Medienspiegel 25. Dezember 2018

+++THURGAU
Nach Freundschaftsvertrag zwischen Äthiopien und Eritrea: Romanshorner Lehrer mit Frau und Kind vereint
Ralph Klee hat vor zweieinhalb Jahren in Eritrea geheiratet. Kürzlich ist seine Frau mit dem gemeinsamen Kind in die Schweiz gekommen. Die Zeit dazwischen kostete das Ehepaar Nerven und brachte es an den Rand der Verzweiflung.
https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/kreuzlingen/ein-geschenk-gottes-ld.1080768

+++DEUTSCHLAND
Integrationsprobleme im Fußball: Abseitsfalle
Mehr als hundert Fußballvereine dürfen Flüchtlingskinder nicht in den Spielbetrieb integrieren. Keiner will daran schuld sein – und keiner will das ändern. Die zuständigen Politiker halten das Problem für unwichtig.
http://www.spiegel.de/sport/sonst/fluechtlinge-im-fussball-bundespolitiker-bleiben-tatenlos-a-1238285.html

+++FRANKREICH
40 Flüchtlinge im Ärmelkanal gerettet
Insgesamt 40 Flüchtlinge in fünf Booten sind am ersten Weihnachtstag im Ärmelkanal zwischen Grossbritannien und Frankreich gerettet worden. Darunter waren auch mehrere Kinder.
https://www.tagblatt.ch/newsticker/international/40-fluechtlinge-im-aermelkanal-gerettet-ld.1080885

+++GRIECHENLAND
“Boxwise”: Flüchtlingshilfe mittels Smartphone-App
Das Verteilen von Spenden an Geflüchtete läuft oft chaotisch ab. Hans Peter Gürtner hat das als freiwilliger Helfer selbst erfahren – und Abhilfe geschaffen
http://derstandard.at/2000094432933/Boxwise-Fluechtlingshilfe-mittels-Smartphone-App

bernerzeitung.ch 24.12.2018

Eine friedliche Insel inmitten des Chaos

Flüchtlinge erlangen Würde und Selbstbestimmung zurück in einem Gemeinschaftszentrum auf der griechischen Insel Lesbos. Nicolas Perrenoud aus Walliswil arbeitet als Freiwilliger vor Ort daran mit.

Giannis Mavris

Lesbos: Dieser Name ist zum Synonym für die europäische Flüchtlingsproblematik der letzten Jahre geworden. Die Insel schafft es zwar nicht mehr so häufig in die Schlagzeilen, die Situation hat sich aber kaum verbessert. Nach dem EU-Türkei-Abkommen von 2016 haben die Kontrollen auf der türkischen Seite der Ägäis zugenommen, sodass deutlich weniger Boote zur See stechen.

Wer es aber bis nach Lesbos schafft, den erwartet mit grosser Wahrscheinlichkeit ein tristes Dasein im berüchtigten Camp Moria, das auch nach jahrelangem Betrieb immer noch eine Art Provisorium ist: Die gesamte Infrastruktur ist marode, das Lager quillt über, Menschen leben teilweise in Zelten. Auf weiteren vier Inseln, auf denen sich die sogenannten Hotspots befinden, sieht es nicht viel besser aus.

«Wir versuchen eine friedliche Insel inmitten des Chaos, das dort herrscht, zu sein», sagt Nicolas Perrenoud von One Happy Family. Der Verein betreibt ein Gemeinschaftszentrum auf Lesbos, ausserhalb vom Hauptort Mytilini und nicht weit vom Camp Moria.

Was 2017 mit einem Café und gratis Internetzugang begonnen hatte, ist inzwischen zu einer veritablen Erfolgsstory geworden: Zwischen 600 und 800 Besucher kommen täglich vorbei, um eines der zahlreichen Angebote in Anspruch zu nehmen oder einfach einen Kaffee zu trinken und dem Campalltag für eine Weile zu entfliehen.

One Happy Family ist die Dachorganisation, die das Areal gemietet hat und die Aktivitäten zusammen mit weiteren sieben Partnern verwaltet. Montag bis Freitag ist das Zentrum offen, es gibt eine Kinderschule,eine medizinische Klinik, diverse Sport- und Tanzgruppen, Sprachkurse und Workshops, eine Bibliothek, Shops, Coiffeure – momentan laufen über zwanzig Projekte. «Und es kommen laufend neue dazu», sagt Perrenoud.

Eingestiegen über Einsätze

Der 34-jährige Walliswiler lebt seit letztem Juni auf Lesbos. Nachdem er schon mehrere Kurzeinsätze hinter sich hatte und von zu Hause aus Fundraising betrieb, wollte er einen längeren Einsatz absolvieren.

«Die Idee reizte mich von Beginn an. Ich organisiere und koordiniere gerne, da muss man schon länger vor Ort sein», sagt er. Nun ist er zuständig für den Kontakt zu den Partnern und für administrative Belange, als ausgebildeter Informatiker entwickelt er zudem die IT-Infrastruktur weiter.

Ein Grundpfeiler ist die digitale Währung des Zentrums. Beim Eintritt erhalten Besucher zwei Swiss Drachmas, eine Art Grundeinkommen. Damit können sie ihren Kaffee bezahlen, sich die Haare schneiden lassen, Hygieneartikel einkaufen. «Es geht darum, den Leuten Selbstbestimmung und Würde zurückzugeben», sagt Perrenoud.

Überhaupt hat der Verein sich auf die Fahne geschrieben, nicht für, sondern mit den Menschen zu arbeiten. Auf Lesbos leben sie für Monate oder Jahre in vollständiger Abhängigkeit von Staat und Hilfsorganisationen – im Zentrum sollen sie wieder ein Gefühl von Selbstständigkeit bekommen und Verantwortung übernehmen.

Von den 70 Mitarbeitern sind momentan 55 Flüchtlinge, viele Projekte sind erst auf ihre Initiative hin entstanden. Zu sehen, mit welcher Leidenschaft sie sich einbringen, das motiviere ihn immer wieder aufs Neue, so Perrenoud.

Tausend Mahlzeiten täglich

Wie immer bei solchen Projekten ist die Finanzierung eine der Hauptsorgen. Rund 30’000 Euro werden monatlich verbraucht, die Hälfte davon geht schon mal in die Küche, die täglich bis zu tausend Mahlzeiten zubereitet.

«Vor allem zu Beginn war es schwierig, an Mittel zu kommen, zudem sind wir schnell gewachsen.» Staatliche Unterstützung gibt es keine, der Verein erhält Privatspenden und Hilfe von Stiftungen und Organisationen, aus der Schweiz, aber auch aus anderen Ländern. Man versuche langfristig zu planen, die finanziellen Reserven reichten aber immer knapp für drei Monate aus.

Auch für Perrenoud stellt sich natürlich die Frage, wie lange er mitmachen kann. Er lebt weitgehend von seinem Ersparten, zusätzlich kann er für die IT-Firma, für die er die letzten sieben Jahre arbeitete, von Lesbos aus sporadisch Aufträge erledigen. «Das ist auf Dauer manchmal etwas stressig.» Dennoch lässt er sich nicht beirren: Nach ein paar Tagen Urlaub in der Schweiz geht es noch vor Jahresende zurück nach Lesbos.

Ein Ende ist nicht absehbar

Der Verein plant, das Projekt irgendwann mal zu beenden. «Es wäre schön, wenn es uns in Zukunft nicht mehr braucht», sagt denn auch Perrenoud. Allerdings gibt es keinen konkreten Zeithorizont dafür. «Solange die Spannungen im Nahen Osten und Afghanistan weiterexistieren, werden wir vor Ort wohl keine Veränderung sehen.»

Eine Veränderung sähe er jedoch gerne in der europäischen Flüchtlingspolitik, denn die momentane Strategie der Abschreckung funktioniere offenbar nicht. Dieses Jahr wurden auf Lesbos monatlich rund 1500 Asylgesuche eingereicht, ein Viertel des Landesdurchschnitts. Zum Vergleich: In der Schweiz waren es derweil total etwa 1300 pro Monat.

«Die Arbeit ist enorm herausfordernd», sagt Perrenoud. Das Projekt sei mittlerweile sehr gross geworden, bei so vielen unterschiedlichen Kulturen gebe es dauernd Kommunikationsprobleme. Man lerne aber auch sehr viel dabei, so Perrenoud, der vorerst bis Sommer auf Lesbos bleiben will.

Und danach? Zurück nach Hause zu kommen, das sei schon eine Option, obwohl er momentan wenig Lust verspüre, in der Schweiz einem Bürojob nachzugehen. «Auf Lesbos arbeite ich zwar auch meist im Büro», sagt er und muss lachen.

Er könne sich aber auch vorstellen, danach weiterhin in der humanitären Hilfe aktiv zu bleiben – dann allerdings nicht mehr in Europa, sondern in einer Gegend, die es nie aus den Schlagzeilen schafft: dem Nahen Osten.

Nicht gewinnorientiert

Der Verein One Happy Family mit Sitz in Burgdorf wurde im Juni 2017 gegründet. Er hat sich der Aufgabe verschrieben, Menschen in Fluchtsituationen zu helfen. Dazu gehört auch die Leitung des gleichnamigen Gemeinschaftszentrums auf Lesbos.

Dieses Zentrum wurde im Februar 2017 auf Initiative von Michael Räbers privater Organisation Schwizerchrüz.ch aufgezogen. Es wird Unterstützung der israelisch-palästinensischen Organisation International Humanitarian Aid und unzähligen Freiwilligen aus Europa betrieben.
(https://www.bernerzeitung.ch/region/oberaargau/eine-friedliche-insel-inmitten-des-chaos/story/13506326)

+++GASSE
«Ich finde Weihnachten scheisse»
Martin «Bali» Baltisberger sammelt seit Jahren auf Berns Gassen Geld für Menschen, denen es schlechter geht als ihm. In der Adventszeit werde zwar mehr gespendet, doch es sei eine schwere Zeit, sagt der 50-Jährige. Auch für ihn selbst.
https://www.bernerzeitung.ch/region/bern/ich-finde-weihnachten-scheisse/story/23531172

Weihnachten auf der Gasse
Die Heilsarmee sorgte an Heiligabend für eine besinnliche Stimmung und eine Studentin verteilte zuvor über einen Spendenaufruf gesammelte Geschenke auf der Langstrasse.
https://www.telezueri.ch/zuerinews/weihnachten-auf-der-gasse-133888773

+++ANTIRA
«Die Vorstellung, wer Schweizer ist, braucht ein Update»
Über ein Drittel der Bevölkerung in der Schweiz hat einen Migrationshintergrund. Der Historiker Kijan Espahangizi plädiert daher für eine neue Sicht auf die Schweiz.
https://www.derbund.ch/schweiz/standard/die-vorstellung-wer-schweizer-ist-braucht-ein-update/story/31117171

Rassendenken Teil 1: Über die rassistischen Wurzeln von Wissenschaft
„Menschenrassen“ sind eine Erfindung. Doch diese Erkenntnis reicht offensichtlich nicht, um den Rassismus aus der Welt zu schaffen. Eine Mitverantwortung trägt ausgerechnet die Wissenschaft, auf deren Befunde sich Rassisten bis heute berufen. Welcher historische Hintergrund führte auf diesen Irrweg?
https://www.deutschlandfunk.de/rassendenken-teil-1-ueber-die-rassistischen-wurzeln-von.740.de.html?dram:article_id=436585