Medienspiegel 01. April 2018

+++AARGAU
Nach 40 Tagen Asylleben zurück zum Schweizer Luxus
Mit nur 126 Franken pro Woche für Essen, Hygiene, Handy und ÖV boxte sich das Pfarrer-Ehepaar Moll durch den Alltag. Jetzt ist endlich Schluss.
https://www.telem1.ch/35-show-aktuell/22826-episode-sonntag-1-april-2018/55430-segment-nach-40-tagen-asylleben-zurueck-zum-schweizer-luxus#nach-40-tagen-asylleben-zurueck-zum-schweizer-luxus

++FRIBOURG
derbund.ch 31.03.2018

Ein Dorf sucht hinter Gittern den Frieden

Nächste Woche wird im freiburgischen Giffers ein Bundesasylzentrum eröffnet, gegen das sich die Bevölkerung heftig gewehrt hatte. Was bleibt vom Widerstand?

Tina Huber

Der Lacher, es wird der einzige bleiben, kommt bei den Toiletten. Nun wolle er seinen Besuchern etwas Besonderes zeigen, sagt der künftige Leiter des Asylzentrums und wirkt ein bisschen stolz: Die Flüchtlinge werden sich hier auf türkischen Toiletten erleichtern können. «Das kommt rund 70 Prozent der Bewohner entgegen.» Jemand räuspert sich, «Entschuldigung, was sind türkische Toiletten?». «Zum huure», antwortet der Betriebsleiter; «Da kannst du keine Zeitung lesen», wirft ein anderer ein. Gelächter.

Der Scherz löst die Anspannung, wenigstens für einen Moment. An diesem Samstagmorgen führen Beamte des Staatssekretariates für Migration (SEM) Freiburger Lokalpolitiker durch das neue Bundesasylzentrum in Giffers FR, gemeinsam mit der privaten Firma ORS, die den Betrieb leiten wird. Die Guglera, so heisst der Betonklotz auf einer Anhöhe ausserhalb des Dorfes, war früher ein Seminarzentrum und betreute unter anderem Jugendliche, die keine Lehrstelle fanden. Nächste Woche ziehen hier die ersten Asylsuchenden ein, und die Gemeindeammänner und Grossräte, die jetzt zwischen Kajütenbetten und Kleiderspinden stehen, sparen nicht mit kritischen Fragen. Wie viele Asylsuchende tauchen unter? Wohin wenden wir uns bei Problemen? Und darf man Autostöpp­ler noch mitnehmen?

Kuhglocken gegen das ­Bundesasylzentrum

Vor den Kajütenbetten und den türkischen Toiletten hatte der Betriebsleiter die Gruppe in die Gastroküche geführt, wo die Chromstahlspüle noch unberührt glänzt. «Den Zmorge kann man sich vorstellen wie im Jubla-Lager: Brot, Butter, Konfi.» Er meint: kein Luxus, kein Chichi. «Und wichtig: Das wird kein Hotelbuffet, die Asylsuchenden müssen mithelfen.» Zustimmendes Nicken bei den Anwesenden, «Aber was ist mit denen, die kein Schweinefleisch essen?». Wird hier nicht gekocht. «Wie hoch ist das Cateringbudget pro Person und Tag?» Unter zehn Franken. Falls sie gewisse Fragen unnötig finden, lassen sich das die Verantwortlichen nicht anmerken, sichtlich bemüht, den Besuchern ihre Vorbehalte zu nehmen.

Für den Bund ist heute ein wichtiger Tag. Dieses Mal sollen keine Bilder im Fernsehen kommen wie im Februar 2015. Damals gab Bern den ersten Standort für eines der geplanten 18 Bundesasylzentren bekannt: Es war Giffers, das hier «Güfersch» heisst. Ein Dorf im freiburgischen Sensebezirk, eingebettet in eine liebliche Hügellandschaft, 1500 Einwohner, zwei Restaurants, eine Feldschützengesellschaft, ein Landfrauenverein. Und nun ein Asylzentrum mit rund 250 Plätzen. Fast tausend Einwohner nahmen am Infoabend des Bundes teil. Eine Treichelgruppe heizte ein, die Kritik verschärfte sich mit jedem Redner, der Gemeindepräsident musste sich später für seine Wortwahl («Asylanten-Tsunami») entschuldigen. Einer wetterte besonders laut: Ruedi Vonlanthen, FDP-Grossrat aus Giffers. Ein SRF-Dokfilm zeigt ihn an jenem denkwürdigen Infoabend, wie er von «unechten Flüchtlingen» spricht, die «unser Sozialsystem untergraben», später stimmt er das «Sensler Lied» an: «Härgott, Härgott, mach um üsers Ländli i der Not as Wändli, dass üs niemer d’Heimat stiehlt, die üs Sensler z’Läbe gilt.» Einige Gifferser gratulierten Vonlanthen dafür, dass er ausspreche, was vielen durch den Kopf gehe – andere schämten sich für das Bild, das ihr Dorf im Rest der Schweiz abgab.

Natürlich ist Ruedi Vonlanthen heute auch hier. Er will das neue Bundesasylzentrum sehen. Ein gedrungener Mann, mit dem man keine zehn Meter weit kommt, ohne dass ihm jemand auf die Schulter klopft, «Sälü» hier, «Ça va?» dort. Er ist in Giffers aufgewachsen, war während 20 Jahren Gemeindepräsident, und so wie andere Leute Briefmarken sammeln, häufte er Ehrenmitgliedschaften und OK-Ämter an.

«Unser idyllisches Leben in Giffers wird gestört»

Vonlanthen ist ein zuvorkommender Mann, der sich entschuldigt, wenn er nicht sofort zurückruft, weil er gerade seine Enkel hütet. Als Erstes sagt der 63-Jährige, was an diesem Tag viele wiederholen werden: «Wir wurden vom Entscheid überrumpelt.» Der Bund habe Giffers ohne Mitspracherecht vor ein «Fait accompli» gestellt. In der Tat hatte die Gemeinde keine Handhabe, auf demokratischem Weg das Asylzentrum zu verhindern. Denn der Bund kaufte die Liegenschaft einem Privaten ab, der mit dem Seminarzentrum Guglera in finanzielle Nöte geraten war. Der ehemalige Besitzer wohnt mittlerweile nicht mehr im Dorf.

Vonlanthen sagt, seine Wut richte sich nicht gegen die Flüchtlinge, sondern gegen den Mann, der die Guglera hinter dem Rücken der Dorfbevölkerung verkauft habe. Aber ja, räumt er dann ein, «natürlich haben wir die Flüchtlinge nicht gesucht»! Es seien zu viele für das kleine Giffers; er befürchtet Vandalismus, Diebstähle, hat Angst um die Frauen und Kinder im Dorf. «Unser idyllisches Leben in Giffers wird ab nächster Woche gestört.» Nein, direkten Kontakt mit Asylbewerbern habe er noch nie gehabt. Woher er wisse, dass sie kriminell seien? «Aus den Medien.» Wie er reagieren wird, wenn er im Dorfladen auf einen der Neuankömmlinge trifft? «Kein Problem, dann plaudere ich mit ihm.»

Immer wieder blitzt er auf, der zeternde Scharfmacher aus dem Fernsehen. Doch benennt Vonlan­then Ängste, die viele Gifferser beschäftigen. Flüchtlinge kennen die meisten hier nur aus dem Fernsehen, 7 Prozent beträgt der Ausländeranteil im Dorf. Die Unsicherheit wuchs zusätzlich, als bekannt wurde, dass ein Ausreisezentrum entsteht: In der Guglera werden vor allem abgewiesene Asylbewerber leben, die einzig darauf warten, die Schweiz zu verlassen.

Die Menschen aus Giffers und den umliegenden Dörfern reagierten unterschiedlich: Einige zündeten Mahnfeuer an, andere wollten eine Bürgerwehr aufbauen. Die Leserbriefspalten in der Lokalzeitung füllten sich. Jene, die dem Asylzentrum positiv gegenüberstanden und erst kaum gehört wurden, gründeten eine IG Flüchtlinge willkommen im Sensebezirk. Eines aber verband die beiden Lager, und vielleicht ist es das, was diese Geschichte ermutigend macht: Sie redeten miteinander, trotz aller Meinungsunterschiede. Das erwähnt auch Barbara Büschi, stellvertretende SEM-Direktorin, in ihrer Rede. «Wir haben ja nicht so gut angefangen», sagt sie und benennt damit selbstironisch die heftige Kritik, die auch ihr an jenem Februarabend entgegenschlug. Was aber nicht gezeigt worden sei am Fernsehen: dass man auch nach diesem hitzigen Abend bei einem Bier zusammengesessen und diskutiert habe.

Und es waren andere, die mit ihrem Widerstand gegen das Asylzentrum die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Im Herbst 2016 setzten Unbekannte die leer stehende Guglera unter Wasser, später bekannten sich Anonyme aus der linksautonomen Szene zur Tat: «Ausschaffungslager Giffers sabotiert» war auf der einschlägigen Onlineplattform Indymedia zu lesen. Selbst Kritiker des Asylzentrums verurteilten in Leserbriefen diesen Sabotageakt.

Tanzen und Vita-Parcours reparieren mit Flüchtlingen

Wenige Tage bevor die ersten Asylsuchenden in die Guglera einziehen, scheint es, als hätten sich die meisten Gifferser an den Gedanken gewöhnt. Zumindest jene, die nun, es ist bald Mittag, zur öffentlichen Besichtigung ins Asylzentrum strömen. Es gibt Chips und Weisswein, einige tragen Tschoope, andere haben Stalldreck an den Schuhen. Der Seisler brauche halt ein bisschen mehr Zeit, sagt einer. Jetzt schauen wir mal, wie es läuft, findet ein anderer. Und immer wieder: «Wir wurden überrumpelt.»

Eine Kritik, die Magdalena Waeber nachvollziehen kann. Die 23-jährige Studentin der Sozialpolitik steht am Infostand der IG Flüchtlinge willkommen im Sensebezirk, zur Begrüssung gibt sie drei Küsschen. Freiwillige haben Kuchen gebacken, im Spendentopf liegt eine Fünfzigernote. «Die extremen Emotionen sind verschwunden – zumindest in der Öffentlichkeit», sagt Waeber. Die Skepsis habe sich gelegt, «aber wenn etwas passiert, sind die Kritiker schnell wieder da». Waeber und andere Freiwillige der IG wollen Aktivitäten für die Asylbewerber anbieten, auf einem Flipchart werden heute Ideen gesammelt: «Tanznachmittag» steht da, «Bibel lesen» oder «Reparatur Vita-Parcours»; und was wohl die Zeile auf Arabisch bedeutet? Sie wisse aus eigener Erfahrung, wie bereichernd der Kontakt mit Flüchtlingen sei, sagt Waeber, die in Freiburg Asylsuchende in Deutsch unterrichtet. Den Sensebezirk erlebe sie als offen und menschlich. «Das Bild, das jetzt viele von meiner Heimat haben, entspricht nicht der Wahrheit.»

Das Bild, das sich nun vor dem Asylzentrum zeigt, stimmt immerhin schon versöhnlich. Mittlerweile wärmt die Nachmittagssonne, im Festzelt holen sich die Besucher Kalbsbratwurst und Kartoffelsalat, Kinder rennen umher; eine Stimmung wie an einer Frühlingsmesse. Wäre da nicht der hohe Zaun um das Gebäude, dessen abgeschrägte Seite nach aussen zeigt: Er ist zum Schutz der Asylsuchenden da. Ruedi Vonlanthen, der Kritiker, steht Seite an Seite mit Barbara Büschi, der SEM-Vertreterin. Er hoffe, seine Ängste seien unbegründet, hatte er zuvor im Gespräch gesagt. Und: Er korrigiere sich gerne in einem Jahr. (SonntagsZeitung)

18 Zentren in der Schweiz

Die Bundesasylzentren sind Folge eines Volksentscheides: Im Sommer 2016 stimmten die Stimmbürger einer Vorlage für beschleunigte Asylverfahren zu. Ab kommendem Jahr werden nun in der ganzen Schweiz Bundesasylzentren mit insgesamt über 5000 Plätzen betrieben. Das Ziel ist, Asylgesuche deutlich schneller abzuwickeln, indem alle an einem Verfahren Beteiligten unter einem Dach arbeiten. Nach maximal 140 Tagen sollen die meisten Gesuche künftig abgeschlossen sein. Verbindlich festgelegt sind heute 15 Standorte der 18 geplanten Bundesasylzentren. In Giffers läuft ab nächster Woche ein Pilotbetrieb mit 130 Asylsuchenden. Im Frühling 2019 wird der reguläre Betrieb mit maximal 250 Asylsuchenden starten. Für die Bevölkerung gibt es eine 24-Stunden-Hotline.
(https://www.derbund.ch/sonntagszeitung/ein-dorfsucht-hinter-gittern-den-frieden/story/28283648

+++GENF
tdg.ch 31.03.2018

PAPYRUS – 1. LA LONGUE MARCHE DE LAILA VERS LA RÉGULARISATION

«Je ne suis plus une clandestine»

Leila Mereles, une femme de ménage brésilienne, a bénéficié du programme de régularisation de sans-papiers Papyrus. Nous avons suivi son parcours pendant un an.

Textes: Luca Di Stefano, Photos et vidéos: Steeve Iuncker-Gomez et Lucien Fortunati, Réalisation: Frédéric Julliard

L’avenir de Leila Mereles s’est joué grâce à une pile d’abonnements de bus périmés. Pourquoi les avoir soigneusement conservés depuis 2007? «Une intuition», dit-elle.

Dix ans après son arrivée en Suisse, la femme de ménage les a versés à sa demande de régularisation. Ces bouts de papier ont été scrutés par l’administration cantonale et fédérale. Ils prouvent la durée du séjour de la travailleuse sans statut légal à Genève. Les autres critères – avoir un emploi, être indépendant financièrement, ne faire l’objet d’aucune condamnation pénale et maîtriser un certain niveau de français – sont remplis.

«Le dossier de Leila est bon, il passera la rampe», acquiesçait le secrétaire syndical du SIT, Thierry Horner, en vérifiant chaque pièce de l’épais dossier. C’était le 13 mars 2017. Quelques jours plus tôt, l’opération Papyrus, vaste programme de régularisation de travailleurs sans papiers, était lancée à Genève.

Pour cette jeune grand-mère de 53 ans, la procédure a duré exactement une année. En mars 2017, quand nous lui proposons de la suivre pas à pas, elle accorde sa confiance, mais fixe une règle: «Tu n’écris rien tant que je n’ai pas les papiers!» C’était la première d’une série de rencontres.

Désormais, l’histoire de Leila peut être racontée. Une histoire parmi tant d’autres, celles de milliers de travailleurs clandestins employés à Genève. Ils seraient 13 000 selon les estimations, dans un canton qui a longtemps toléré leur présence et qui souhaite désormais faire sortir de l’ombre certains d’entre eux.

De Rio aux Libellules

La femme de ménage était de ceux qui ont rempli le Palladium en février 2017 lors de la première séance d’information organisée par les syndicats. Une soirée froide au cours de laquelle beaucoup resteront sur le parvis de la salle de spectacle, comble comme elle ne l’a jamais été. À l’extérieur, les syndicats improvisent des séances d’information, distribuent des prospectus, énumèrent les mêmes conditions à une foule de sans-papiers.

Leila entame les démarches dès le lendemain. À commencer par la demande d’attestation à ses employeurs. Elle en a deux à ce moment-là et c’est sans doute l’opération la plus délicate, puisque ces derniers doivent reconnaître l’emploi d’une sans-papiers sous leur toit.

Pour compléter le dossier, l’examen de français est obligatoire. Une fois passé, la procédure démarre formellement. La suite? Les longs silences de l’administration, l’attente du sans-papiers, les compléments exigés, les doutes avant la délivrance.

Leila vit sans statut administratif depuis 2007. Cette année-là, elle rejoint trois de ses sœurs à Genève suite à un divorce et des difficultés professionnelles rencontrées dans son pays. Cette première vie, Leila l’a vécue dans la périphérie de Rio. Élevée dans une famille nombreuse par une mère séparée, elle se marie à 27 ans et prend en charge l’administration de l’entreprise de climatisation familiale. Puis elle intègre un hôpital à Rio pour occuper successivement des postes d’archiviste, de secrétaire et de superviseuse administrative, avant la migration. Sa fille la rejoindra quelques mois plus tard, mais son garçon reste au pays.

Sacrifice professionnel

Tout quitter a un prix. Pour la jeune grand-mère, s’établir en Suisse allait de pair avec un sacrifice professionnel. «Je suis devenue femme de ménage parce qu’il n’y avait pas d’autre choix avec mon niveau de français. Je fais ce travail honnêtement, avec le rêve de pouvoir commencer une formation et de changer de voie.»

À Genève, il faut recommencer à zéro, trouver un employeur et un logement tout en évitant les contrôles. Les premières années, la femme de ménage travaille au noir. Puis elle parvient à concilier deux emplois déclarés à 50%. Femme de ménage dans un foyer de la Rive gauche le matin, elle complète ses revenus comme aide au domicile d’une personne âgée l’après-midi. Le récent décès de son employeuse a fait chuter ses revenus de moitié. «Je gagne maintenant 1500 francs par mois.» Assez pour vivre? «C’est limite.»

Son sixième logement en dix ans

Pour raconter ce parcours, Leila donne rendez-vous chez elle. Un studio dans le quartier des Libellules qu’elle partage avec sa fille et son petit-fils. Loyer mensuel: 879 francs. Une armoire disposée au centre de la pièce unique forme deux minuscules espaces offrant un peu d’intimité. Derrière, deux lits superposés. La grand-mère dort en haut, le petit-fils en bas. La fille de Leila, elle, étend un matelas dans le salon.

Faute de papiers en règle, il a d’abord fallu qu’un ami accepte d’inscrire son nom sur le bail. Puis Leila a pu bénéficier d’un contrat de sous-location officiel avant d’obtenir enfin un bail à son nom, en janvier 2018. Combien de logements depuis 2007? Elle doit plonger dans sa mémoire et faire le décompte: c’est le sixième appartement depuis son arrivée en Suisse. Elle a connu les sous-locations irrégulières dans le quartier de la Servette, d’autres en périphérie avec leurs loyers abusifs (1500 francs pour un studio, notamment). Des solutions toujours transitoires, à partager pour la plupart.

«Trouver un appartement à Genève est vraiment très compliqué. Il faut parler avec les gens que l’on connaît, chercher longtemps et espérer.» Dans cette quête d’un toit, les réseaux s’avèrent essentiels. Leila a pu compter sur ses sœurs, mais également sur les relations tissées entre les murs de l’église évangélique du Réveil, non loin de la gare Cornavin. «Je suis convertie depuis vingt ans», indique-t-elle.

Cette décennie dans l’illégalité, la Brésilienne la raconte avec cette voix douce qui ne trahit aucune rancœur. Le moindre contrôle de police n’aurait-il pas détruit son projet de vie? Leila n’en a jamais subi à Genève. «J’ai fait ma vie ici, j’ai l’impression de toujours avoir été bien traitée. Maintenant, je sais que la suite ne va pas être facile. Je vais devoir gagner plus, payer des impôts. Mais au moins, je pourrai voyager librement.»

Examen de français

Dix ans après avoir foulé le sol genevois, Leila est une candidate idéale pour le projet Papyrus. À tel point qu’au lendemain de la séance d’information au Palladium, elle se présente dans les bureaux du syndicat SIT avec ses documents rassemblés méticuleusement dans une élégante pochette en cuir. C’est là qu’elle sort ses titres de transport, preuve de ses années vécues à Genève. «Il faut faire vite, l’encre va s’effacer», s’impatiente Leila en disposant les billets sur la table à la manière d’un croupier. Face à elle, Thierry Horner, perfecto sur les épaules, voix rocailleuse et réponse expéditive: «T’inquiète, tu auras le permis avant que ça s’efface.»

Le dossier de Leila est prêt le 13 mars 2017 déjà. Outre les nombreux documents officiels, la femme de ménage a obtenu l’attestation de ceux qui l’emploient. Reste l’examen de français à passer avant que le dossier ne transite entre les mains de fonctionnaires cantonaux et fédéraux. Le 10 avril, Leila arrive quinze minutes en avance à l’Université ouvrière de Genève, l’un des organismes reconnus pour délivrer les certificats de langue. Le stress est celui de n’importe quel élève avant un examen oral.

Pour valider la candidature, le niveau A2 est requis à l’oral, attestant de «la capacité à communiquer et échanger des informations simples et directes». Avant l’entretien, le candidat paie l’examen 90 francs. Dans une salle au fond du hall d’entrée, la porte s’ouvre, c’est au tour de Leila. Une dizaine de minutes seulement et la candidate sort d’un pas dansant, pouce levé et un sourire magistral aux lèvres. Elle a obtenu le niveau B1, une note supérieure au minimum requis. «Voilà, mon dossier est complet. Demain, je l’envoie.»

Le dernier obstacle: 237 francs

L’été est loin d’avoir débuté quand sa candidature vient se mêler aux milliers de dossiers Papyrus. Les documents doivent faire un aller-retour. Après le tampon des autorités genevoises, il revient au Secrétariat d’État aux migrations, à Berne, de valider la procédure avant que celle-ci soit réexpédiée dans le Canton.

De ces va-et-vient administratifs, le candidat ne sait rien, ou presque. Les trois premiers mois d’attente silencieuse sont seulement interrompus par un accusé de réception laconique de l’Office cantonal de la population et des migrations (OCPM). Puis, un jour de juillet, notre téléphone vibre, c’est Leila qui envoie un message: «Genève a accepté ma demande. Il ne manque plus que Berne.»

À ce moment-là, l’épilogue semble imminent. En réalité, un nouveau silence de l’administration, plus long encore, va débuter. L’été est terminé depuis longtemps. Voilà quatre mois que Leila attend un signe lui annonçant la fin de la procédure. Au lieu de cela, elle ne reçoit qu’une lettre à la fin du mois de novembre. La nouvelle se révèle anxiogène puisqu’il lui est demandé de détailler son budget. Au téléphone, le doute pour la première fois dans sa voix. «Je ne gagne pas assez. Il faut que je me trouve un autre boulot pour compléter mes revenus.»

Les dernières démarches avant la délivrance.

Le lendemain, le syndicat va l’aider à remplir un nouveau formulaire. «C’est vrai que mon salaire est un peu serré, mais je m’en sors. Je cherche vraiment un autre travail, mais sans permis, c’est difficile.» L’automne 2017 s’écoule, avant les fêtes de fin d’année, puis le début de 2018. Cela fait bientôt un an que la procédure a débuté. Un an, ou presque, que l’Etat a annoncé le lancement de Papyrus. Dans certaines communautés étrangères, la rumeur selon laquelle Papyrus est un piège visant à expulser les clandestins se propage. Leila, elle, avoue avoir douté malgré son dossier de candidate «idéale».

Le 9 février, dans un message qu’elle envoie sur notre boîte vocale, on l’entend marcher d’un pas rapide, légèrement essoufflée. «Je suis en train d’aller au syndicat, mon permis est accepté!»

Le dernier écueil se monte à 237 francs. L’OCPM exige cette somme pour la réalisation du permis de séjour biométrique. Leila ne s’y attendait pas. Elle devra patienter, quelques semaines encore, que le salaire tombe.

Puis, le 7 mars, tout est réuni. Dans ce rez-de-chaussée chaotique de la route de Chancy, Leila s’annonce au guichet du fond, passe à la caisse, se fait tirer le portrait et enregistre ses empreintes digitales. Elle sort de l’OCPM avec la promesse que son permis B lui sera délivré dans les prochaines semaines. Pour elle, une nouvelle vie commence: «Je ne suis plus une clandestine!»

Chronologie

Février 2007 Leila Mereles, mère de deux enfants, quitte le Brésil et rejoint ses sœurs à Genève pour s’y établir. Elle devient femme de ménage.

28 février 2017 Séance d’information Papyrus au Palladium: l’État lance une campagne de régularisation. Des milliers de clandestins y participent. Parmi eux, Leila.

13 mars 2017 Elle remet son dossier entre les mains du syndicat SIT, qui porte la procédure. Elle a réuni les attestations de ses employeurs et les preuves de son séjour. Ne manque que l’attestation de français.

10 avril 2017 Passe son test de français à l’Université ouvrière de Genève. Le lendemain, le dossier complet est envoyé à l’administration.

Juillet 2017 Les autorités émettent des doutes quant à l’indépendance financière de Leila. Elle doit détailler son budget. Depuis le décès de l’un de ses employeurs, elle ne gagne plus que 1500 francs par mois.

9 Février 2018 Un courrier annonce enfin à la femme de ménage que sa demande est acceptée. Elle doit s’acquitter de 237 francs pour les documents biométriques.

Mars 2018 Leila tient son permis B. Elle n’est plus une clandestine.
(https://webspecial.tdg.ch/longform/papyrus/longue-marche-de-leila-vers-regularisation/)

VIDEOS:
Leila Mereles explique les démarches qu’elle a entreprises.
https://tdg.ch/extern/videoplayer/videoplayer-nn.html?params=client@tdg|videoId@331562|platform@desktop|autoStart@0|showLogo@1

Les dernières démarches avant la délivrance.
https://tdg.ch/extern/videoplayer/videoplayer-nn.html?params=client@tdg|videoId@331566|platform@desktop|autoStart@0|showLogo@1

tdg.ch 31.03.2018

PAPYRUS – 2. GENÈVE ET LES SANS-PAPIERS – Genève et les sans-papiers, un cas unique

Le Canton est le seul à reconnaître la présence de sans-papiers dans son économie

Textes: Luca Di Stefano, Photos et vidéos: Steeve Iuncker-Gomez et Lucien Fortunati, Réalisation: Frédéric Julliard

Pourquoi Genève régularise-t-il ses sans-papiers quand la Suisse tout entière rechigne à reconnaître l’existence de ces travailleurs? Pour comprendre l’opération Papyrus, il faut se plonger au début des années 2000, suivre l’évolution du contexte aussi bien local que national. La campagne de régularisation commencée en 2017 est également une affaire d’hommes et de femmes, d’administrations, autant d’acteurs clés qui ont accéléré ou ralenti le processus. Si le Canton de Genève est aujourd’hui le premier à mener une telle opération, c’est qu’il a joué un rôle de pionnier durant la décennie écoulée.

Retour en 2005. Martine Brunschwig Graf, présidente du Conseil d’État, se présente devant la presse avec une proposition à adresser au Conseil fédéral. Elle vise la régularisation de 5000 personnes travaillant dans l’économie domestique genevoise. «Nous avons privilégié l’approche économique», dit-elle en s’appuyant sur deux rapports d’experts et un chiffre éloquent: le manque à gagner pour le fisc et les assurances sociales s’élève à 38 millions de francs.

L’activisme politique genevois va de pair avec l’action des syndicats et du collectif de soutien aux sans-papiers au début des années 2000. Les premiers entendent mettre en place un contrat type dans l’économie domestique et les chèques-service (deux mesures aujourd’hui en vigueur). Quant au collectif, il met en avant la nécessité d’instaurer des critères objectifs pour trancher les demandes de régularisation.

L’idée d’une campagne de régularisation fait son chemin. Mais sans l’aval de la Confédération, rien n’est possible. Or, c’est un certain Christoph Blocher qui se charge de recevoir la demande genevoise à Berne. Une demande qui reste lettre morte aussi longtemps que l’UDC règne sur le Département fédéral de justice et police et, donc, sur la gestion des questions migratoires.

220 à Genève… 2 à Zurich

En réalité, le Canton de Genève a trouvé un moyen de contourner l’intransigeance fédérale. En exploitant l’article 30 de la Loi sur les étrangers et la possibilité de délivrer des permis lorsqu’il s’agit «d’un cas individuel d’une extrême gravité», son administration délivre des autorisations de séjour «pour cas de rigueur». Entre 2001 et 2015, Genève a ainsi approuvé à lui seul 64% des dossiers acceptés en Suisse (voir infographie). À titre d’exemple, Zurich, autre canton urbain, a permis à… deux de ses travailleurs de se mettre en règle en 2015. Contre 220 à Genève la même année.

«Zurich vit une situation comparable à celle de Genève, mais ses autorités n’ont jamais reconnu la présence de sans-papiers, analyse Alessandro De Filippo, coordinateur du Collectif de soutien aux sans-papiers. Par conséquent, il n’y a pas de demande de régularisation puisque celles-ci mènent à des expulsions.»

L’idée genevoise d’une régularisation étendue refait surface en 2010, quand les associations et syndicats redescendent dans la rue, poussant le Conseil d’État genevois à mettre sur pied un groupe d’experts. Rémy Kammermann, du Service juridique du Centre social protestant (CSP), en fait partie. Il raconte des débuts hésitants et sans résultats. «J’étais pessimiste sur les chances de réussite, mais c’est à ce moment-là que le groupe d’experts a jeté les bases de ce qui allait devenir Papyrus», se souvient le juriste.

En 2012, Pierre Maudet est élu au Conseil d’État. Le magistrat commence par suspendre les activités du groupe de travail et commande un rapport global sur la migration à Genève. Lorsque le document est prêt, il convoque à nouveau tous les acteurs qui forment le groupe de travail mais dit aussi son scepticisme. «Il nous a dit: «Je n’y crois pas, mais convainquez-moi», raconte Rémy Kammermann.

Un revirement semble alors avoir eu lieu chez le conseiller d’État. Rapidement, il place des acteurs clés au sein du groupe de travail. Parmi ceux-ci, la directrice de l’Office cantonal de l’inspection et des relations du travail, Christina Stoll.

Le vent tourne

À Berne, un autre changement s’opère. À la tête du Département de justice et police, auquel est rattaché le Secrétariat d’État aux migrations (SEM), il n’y a plus Christoph Blocher ni Eveline Widmer-Schlumpf, mais Simonetta Sommaruga. Durant sa campagne, la socialiste a maintes fois dénoncé «l’hypocrisie face aux sans-papiers». De fait, la Suisse ratifie la convention concernant le travail décent pour les travailleuses et travailleurs domestiques du Bureau international du travail.

Le vent tourne définitivement en faveur de Papyrus quand Kurt Rohner, vice-directeur du domaine Immigration et intégration au SEM, est remplacé par Cornelia Lüthy. Le premier part à la retraite, emportant avec lui sa réputation de «dur» issu de l’ère Blocher. Celle qui lui succède, nommée par Simonetta Sommaruga, ira jusqu’à faire le déplacement à Genève pour participer à la conférence de presse annonçant le lancement de l’opération Papyrus.

Le compromis peut donc être finalisé. Genève mènera une expérience pilote qui n’est «ni une amnistie ni une régularisation collective», insiste Cornelia Lüthy, assise aux côtés des autorités genevoises le 21 février 2017. L’opération est lancée, elle n’a pas nécessité de révision du cadre légal et repose sur des critères objectifs auxquels devront répondre les candidats à un permis de séjour. C’est la revendication des associations et syndicats, portée depuis les années 2000, qui se matérialise.

Le reste de la Suisse observe

Un an après l’annonce du lancement de l’opération, plus de mille personnes sont sorties de l’ombre. Les autorités tablent sur 2200 à 2500 personnes régularisées l’année prochaine, quand l’opération prendra fin.

Pendant tout ce temps, le reste de la Suisse a observé Genève mener cette opération. Une poignée de parlements cantonaux se sont emparés de la question. À l’instar du canton de Vaud, tous (sauf Bâle-Ville) rejettent d’emblée l’idée d’une régularisation des travailleurs sans-papiers.

Vu de Genève, fort de quinze ans de débats, Rémy Kammermann croit peu aux initiatives nées dans les parlements cantonaux. Politiser la question serait même le meilleur moyen de faire échouer une telle opération. «Il faut que les associations et les syndicats prennent les devants, soutient le juriste. À commencer par un travail de recensement des sans-papiers.»
(https://webspecial.tdg.ch/longform/papyrus/geneve-cas-unique/)

+++SCHWEIZ
Ni à l’OCPM, ni au SARA, ni ailleurs – STOP RENVOI
Depuis le 1er mars, les personnes déboutées de l’asile sont contraintes de se rendre au service d’asile et de rapatriement de l’aéroport, soit la police de l’aéroport. Et ça, en plus de déjà devoir se rendre à l’Office cantonal de la population et des migrations (OCPM) afin d’aller tamponner leur “papier blanc” pour recevoir l’aide d’urgence fournie par l’Hospice général, les fameux 300 francs, leur seul revenu pour (sur)vivre.
https://renverse.co/NI-A-L-OCPM-NI-AU-SARA-NI-AILLEURS-STOP-RENVOI-1474

+++MITTELMEER
Italienische Leitstelle zur Seenotrettung #MRCC überträgt Bergung von Geflüchteten an abwesende Küstenwache #Libyen. Am Ort befindliche #Aquarius darf erst nach Verhandlungen einige Schiffbrüchige an Bord nehmen, muss zusehen wie Boot voll Wasser läuft.
(https://twitter.com/matthimon/status/980507391996424192)
-> http://www.msf.org/en/article/mediterranean-msf-evacuates-39-vulnerable-people-packed-rubber-boat

Constructing a Deadly Void
How European authorities continue to use Migrant Death as Deterrent while criminalising Rescuers
A WatchTheMed Alarm Phone emergency case off the coast of Libya
https://alarmphone.org/en/2017/04/21/constructing-a-deadly-void/?post_type_release_type=post

How Italy’s NGO Boat Seizure Exposes Europe’s Dangerous Policy at Sea
Italy’s seizure of an NGO rescue ship has refocused attention on how Europe outsourced control of the central Mediterranean to the Libyan Coast Guard. Amnesty International’s Matteo de Bellis examines the legal and humanitarian issues at stake.
https://www.newsdeeply.com/refugees/community/2018/03/27/how-italys-ngo-boat-seizure-exposes-europes-dangerous-policy-at-sea

NZZ am Sonntag 01.04.2018

Libyens Hölle treibt Flüchtlinge in ihre Herkunftsländer zurück

Tausende Flüchtlinge aus Westafrika stecken in Libyen und Tunesien fest, oft unter grausamen Bedingungen. Immer mehr kapitulieren – und kehren nach Hause zurück.

von Beat Stauffer, Medenine

Ein Jahr lang glaubte er fest daran, es zu schaffen. Ein Jahr lang nahm er jede Mühsal auf sich und riskierte sein Leben, um nach Europa zu gelangen. Doch es gelang nicht, und er realisierte, dass er am Ende seiner Kräfte war. «Das Einzige, was ich im Moment will, ist, in meine Heimat zurückzukehren», sagt Ibrahim Djallo (Name geändert).

Die Strapazen der Reise sieht man ihm nicht an. Er ist modisch gekleidet, gepflegt, jung. Nur seine traurigen Augen deuten vage darauf hin, was er in den vergangenen Monaten erlebt hat. Hier im Aufnahmezentrum in Medenine, im Süden Tunesiens, fällt der Entscheid, aufzugeben. Im Mai 2017 reist Djallo mithilfe der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zurück in seine Heimat Gambia.

Djallo gehört einer wachsenden Gruppe Migranten aus Afrika an, die ihren Traum, nach Europa auszuwandern, begraben und mit Unterstützung der IOM von Tunesien aus freiwillig in ihre Herkunftsländer zurückreisen. Gemäss Zahlen der zur Uno gehörenden Organisation ist vor allem seit Ende 2017 die Zahl der Rückreisenden merklich angestiegen.

Aus Tunesien kehrten ein paar hundert zurück, aus Libyen wurden zwischen Ende November und Mitte März sogar über 10 000 Personen repatriiert. Dazu kommen noch über 5000 Personen, die mithilfe der Afrikanischen Union oder einer Direkthilfe ihrer eigenen Staaten zurückkehrten. Die meisten stammen aus westafrikanischen Ländern.
Tägliche Vergewaltigungen

Was die Migranten nach Hause treibt, fasst Djallo in drei Worten zusammen: die libysche Hölle. Das Leben in Gambia sei zwar schwierig, aber immer noch hundertmal besser, als in Libyen ein Migrant zu sein, sagte Djallo kurz vor der Heimreise. Ein Migrantenleben in Libyen habe keinen Wert. Die Zahlen der IOM zeigen ebenfalls: Die meisten Rückreisenden stammen aus libyschen Haftzentren.

Mongi Slim ist eigentlich Apotheker. Er führt aber auch das Flüchtlingszentrum in Medenine, wo auch Djallo aufgenommen wurde. Und er kennt sie alle, die Schreckensgeschichten aus Libyen. Sie werden ihm täglich erzählt von Menschen, die in der libyschen Hölle waren und danach hier landen. «Junge Frauen erzählen mir, wie sie monatelang täglich vergewaltigt wurden. Männer klagen, wie sie von jungen Milizionären erpresst, ausgepeitscht und geschlagen wurden. Und da sind auch Flüchtlinge, die auf hoher See Frau und Kinder verloren haben.»

Djallos Geschichte ist nur eine davon. Der Gipser reiste über Senegal, Mali, Burkina Faso und Niger in Richtung Libyen. Zu Beginn lief alles gut. Djallo überlebte die gefährliche Fahrt durch die Wüste, die lange neun Tage dauerte. Zwar musste er später im Süden Libyens für einen Hungerlohn auf einer Baustelle schuften, um sich die Weiterreise an die Mittelmeerküste zu verdienen. Doch es ging weiter. Noch war er voller Hoffnung, dass er es bis nach Europa schaffen würde.

In Bani Walid, der einstigen Hochburg des ehemaligen Diktators Muammar al-Ghadhafi, kam ihm sein Glück jedoch abhanden. An einer Strassenkreuzung wurde er von jungen Milizionären kontrolliert. Sie nahmen ihn fest und erpressten ihn. «Wer kein Geld auf sich trug, wurde mit Waffengewalt gezwungen, seine Eltern anzurufen und um Geld zu bitten.» Djallo wurde geschlagen, gedemütigt. Er schaffte es jedoch in die Hafenstadt Sabratha. Sie war damals der wichtigste Ausreiseort für illegale Migranten.

Dreimal versuchte Ibrahim sein Glück. Das erste Boot, das er bestieg, hatte schon in libyschen Gewässern einen Motorschaden und wurde von der Küstenwache gerettet. Alle Migranten wurden in einer Lagerhalle rund zwei Wochen lang inhaftiert. «Auch hier verlangten die Aufseher Geld», sagt Ibrahim.

Djallo gelang es, seine Eltern zu kontaktieren, die ihm etwas Geld schickten. Doch dann, eines Morgens, wurden die Inhaftierten von den Aufsehern angewiesen, sich in Reih und Glied aufzustellen. Einige begehrten auf, einer war zu müde, um zu stehen. «Da erschossen die Aufseher drei Migranten», sagt Ibrahim, und seine Stimme stockt. «Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.»

Djallo und einigen anderen Migranten gelang es später, aus der Lagerhalle zu fliehen. Sie versuchten erneut, nach Italien auszureisen. Dieses Mal wurden sie schon an Land festgenommen und kamen erneut in Haft. Auch beim dritten Mal hatte der alte Fischkutter eine Motorenpanne und wurde in Richtung Tunesien abgetrieben. So gelangte Djallo in die südtunesische Hafenstadt Zarzis. Von dort wurde er schliesslich ins Zentrum von Medenine überstellt.

Seit Djallos Erlebnissen in Libyen hat sich die Situation verschlimmert. Inzwischen hat Italien in Sabratha und auch im benachbarten Zuwara erhebliche Geldsummen an Milizen bezahlt, um die klandestinen Ausreisen zu unterbinden. Teilweise waren dies Milizen, die jahrelang selbst am Geschäft mit den Migranten gut verdient haben.

Gleichzeitig rüsteten Italien und die Europäische Union die libysche Küstenwache, die offiziell unter der Kontrolle der Regierung in Tripolis steht, besser aus. Das alles hat das Leben für die Migranten in Libyen nur schwerer gemacht. Denn nun sind sie keine Kunden mehr, sondern schlicht Freiwild. Offenbar sollen auch viele Migranten an den Meistbietenden verkauft worden sein.

Nach Medenine kommen ebenfalls mehr Flüchtlinge. Im Zentrum sind zurzeit 225 Personen untergebracht. Sie sind dort in Sicherheit und werden medizinisch betreut, können aber höchstens zwei Monate bleiben. Das einzige konkrete Angebot, das ihnen in dieser Zeit gemacht wird, ist, wieder nach Hause zu reisen.

Ein kleines Team der IOM sucht das Zentrum bei jeder neuen Aufnahme von Migranten auf und stellt ihnen das Angebot für freiwillige Rückreisen vor. Wer bereit ist, sich mithilfe der IOM freiwillig in sein Heimatland repatriieren zu lassen, wird in Medenine abgeholt, erhält ein Flugticket und 30 Dollar als Reisegeld. Dafür muss die betreffende Person ein Formular unterschreiben, dass sie mit einer freiwilligen Rückkehr einverstanden ist.

Ein Drittel akzeptiert

«Rund ein Drittel der Migranten und Flüchtlinge, welche in unserem Zentrum gestrandet sind, nimmt dieses Angebot an», sagt Leiter Mongi Slim. Nicht alle Rückreisen sind jedoch freiwillig. Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass auf die Migranten massiv Druck ausgeübt wird. Ohne legale Papiere sind Migranten verletzbar. Sicherheitskräfte nutzten dies aus und drohten, die Migranten zu inhaftieren und zwangsweise auszuschaffen. Inwiefern die Europäische Union hinter diesem erhöhten Druck auf die Migranten steht, ist schwierig zu beurteilen.

Erst die Erschöpfung und Zermürbung bringen Migranten dazu, ihr Projekt Europa abzubrechen. Letztlich ist es eine Kosten-Nutzen-Abwägung. Zu diesem Schluss kommt Zentrumsleiter Slim. Ähnliches bestätigen Migrationsexperten. Mehdi Lahlou, Professor an der marokkanischen Universität Rabat, erklärt, dass Migranten, die mehrere Male versucht hätten, die spanischen Grenzzäune von Ceuta und Melilla zu überwinden oder auf andere Weise nach Europa zu gelangen, irgendwann die Kraft verlieren würden. Bis sie letztlich kapitulieren.

Ibrahim Djallo lebt heute mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in Serekunda, der zweitgrössten Stadt Gambias. Sein Leben verdient er erneut als Gipser ohne feste Stelle. Hat er seine Rückkehr nach Gambia nicht bereut? Was er in Libyen erlebt habe, möchte er kein zweites Mal durchmachen, sagt er. Nach einer längeren Pause fügt er an: «Falls ich es doch wieder probieren sollte, würde ich es auf jeden Fall besser planen.»

Die letzte freiwillige Rückreise von Migranten aus dem Zentrum in Medenine erfolgte vor knapp drei Wochen. Neunzehn junge Männer, alle aus westafrikanischen Ländern, liessen sich ausfliegen. Sie alle waren durch Libyen gereist. Andere – auch junge Tunesier – wollen hingegen ihr Glück in Europa versuchen, koste es, was es wolle. Viele Menschen, insbesondere aus Schwarzafrika, sind verschuldet und können gar nicht mehr zurück. In der Nacht des 16. März hat ein kleines Boot mit fünfzehn jungen Männern von Zarzis aus in Richtung Lampedusa losgelegt.

Mehr freiwillige Rückreisen

23 000
So viele Personen sind laut IOM seit Januar 2017 zurück. Seit November steigen die Zahlen.

4000
So viele Migranten sitzen derzeit in Libyen in Haft. Im Oktober waren es noch 20 000.

120 000
So viele Flüchtlinge erreichten 2017 über das Mittelmeer Italien.
(https://nzzas.nzz.ch/international/libyens-hoelle-treibt-fluechtlinge-in-ihre-herkunftslaender-zurueck-ld.1370994)

+++TUNESIEN
Einwanderung von Afrika nach Europa: „Bleibt mal lieber zu Hause“
Das deutsche „Auslandsarbeitsamt“ in Tunesien soll die Auswanderung nach Europa reduzieren. Dabei ist die Migration von dort eher gering.
https://www.taz.de/Einwanderung-von-Afrika-nach-Europa/!5492943/

+++JENISCHE/SINTI/ROMA
Aufbruch in die Ungewissheit: Jenische verlassen Birmensdorf
Der Jenische Pascal Gottier verbrachte den Winter in Birmensdorf. In diesen Tagen reist er wieder dem Sommer entgegen, doch die Freude auf das nomadische Leben ist getrübt.
https://www.limmattalerzeitung.ch/limmattal/region-limmattal/aufbruch-in-die-ungewissheit-jenische-verlassen-birmensdorf-132379761

+++FREIRÄUME
Squatopia untersucht im Moment Überlebensstrategien verschiedener autonomer Zentren, die seit mehreren Jahrzehnten existieren: Sie reichen von Freiwilligenarbeit über Drogenhandel («1/3 des Ertrags geht an die Befreiungskämpfe im Trikont»), «Bier gegen Spende» und Vermietung von Räumen bis zu staatlichen Subventionen – häufig auch ein Mix von allem. Gemeinsam ist allen: die jeweilige Strategie erfolgte selbstbestimmt und wurde nicht (direkt) von Aussen diktiert.
https://www.facebook.com/squatopia/photos/a.1972953513022541.1073741829.1969901626661063/1972953499689209/?type=3&theater

+++DEMO/AKTION/REPRESSION
Revolutionärer 1. Mai in Bern
Auch in diesem Jahr gehen in aller Welt revolutionäre Genoss_innen auf die Strasse. Doch aus welchem Grund gehen Menschen am 1. Mai auf die Strasse?
https://barrikade.info/Revolutionarer-1-Mai-in-Bern-978

+++KNAST
In Thorberg werden Häftlinge gefesselt
Praktiken in der Berner Strafanstalt haben die Anti-Folter-Kommission auf den Plan gerufen. Die Gefängnisleitung sieht keinen Handlungsbedarf.
https://www.derbund.ch/schweiz/standard/in-thorberg-werden-haeftlinge-gefesselt/story/22686895
-> https://www.telebaern.tv/118-show-news/22827-episode-sonntag-1-april-2018#thorberg-leitung-weist-folter-vorwuerfe-zurueck
-> https://www.bernerzeitung.ch/schweiz/standard/in-thorberg-werden-haeftlinge-gefesselt/story/22686895
-> https://www.nau.ch/news/auf-dem-thorberg-werden-haftlinge-gefesselt-65317883
-> https://www.blick.ch/news/schweiz/bern/bund-ruegt-berner-thorberg-knast-haeftlinge-gefesselt-id8191569.html
-> Bericht NKVF: https://www.nkvf.admin.ch/nkvf/de/home/publiservice/news/2018/2018-02-21.html

+++POLICE BE
«Das Bild eines toten Säuglings vergisst du nie»
Die Kantonspolizei Bern gibt auf ihrem Blog Einblick in die Arbeit des Kriminaltechnischen Diensts. Dort erklärt sie, weshalb das Berner CSI wie eine kleine Familie ist.
http://www.20min.ch/schweiz/bern/story/-Das-Bild-eines-toten-Saeuglings-vergisst-du-nie–26602160
-> https://www.blog.police.be.ch/2018/03/28/kriminaltechnischer-dienst-das-csi-der-kapo-bern/

+++BIG BROTHER
73% Terrorist
Der Dokumentarfilm «Pre-Crime» von Monika Hielscher und Matthias Heeder zeichnet stellenweise ein dystopisches Bild, verstärkt durch popkulturelle Referenzen. Ab Dienstag wird er im St.Galler Kinok gezeigt.
https://www.saiten.ch/73-terrorist/

Komissar DNA hat ein Problem: Einbrecher fallen durch die Maschen
Für die Polizei wird es immer schwieriger, von möglichen Einbrechern DNA-Profile verwerten lassen – jetzt schlägt der Kanton Baselland Alarm.
https://www.basellandschaftlichezeitung.ch/basel/baselbiet/komissar-dna-hat-ein-problem-einbrecher-fallen-durch-die-maschen-132379433

+++POLICE SG
Bloggende Quartierpolizisten: Dein Facebook-Freund und Helfer
SOZIALE MEDIEN ⋅ Die Quartierpolizisten der Stadt sind neu auch Blogger. Online geben sie Einblicke in ihren Alltag und beantworten Fragen. Das soll Nähe zur Bevölkerung herstellen – hat aber auch noch andere Zwecke.
http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/stgallen/stadt/bloggende-quartierpolizisten-dein-facebook-freund-und-helfer;art507728,5254705

+++POLICE CH
Blaze und Barbara auf der Suche nach den Drogen
Das Hundeausbildungszentrum veranstaltet mit dem Grenzwachtkorps Übungen zur Aufspürung von Rauschmitteln. Diese Zeitung begleitete die Polizistin und ihren Hund auf Drogensuche im Nachtlokal Hangover.
https://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/161726/

+++ANTIFA
Antisemitismus unter jungen Muslimen auch in der Schweiz: Judenhass im Namen Allahs
Nach dem Mord an der Jüdin Mireille Knoll (†85) fragen sich viele Franzosen: Wie antisemitisch sind unsere Einwanderer? Fälle in der Schweiz zeigen: Auch hier hetzen Muslime gegen Juden.
https://www.blick.ch/news/schweiz/antisemitismus-unter-jungen-muslimen-auch-in-der-schweiz-judenhass-im-namen-allahs-id8191291.html?utm_source=twitter&utm_medium=social_page&utm_campaign=bli

+++ANTIRA
Dubiose Figuren am Rednerpult – in der Ostschweiz nichts Seltenes
OSTSCHWEIZ ⋅ Die Jungen Grünen kritisieren die Vergabepraxis kantonaler Veranstaltungsorte wie die des Pfalzkellers. Ein Blick auf die Vergabekriterien der Ostschweizer Kantone zeigt: Sie überprüfen, sind aber grosszügig.
http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/dubiose-figuren-am-rednerpult;art509574,5255432