sich in Schweizer Städten verbreitet. Das musst du darüber wissen.

Jonas Dreyfus

 In Zürich hat sich in der Bäckeranlage mitten in der Stadt eine offene Drogenszene gebildet, deren Angehörige die Droge Crack konsumieren. Bis jetzt ist die Situation relativ überblickbar, doch Ängste vor einer Platzspitz-ähnlichen Situation werden wach, zumal Behörden in Städten wie Lausanne, Genf oder Basel eine ähnliche Entwicklung beobachten. Viele Bewohner von deutschen und französischen Städten sind schon stark von den Auswirkungen des Crack-Konsums betroffen. Es ist an der Zeit, dass auch jeder Nichtsüchtige weiss, worum es bei dieser rauchbaren Sonderform von Kokain geht.

Woraus besteht die Droge?

Crack ist Kokainpulver, das mit Wasser befeuchtet und mit Backpulver aufgekocht wird. Dadurch entstehen Kristalle, die sich zu weissen Steinen zusammensetzten. Konsumenten legen sie auf eine Alufolie oder in eine Glaspfeife und erhitzen sie mithilfe eines Feuerzeugs. Dadurch verbrennen die Kokain-Kristalle. Die sogenannte freie Base, die dabei entsteht, wird eingeatmet. Beim Verbrennen entsteht ein Geräusch in Form eines Knisterns. Knistern heisst auf Englisch Crack. So kam die Droge zu ihrem Namen.

Wie wirkt Crack?

Crack wirkt vielfach stärker und schneller als Kokain mit all seinen aufputschenden, selbstbewusst machenden Eigenschaften. Die Moleküle gelangen innerhalb von Sekunden via Lunge und Blutbahn ins Gehirn. Der Rausch hält 5 bis 15 Minuten an und endet in einem starken Gefühl von Leere, Traurigkeit und Angst. Das führt dazu, dass Konsumenten so schnell wie möglich die Euphorie zurückhaben wollen und so lange am Stück konsumieren wie möglich. «Oft zehn Steine oder mehr hintereinander», sagt Suchtexperte Philip Bruggmann, Chefarzt am Zentrum für Suchtmedizin Arud in Zürich. Ein Crackstein, der für eine Inhalation reicht, kostet in Schweizer Städten 10 Franken. Dealer haben grosse Mengen davon auf Vorrat und verkaufen die Kristalle in Päckchen, deren Inhalt sich sofort konsumieren lässt.

Warum ist Crack wieder in Mode?

Die Droge gelangte in den 80er- und 90er-Jahren zu zweifelhafter Berühmtheit, als sie in den USA im Laufe der sogenannten Crack-Epidemie Hunderttausende Todesopfer forderte und ganze Quartiere ins Elend zog. Warum sich das Kokain in hochpotenter Form seit einiger Zeit plötzlich wieder in europäischen Städten inklusive Lausanne und Zürich verbreitet – diese Frage ist gemäss Suchtexperte Bruggmann schwer zu beantworten. Sicher sei, dass sich der Verkauf einer Droge, die so kurz wirke und so schnell süchtig mache wie Crack, lohne.

Was ist der Unterschied zu Freebase?

Auch Freebase ist chemisch verarbeitetes Kokain. Es entsteht, wenn Kokainpulver mit Ammoniak aufgekocht wird. Der Vorgang entfernt Streckstoffe – das Endprodukt ist reiner als Crack. Weil Freebase nur kurz haltbar ist, wird es nicht auf der Strasse verkauft, sondern von Konsumenten in Eigenregie hergestellt. Dabei entstehen explosive und giftige Dämpfe. Trotz der Gefahren, die mit der Herstellung einhergehen, sei das sogenannte «basen» in Zürich unter Süchtigen seit langem stark verbreitet, sagt Bruggmann. Die Wirkung ist fast identisch mit derjenigen von Crack. «Viele Freebaser sind in letzter Zeit auf Crack umgestiegen, weil sie davon mehr in kürzerer Zeit konsumieren können.»

Wie schädlich ist Crack für den Körper?

Die Temperatur des Rauchs und der Stoff selbst schaden den Bronchien und der Lunge. Ansonsten sind die Auswirkungen des Crackkonsums auf den Körper dieselben wie die des Schnupfens von pulverförmigem Kokains. Sie treten allerdings schneller und in stärkerem Ausmass ein. Die Droge stört die Durchblutung und steigert das Risiko eines Hirnschlags oder Herzinfarktes enorm. Auch tödliche Herzrhythmusstörungen und Überhitzung des Körpers sind unmittelbare Gefahren.



Spezialist für die körperlichen Folgen von Sucht

Philip Bruggmann (52) ist Co-Chefarzt des Zentrums für Suchtmedizin Arud. Es gehört zu den führenden suchtmedizinischen Institutionen der Schweiz und beschäftigt beim Hauptbahnhof Zürich rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bruggmann hat sich als Facharzt für Allgemeine Innere Medizin auf die körperlichen Folgen von Sucht und deren Behandlung spezialisiert. Er ist zudem Präsident von Hepatitis Schweiz und Mitglied des Forscherteams des Instituts für Hausarztmedizin der Universität Zürich.
(https://www.blick.ch/life/ratgeber/immenses-suchtpotenzial-das-wichtigste-zur-elendsdroge-crack-id18946406.html)


+++DEMO/AKTION/REPRESSION
Kaufkraft-Demo in Bern: Gewerkschaften gehen für höhere Löhne und Renten auf die Strasse
Für Samstagnachmittag wurde in Bern zu einer nationalen Kundgebung aufgerufen. Erwartet werden tausende Menschen. Wir berichten laufend.
https://www.derbund.ch/kaufkraft-demo-in-bern-gewerkschaften-gehen-fuer-hoehere-loehne-und-renten-auf-die-strasse-939426018249
-> https://www.derbund.ch/linke-fordern-hoehere-loehne-rund-15-000-teilnehmende-an-kaufkraft-demo-in-bern-241146481433
-> https://www.20min.ch/story/tausende-in-bern-linke-demonstrieren-fuer-kaufkraft-fdp-staenkert-819828714920
-> https://www.baerntoday.ch/bern/stadt-bern/demonstrierende-in-bern-fordern-hoehere-loehne-und-renten-153565928
-> https://www.watson.ch/wirtschaft/schweiz/390983395-tausende-demonstrieren-in-bern-fuer-hoehere-loehne-und-renten
-> https://www.nau.ch/politik/bundeshaus/demonstrierende-in-bern-fordern-hohere-lohne-und-renten-66602493
-> https://www.blick.ch/politik/kaufkraft-demo-in-bern-tausende-fordern-hoehere-loehne-und-renten-id18948607.html
-> https://www.srf.ch/audio/regionaljournal-bern-freiburg-wallis/ultra-trail-rennen-rund-um-den-wildstrubel-bringt-wertschoepfung?id=12455751
-> https://twitter.com/workzeitung/status/1703037761874243854
-> https://www.handelszeitung.ch/newsticker/demonstrierende-in-bern-fordern-hohere-lohne-und-renten-637863
-> https://www.cash.ch/news/demonstrierende-in-bern-fordern-hohere-lohne-und-renten-637875
-> https://www.swissinfo.ch/ger/demonstrierende-in-bern-fordern-hoehere-loehne-und-renten/48817712
-> https://www.telebaern.tv/telebaern-news/hoehere-loehne-und-mehr-rente-153570213
-> https://tv.telezueri.ch/zuerinews/lohndemonstration-der-gewerkschaften-in-bern-153570247
-> https://www.telem1.ch/aktuell/lohndemo-der-gewerkschaften-153569875
-> Tagesschau: https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/kaufkraft-demonstration-in-bern?urn=urn:srf:video:d9867e51-4977-43b2-954a-1891047907c6
-> https://www.srf.ch/news/schweiz/demonstration-in-bern-wer-hat-die-besseren-rezepte-gegen-den-verlust-der-kaufkraft
-> https://www.20min.ch/story/tausende-in-bern-linke-demonstrieren-fuer-kaufkraft-fdp-staenkert-819828714920
-> https://www.baerntoday.ch/bern/stadt-bern/20000-demonstrierende-in-bern-fordern-hoehere-loehne-und-renten-153565928?autoplay=true&mainAssetId=Asset:153566920
-> Demo-Aufruf: https://www.sgb.ch/aktuell/kaufkraft-demo



Bern: Rund 100 Personen an Iran-Demo
Am Samstagnachmittag haben rund 100 Personen vor der iranischen Botschaft in Bern demonstriert. Anlass für den Protest war der Todestag der iranischen Protestikone Jina Mahsa Amini. Die Demonstration dauerte rund eineinhalb Stunden und verlief friedlich.
https://www.bernerzeitung.ch/news-ticker-bern-region-kanton-polizei-verkehr-politik-kultur-176-290281918894



derbund.ch 15.09.2023

Bern: Rund 300 Teilnehmer bei Klima-Velodemo

Am 13. globalen Klimastreik haben am Freitag in Bern rund 300 Personen für mehr Klimaschutz demonstriert. Per Velo ging es vom Helvetiaplatz über die Monbijoubrücke zum EWB-Hauptsitz an der Monbijoustrasse. Dort forderten die Demonstrierenden den Ausstieg von EWB aus dem Erdgashandel.

Anschliessend ging die Demo-Fahrt weiter zum Bahnhof- und Kornhausplatz zur Kirchenfeldbrücke. Dort blockierten die Teilnehmer für mehrere Minuten mit einem Sitzstreik den Verkehr. Gegen 20 Uhr löste sich die friedliche Demo auf dem Helvetia auf.
An diesem Freitag wurde  in acht Schweizer Städten demonstriert. Nach Angaben der Organisatoren brachte der Klimastreik 6500 Menschen auf die Strasse.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer forderten den raschen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und einen Systemwechsel, um das Ziel von 1,5 Grad Erderwärmung einzuhalten. Zudem ruft der Klimastreik mit einem breiten Bündnis zur Teilnahme an der nationalen Klimademonstration am 30. September in Bern auf. (tag/sda)
(https://www.bernerzeitung.ch/news-ticker-bern-region-kanton-polizei-verkehr-politik-kultur-176-290281918894)



Marsch für welches Leben?! Pro wessen life?!
Für körperliche Selbstbestimmung und gegen ihre doppelseitige Moral
https://barrikade.info/article/6114


Marsch fürs Läbe in Zürich: An der diesjährigen Kundgebung könnte es wieder brenzlig werden
Die Linken mobilisieren seit Tagen gegen die Demonstration von Abtreibungsgegnerinnen und -gegnern in Zürich Oerlikon. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort.
https://www.tagesanzeiger.ch/marsch-fuers-laebe-in-zuerich-an-der-diesjaehrigen-kundgebung-koennte-es-wieder-brenzlig-werden-404161098305
-> https://www.blick.ch/schweiz/zuerich/marsch-fuers-laebe-in-oerlikon-grosses-polizeiaufgebot-an-pro-life-demo-id18948824.html
-> https://twitter.com/RaimondLueppken
-> https://twitter.com/janaurka
-> https://www.watson.ch/schweiz/z%c3%bcrich/705830973-marsch-fuers-laebe-in-zuerich-oerlikon-polizei-mit-grossaufgebot-vor-ort
-> https://www.stadt-zuerich.ch/pd/de/index/stadtpolizei_zuerich/medien/medienmitteilungen/2023/september/stadtpolizei_zuerichverhindertstoeraktionenbeibewilligterdem.html
-> https://tv.telezueri.ch/zuerinews/grosses-polizeiaufgebot-am-marsch-fuers-laebe-in-zuerich-153570140
-> https://www.tagesanzeiger.ch/marsch-fuers-laebe-in-zuerich-an-der-diesjaehrigen-kundgebung-koennte-es-wieder-brenzlig-werden-404161098305



Demo in Basel zum Todestag von Masha Amini
Hunderte demonstrieren in Basel zum Todestag der Iran-Protestikone. Die nationale Demo der Gruppe “Free Iran Switzerland” startete bei der Elisabethenanlage und zog in Richtung Kaserne.
https://www.srf.ch/audio/regionaljournal-basel-baselland/demo-in-basel-zum-todestag-von-masha-amini?id=12455769
-> https://telebasel.ch/sendungen/punkt6/210902
-> https://www.blick.ch/ausland/iranische-aktivistinnen-in-der-schweiz-wir-lassen-uns-nicht-einschuechtern-id18947027.html
-> https://www.blick.ch/schweiz/basel/todestag-von-iran-protestikone-hunderte-demonstrieren-in-basel-fuer-jina-mahsa-amini-id18948720.html
-> https://www.baseljetzt.ch/auch-basel-protestiert-fuer-die-rechte-von-frauen-im-iran/118845
-> https://www.bazonline.ch/zum-todestag-von-jina-mahsa-amini-hunderte-demonstrieren-in-basel-fuer-sanktionen-gegenueber-dem-iran-532588169195


Iran-Protest in Luzern: 150 Personen solidarisieren sich mit Jina Mahsa Amini
Ein Jahr ist seit dem gewaltsamen Tod von Jina Mahsa Amini vergangen. Am Samstag wurde auch in Luzern demonstriert.
https://www.luzernerzeitung.ch/zentralschweiz/stadt-region-luzern/anti-regime-iran-protest-in-luzern-150-personen-solidarisieren-sich-mit-jina-mahsa-amini-ld.2514410
-> https://www.zentralplus.ch/news/rund-200-personen-demonstrieren-in-luzern-gegen-den-iran-2579918/
-> Demoaufruf: https://resolut.noblogs.org/post/2023/08/10/alll-eyes-on-iran-demo-in-luzern/


+++RASSISMUS
aargauerzeitung.ch 15.09.2023

Trotz Rassismus-Eklat: Präsident von Wyl rechtfertigt die Entlassung der betroffenen Jugendtrainer – und schützt die graue Eminenz

Der FC Wohlen nimmt spätabends Stellung zu den Vorwürfen gegenüber dem Verein und seiner grauen Eminenz. Der Inhalt? Sechs emotionslose Sätze – und der Wunsch zur Tagesordnung überzugehen.

Jürg Krebs

Michael «Mike» von Wyl ist in den letzten Tagen ein gefragter Mann. Der Präsident des FC Wohlen muss sich rechtfertigen, warum sein Verein zwei Jugendtrainer entlassen hat, die zuvor rassistisch beleidigt worden sind. Dies von einem Vater, dessen Sohn sie statt ins A-Team, ins B-Team eingeteilt hatten. Der Sohn hat inzwischen den Club gewechselt.

Am Freitagmorgen hatte von Wyl auf Anfrage eine offizielle Stellungnahme des Vereins zu den Vorfällen für den Nachmittag angekündigt. Gegen 22 Uhr Abends kam sie dann, unterschrieben von Präsident von Wyl und Geschäftsstellenleiter Ronny Minkwitz: Sechs Sätze kurz. Geschäftlicher, emotionsloser Ton. Eine Entschuldigung gegenüber den Trainern vielleicht? Keine Spur. Eine direkte Zurechtweisung des Vaters? Nicht im Entferntesten.

Das erste Statement: «Grundsätzlich distanziert sich der FC Wohlen von jeglicher Art von Rassismus.»

Das bezieht sich auf die Beleidigung des Haupt-Jugendtrainers durch den Vater Daniel Marti – der Club-Mitglied und Chefredaktor des Wohler Anzeigers ist. Eine wichtige Figur in Wohlen. «Du Lausbub! Was fällt dir überhaupt ein, du verdammter Ausländer-Sack.» Das hatte Marti dem Trainer anlässlich eines wütenden Telefongesprächs an den Kopf geworfen, bei dem er die schlechte Einteilung seines Sohns reklamiert hatte. Davon existiert eine Tonaufnahme, aus der der Blick am Mittwoch zitiert hatte.

Drei Tage nach dem Gespräch waren die beiden Trainer ihren Job los. Sie beschuldigen nun Marti, Einfluss genommen zu haben. Die graue Eminenz habe die Muskeln spielen lassen.

Und der FC Wohlen? Von Wyl geht nicht weiter auf den Vorfall ein. Marti wird mit keinem Wort erwähnt, obwohl dessen rassistische Äusserung Anlass für die ganze Aufregung ist. Damit distanziert sich der FC Wohlen von Rassismus, ohne anzuerkennen, dass Marti gegen die Club-Werte verstossen hat. Ein Spagat, der seltsam wirkt. Und der die Distanzierung von Rassismus hohl klingen lässt.

Denn bei den Trainern wird der Club konkret.

Zur Trainerentlassung schreibt der Club: «Die Abberufung der Trainer erfolgte nach ausführlichen Gesprächen. Der FC Wohlen hat sich dazu bekannt, (…) Kindern (…) einen Platz in unseren Jugendmannschaften (…) anzubieten. Dies wurde auch so allen Trainern in der Trainersitzung vor der Saison mitgeteilt. Im vorliegenden Fall, die letztlich zur Trennung geführt hat, haben die beiden Trainer die vom Verein vorgegeben Auswahlkriterien und Vorgaben nicht berücksichtigt.»

In anderen Worten: Weil die beiden Jugendtrainer mit ihrer Aufteilung der Gruppe von 13- und 14-jährigen Fussballern in ein A- und B-Team gegen diese Vorgaben verstossen haben – das A-Team durfte am Spieltag jeweils auflaufen, das B-Team lediglich mittrainieren – sind sie entlassen worden. Diese Darstellung hat der Club schon gegenüber dem ersten Blick-Bericht vom Mittwoch vertreten. Doch der Zeitung liegt eine E-Mail vor, die an dieser Darstellung zweifeln lässt. So könnte die Vereinsführung von der Aufteilung gewusst und sie zumindest gebilligt haben.

Der FC Wohlen will die Affäre abhaken

Wie geht es nun weiter? Der Club schreibt: «Der FC Wohlen bedauert diesen Vorfall und wir richten unseren Blick nach vorne, um künftig ein faires und respektvolles Miteinander zu gewährleisten.» Nur künftig? Es stellt sich unweigerlich die Frage: Und was ist mit dem aktuellen Fall?

Die rassistisch beleidigten Trainer bleiben entlassen. Das beleidigende Club-Mitglied Daniel Marti wird mit keinem Wort erwähnt. Und damit geschützt?

Längst brodelt es aber auch an der Basis. Fans des Clubs solidarisieren sich mit den entlassenen Trainern und forderten am Donnerstagabend den Ausschluss von Mitglied Marti und ein Stadionverbot für ihn.

    ℹ️Unser Statement zum Rassismus-Vorfall beim FC Wohlen.

    Love Wohlen ⭐ Hate Racism pic.twitter.com/aAJnz6bPEk
    — Tifosi ☆ Wohlen (@FCWohlenFans) September 14, 2023

Wie der Club damit umgehen will, haben wir den Präsidenten am Freitagmorgen ebenfalls gefragt. Von Wyl hat auf das Communiqué verwiesen – worin nun kein Wort dazu zu finden ist.

Ob der FC Wohlen nun so einfach zur Tagesordnung übergehen kann?

Das Communiqué wirft unbeabsichtigt mehr Fragen auf, als es beantwortet.

Und dann ist da ja noch die erste Mannschaft. Auch sie fiel zuletzt nicht durch Fairness auf. Zwei Platzverweise am letzten Wochenende und ein Trainer, dem wegen einer Stinkefinger-Geste gegenüber dem Schiedsrichter eine längere Sperre droht, und der deshalb beim Spiel gegen den FC Dietikon am Samstag nicht an der Seitenlinie steht.
(https://www.aargauerzeitung.ch/aargau/kanton-aargau/fc-wohlen-die-offizielle-stellungnahme-ld.2515214)


+++RECHTSPOPULISMUS
Klimakrise: Hass gegen Wetter-Moderatoren
TV-Meteorologen, die über die Zusammenhänge von Wetter und Klimakrise aufklären, werden zunehmend angefeindet. Karsten Schwanke und Özden Terli haben mit Panorama darüber gesprochen.
https://www.ardmediathek.de/video/panorama/klimakrise-hass-gegen-wetter-moderatoren/das-erste/Y3JpZDovL25kci5kZS9kYTEzZGM1NC1lYzExLTQ3MTktODRjNi05ZjBkNGVmZDI4ZWI


+++RECHTSEXTREMISMUS
Wer sind Staatsverweigerer? – Psychologin: «Es entsteht ein Gefühl, betrogen worden zu sein»
Sie halten den Schweizer Staat für eine Privatfirma, bezahlen keine Steuern oder Bussen und schikanieren Behörden: Sogenannte Staatsverweigerinnen und Staatsverweigerer. Doch woher kommt ihr Groll auf den Staat und diejenigen, die für ihn arbeiten? Die Psychologin Julia Sulzmann sieht das Problem auch in Kontakten mit Personen, die sich bereits dieser Ideologie angeschlossen haben.
https://www.srf.ch/news/schweiz/wer-sind-staatsverweigerer-psychologin-es-entsteht-ein-gefuehl-betrogen-worden-zu-sein


+++HISTORY
Flüchtlinge finden mitten in Kriegswirren in einem Badener Hotel einen Zufluchtsort – «Leider ist vieles davon heute aktueller denn je»
Die neue Dauerausstellung «Hotel Zuflucht» im Landvogteischloss des Historischen Museums widmet sich einer Badener Hotelwirtin und ihren besonderen Gästen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs.
https://www.aargauerzeitung.ch/aargau/baden/zeitreise-fluechtlinge-finden-mitten-in-kriegswirren-in-einem-badener-hotel-einen-zufluchtsort-leider-ist-vieles-davon-heute-aktueller-denn-je-ld.2514991